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DVD Birdman: B-Movie-Star lernt fliegen

Der jüngere, stärkere, erfolgreichere Schauspieletr-Kollege Mike Shiner(Edward Norton, rechts) treibt Riggan Thomson (Michael Keaton) in den Wahnsinn - doch verzichten kann er auf ihn leider nicht. Foto: Fox

Hinter der Bühne fliegen die Fetzen: Der jüngere, stärkere, erfolgreichere Schauspieler-Kollege Mike Shiner (Edward Norton, rechts) treibt Riggan Thomson (Michael Keaton) in den Wahnsinn – doch verzichten kann er auf ihn leider nicht. Foto: Fox

Michael Keaton als gealterter Mime taumelt zwischen den Polen

Der abgehalfterte Ex-Superhelden-Darsteller Riggan Thomson (Michael Keaton, „Batman“, „Robocop“) will es noch einmal wissen: Um als „echter“ Schauspieler anerkannt und nicht immer nur in seiner alten B-Movie-Rolle als „Birdman“ wahrgenommen zu werden, inszeniert er an einem Theater ein anspruchsvolles Beziehungsstück – mit ihm selbst in der Hauptrolle. Doch so recht will das Comeback nicht gelingen. Der Inszenierung wirkt blutleer, selbst Riggans Tochter Sam (Emma Stone, „Gangster Squad“, „Noah„) glaubt nicht an ihn. Da engagiert er den exaltierten Schauspieler Mike Shiner (Edward Norton, „Fight Club“, „Grand Budapest Hotel“). Der erweist sich als spektakuläre Besetzung, aber auch als übler Quertreiber. Und je komplizierter die Welt für Riggan Thomson wird, umso öfter fühlt er sich von seinem Alter Ego „Birdman“ verfolgt, flüchtet sich in dessen einfache, zerstörerische Parallelwelt…

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Mal egomanisches Affentheater, mal Kammerspiel und Actionknaller

Das absurde Drama „Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“, das nun fürs Heimkino erschienen ist, schwankt ähnlich wie sein „Held“ zwischen den Polen: Mal ist es Hollywood-Nabelschau, ein großes Affentheater der Egomanen, dann wieder surreales Ironiespiel à la „Naked Lunch“, wird für ein paar Szenen Superhelden-Knallbumm-Spektakel, um wieder zum Drama-Genre zurückzukehren.

 

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Geliebt werden wollen wir doch alle

Und eben das macht den besonderen Reiz dieses Streifens aus, der sich vor allem um ein Grundthema immer wieder dreht: Den Urdrang des Individuums, geliebt, anerkannt zu werden. Sicher, hier stehen starke Szenen neben auch einigen eher schwachen Sequenzen. Aber das macht Birdman an anderer Stelle durch seine schräge Kameraführung wett, die viel auf Großaufnahmen drauf auf die Gesichter und eine fast U-Boot-artige Inszenierung der Backstage-Kammern im Theater setzt, durch seine Kammerspiel-Intermezzi. Und seinen Mut zur Hässlichkeit: Schon die Eingangssequenz, in der Keaton in Feinripp-Unterhosen in seiner Garderobe hockt, ist Kult.

Wieder mal in einer starken Nebenrolle zu sehen: Emma Stone als Birdmans Tochter Sam. Foto: Fox

Wieder mal in einer starken Nebenrolle zu sehen: Emma Stone als Birdmans Tochter Sam. Foto: Fox

Fazit: Zum Lachen und Weinen

Sicher: „Birdman“ hat auch ein paar Schwächen, gleitet gelegentlich ins Kasperhafte ab und über die Brüche durch die häufigen Genrewechsel mag man als Zuschauer etwas stolpern. Dennoch überwiegen die Stärken. Denn Birdman ist eben auch witzig und traurig, schräg und für Hollywood-Maßstäbe fast mutig in seiner Bildsprache. Wer noch ein bisschen mehr über die Hintergründe und die Dreharbeiten erfahren will, sollte sich in der Bonussektion noch die Doku „Hinter die Kulissen“ reinziehen. Autor: Heiko Weckbrodt

Foto: Fox

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„Birdman oder (Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit)“ (20th Century Fox), Drama, Regie: Alejandro González Iñárritu („Babel“), mit Michael Keaton und Edward Norton, USA 2014 (DVD: 2015), 114 Minuten FSK 12