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Bluray Virtuality: Dschungelcamp im Weltall

Kann einem eher leid tun in diesem Sci-Fi-TV-Show-Zirkus: Nikolai Coster Waldau als Kommandant der "Phaeton". Abb.: Bildschirmfoto

Kann einem eher leid tun in diesem Sci-Fi-TV-Show-Zirkus: Nikolai Coster Waldau als Kommandant der „Phaeton“. Abb.: Bildschirmfoto

Sci-Fi-Streifen über die Suche nach neuer Erde gleitet in Unterschichts-TV ab

Während die Erde langsam in einer Klima-Katastrophe ersäuft, gondelt das Raumschiff „Phaeton“ zu einem fernen Sternensystem, um Aliens und/oder eine neue Heimat für die Menschen zu finden. Finanziert wird die sauteure Expedition durch einen Unterhaltungskonzern, der dafür eine Art „Big-Brother-Dschungelcamp“ von den Astronauten fordert: Jeden Tag müssen sie vor TV-Kameras herumhampeln, um den Zuschauern per Fernübertragung zur Erde ausreichend voyeuristische Unterhaltung mitten im Untergang zu bieten.

Um nicht völlig zu verblöden, taucht die Crew immer öfter in virtuelle Welten an Bord ab: eine Art Holodeck à la Raumschiff „Enterprise“, in der sie ein alternatives Leben als Westernheld oder Rockstar-Heroine genießen. Doch dann mehren sich die Fehler im System: Die Lebenserhaltungssysteme im Raumschiff drohen zu versagen und in der computergenerierten Scheinwelt sorgt ein fremder Avatar für Mord und Vergewaltigung. Kommandant Frank Pike (Nikolai Coster Waldau – „Game of Thrones“) ist hin- und hergerissen: Soll er die Mission und den ganzen Reality-Show-Zirkus abbrechen und zur Erde zurückkehren…?

Viel Geplapper, viel Geschreie

Leider haben Regisseur Peter Berg („Battleship“) und Produzent Ronald D. Moore („Battlestar Galactica“) das an für sich interessante Thema im Science-Fiction-Film „Virtuality – Killer im System“, der nun auf DVD und Bluray erschienen ist, völlig versaubeutelt: Die Story wird holprig und weitgehend logikfrei heruntergeleiert, die Mimen sondern Plattitüden ab und plappern unaufhörlich und und wenn die Einschaltquoten sinken, schreien sie sich eben mal sinnfrei ein bisschen gegenseitig an –Unterschichts-Fernsehen eben, das sich von der Sujet- auf die filmische Ebene durchgräbt. Als Extras spendiert die Bluray magere anderthalb Minuten unkommentierte „Behind the Scenes“-Kameraaufnahmen plus Interviews mit den Schauspielern und einem Ko-Produzenten, die nichts Erhellendes beizutragen haben und noch nicht einmal deutsch untertitelt sind.

Fazit: Schwache Kür

Ein besonders unlogischer Science-Fiction-Streifen, der eklektisch Genre-Versatzstücke aneinanderstückelt. Nervtötend ist vor allem das unaufhörliche Niedrigniveau-Gefasel der Mimen – der eigentlich recht fähige Nikolai Coster Waldau kann einem in dieser Realityshow-Seife nur leid tun. Autor: Heiko Weckbrodt

„Virtuality – Killer im System“ (Koch Media), Reality-Show-Science-Fiction, USA 2009 (DVD-VÖ Deutschland: 2015), 92 Minuten (Bluray-Fassung), DVD zehn Euro, Bluray 13 Euro

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Pluspunkte:

– Interessante Grundthema „Übergriffige Medienkonzerne“

Minuspunkte:

– unambitioniert erzählt
– voller logischer Patzer und Physik-Schnitzer
– sinnfreies Gelaber
– magere Bonussektion