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Ifo Dresden: Sachsens Wirtschaft legt über Bundesschnitt zu

Abb.: hw

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Wirtschaftsforscher sehen auch durch Grexit und Russland-Krise keine dramatische Bedrohung

Dresden, 2. Juli 2015. Sachsen kann in diesem und im kommenden Jahr mit einer guten, ja sogar im Bundesvergleich leicht überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung rechnen. Das haben die Ökonomen von ifo Dresden prognostiziert. Demnach wird die Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt) im Freistaat in diesem Jahr um zwei Prozent zulegen, 2016 dann um 1,8 Prozent. Zum Vergleich: Für Ostdeutschland rechnen die Wirtschaftsforscher mit Wachstumsraten von 1,8 % (2015) und 1,6 % (2016) und für Deutschland insgesamt mit 1,9 bzw. 1,8 %. „Wir können positiv in die Zukunft schauen“, schätzte Ifo-Dresden-Vizechef Prof. Joachim Ragnitz ein. Nach einem eher schwachen ersten Halbjahr 2015 werde die Konjunktur nun an Fahrt aufnehmen – allerdings ohne in gleichem Maße auch neue Jobs zu generieren.

„Ob Griechen in Drache oder Euro zahlen, ist nicht entscheidend“

Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Jochaim Ragnitz. Abb.: ifo DD

Die Griechenland-Krise sei in diese Prognosen bereits „eingepreist“, sagte Ragnitz: Sollte sich die Situation in Hellas nicht über alle Erwartungen hinaus ins Chaotische verschärfen, werde auch dies die Konjunktur in Deutschland und speziell in Sachsen kaum dämpfen. Auch in einem „Grexit“, einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone, könne er keine Dramatik erkennen: „Ob die Griechen in Zukunft nun mit Drachmen oder Euro zahlen, ist nicht so entscheidend“, argumentierte er. Die meisten Banken hätten ihre Griechenland-Papiere ohnehin schon abgeschrieben oder verkauft und die wirtschaftliche Verflechtung zwischen Deutschland und Hellas sei auch nicht besonders schwerwiegend. Problematisch könnte sich ein Grexit nur entwickeln, wenn es zu Dominoeffekten in anderen EU-Staaten komme. Im Übrigen seien auch die zunächst erwarteten Wirtschaftsprobleme für Sachsen durch den Konflikt zwischen Russland und dem Westen weit geringer ausgefallen als gedacht.

Wachstumsstädte Leipzig und Dresden stützen Binnennachfrage

Das im ostdeutschen Vergleich überdurchschnittliche Wirtschaftswachstum in Sachsen führen die Forscher auf das stärkere Gewicht der Industrie im Freistaat zurück und deren bessere internationale Ausrichtung. Auch habe Sachsen dank der Wachstumszentren Leipzig und Dresden nicht ganz so dramatische Probleme mit der demografischen Entwicklung wie andere ostdeutsche Länder. Denn in beiden Städten setze sich der spürbare Bevölkerungszuwachs fort, dies wiederum sorge für Kaufkraft und stütze die Binnennachfrage.

Maschinen- und Autobau sind Sachsens Zugpferde

Zugpferde des wirtschaftlichen Aufschwungs in Sachsen sind nach Ragnitz’ Einschätzung vor allem der Maschenbau und die Automobilindustrie, in geringerem Maße auch die Elektro- und Chipindustrie. Jüngere Vorzeigebranchen wie die Biotechnologie, auf die die Landespolitiker so stolz sind, spielen hingegen immer noch eine nur geringe Rolle für die Gesamt-Wirtschaftleistung. Die gute Auftragslage in den Schlüsselbranchen, gepaart mit Niedrigstzinsen und günstiger Ölpreis-Entwicklung werde wohl auch die Investitionsbereitschaft in der Wirtschaft stärken – und dies wiederum die Baubranche und die unternehmensnahen Dienstleister stärken.

Jobeffekte eher schwach

Allerdings werde sich das Wirtschaftswachstum in Sachsen nicht 1 zu 1 in mehr Jobs ummünzen lassen, betonte Ragnitz: Für 2015 und 2016 rechnet ifo Dresden mit einem Arbeitsplätze-Zuwachs um jeweils nur 0,5 bzw. 0,4 %. Ein Grund ist Fachkräftemangel: In einigen Branchen und Berufsgruppen haben die Unternehmen Probleme, offene Stellen zu besetzen und reagieren darauf mit Rationalisierungen. Zuwanderer werden diese Fachkräfte-Engpässe – vor allem bei Ärzten und Ingenieuren – in Sachsen wohl nur punktuell schließen, da sich diese Zuwanderung vor allem auf die Großstädte konzentriere, aber kaum im ländlichen Raum wirke. Autor: Heiko Weckbrodt