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Sorgen Verkehr und Industrie für immer heftigere Regengüsse?

Selbst im Sommer entsteht 99 % des Regens in unseren Breiten in Eiswolken - hier eine Archivaufnahme vom Elbufer in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Selbst im Sommer entsteht 99 % des Regens in unseren Breiten in Eiswolken – hier eine Archivaufnahme vom Elbufer in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Leipziger Meteorologen: Selbst im Hochsommer entsteht Regen über Deutschland meist aus Eiswolken, die sich an Partikeln bilden

Leipzig, 21. Juli 2015: Es klingt absurd, aber ist nun durch Satelliten-Auswertungen von Millionen Wolken weitgehend gesichert: Selbst wenn hier unten eine Bullenhitze herrscht, so kommen die gelegentlichen Sommerregen-Güsse fast immer aus dem Eis – oder besser gesagt: aus Eiswolken hoch über Deutschland. Das haben Meteorologen der Uni Leipzig nun herausgefunden. Anders als in den Tropen und über den Ozeanen, wo sich Regen meist aus niedrigen Flüssigwolken bildet, regnet es dadurch auf dem Lande in unseren Breiten nicht so häufig, aber dadurch umso heftiger. Die Forscher vermuten, dass wir dafür selbst verantwortlich sind, die Emissionen von Verkehr und Industrie diesen Effekt künftig sogar noch weiter verstärken könnten.

Meteorologen werteten Sat-Daten von 50 Millionen Wolken aus

Schon Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der USA und Erfinder des Blitzableiters, hatte Ende des 18. Jahrhunderts vermutet, dass der meiste Regen aus Eis- und nicht Flüssigwolken entsteht. Wissenschaftler des Instituts für Meteorologie an der Universität Leipzig haben dies nun bestätigt, nachdem sie die Daten von drei NASA-Satelliten ausgewertet hatten, die über fünf Jahre hinweg insgesamt über 50 Millionen Regenwolken ausgemessen hatten. Demnach entsteht sogar 99 Prozent des Regens in unseren Breiten auf dem Lande durch solche Eiswolken. Über diesen sehr hohen Prozentsatz erstaunt seien die Forscher doch ziemlich erstaunt gewesen, räumte Studien-Autor Dr. Johannes Mülmenstädt ein. „Unsere Erkenntnisse könnten nun helfen, die Rolle des Menschen besser zu verstehen, die er bei der Entstehung von Regen spielt.“

Wasserdampf kondensiert an winzigen Teilchen in Atmosphäre

Wolken entstehen, wenn verdampftes Wasser in die Atmosphäre aufsteigt und dort auf winzige Partikel – wie etwa Staubteilchen – stößt, die wie „Kondensationskeime“ wirken: Der Wasserdampf kondensiert und wird schließlich so schwer, dass er als Regen wieder auf die Erde fällt. „Stehen jedoch viele Schwebeteilchen zur Kondensation zur Verfügung, bilden sich mehr und dafür kleinere Tropfen, die weiter in größere Höhen aufsteigen können und zu Eiskristallen gefrieren“, erklärten die Leipziger Meteorologen. Eben dies sei der Fall über dichtbesiedelten Gebieten mit viel Straßenverkehr und Fabriken. Die Folge: „Weil sich eine Eiswolke langsamer bildet, regnet es aus ihr zwar seltener, dafür aber dann umso stärker.“ Die Forscher hoffen, dass ihre Studie dabei hilft, künftig präzisere Wetter- und vor allem Regen-Prognosen zu erstellen.