Wirtschaft

Nur jedes 3. öffentliche Unternehmen legt Manager-Bezüge offen

Sachsens Hightech-Gründer leiden unter Risikokapital-Lücken. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsforscher der Uni Leipzig mahnen nach Studie nun Transparenz-Debatte in Sachsen an

Leipzig/Dresden, 27. April 2015: Die meisten öffentlichen Unternehmen in Deutschland veröffentlichen nicht, welche Gehälter sie ihren Managern zahlen – obwohl sie letztlich im Regelfall durch Steuern, Abgaben beziehungsweise Gebühren der Bürger finanziert werden. Das geht aus einer Studie von Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Leipzig hervor. Demnach informiert kaum ein Drittel der 320 untersuchten Stadtwerke, Nahverkehrsbetriebe, kommunalen Krankenhäuser und anderen öffentlichen Betrieben öffentlich über ihre Manager-Gehälter.

Dresden besonders intransparent

Besonders schlimm sei es unter anderem in der sächsischen Landeshauptstadt, schätzte auf Oiger-Anfrage Juniorprofessor Ulf Papenfuß ein, der die Studie zusammen mit Benjamin Friedländer und Christian Schmidt von der Uni Leipzig verfasst hat. „Dresden ist da mit die intransparenteste Stadt überhaupt. Dort geben über 90 Prozent der untersuchten Unternehmen keine öffentliche Auskunft.“

Die Drewag-Stadtwerke in Dresden zum Beispiel haben in ihrem Geschäftsbericht 2013  ihre Manager-Bezüge unter Verweis auf § 286 HGB nicht veröffentlicht, lediglich die Aufsichtsrats-Bezüge (20.000 Euro) und die Zahlungen an ehemalige Mitglieder der Geschäftsführung (205.000 Euro). Diese Entscheidung liege im Ermessen des Aufsichtsrates, also letztlich der Vertreter der Landeshauptstadt, sagte Drewag-Sprecherin Gerlind Ostmann dazu. Ähnlich handhabt es auch die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) AG.

 

Prof.  Ulf Papenfuß Foto: Swen Reichhold, Uni Leipzig

Prof. Ulf Papenfuß
Foto: Swen Reichhold, Uni Leipzig

Wirtschaftswissenschaftler Prof. Ulf Papenfuß (Uni Leipzig): „Es ist in einer Demokratie wichtig, dass öffentliche Unternehmen transparent agieren und nicht den Mantel des Schweigens über ihre Manager-Bezüge legen.“

 

 

 

 

 

 

Forscher für Transparenz-Gesetz in Sachsen

Wirtschaftswissenschaftler Papenfuß mahnte gerade in Sachsen eine Debatte zum Thema an: „Im Umgang mit öffentlichen Mitteln ist mehr Transparenz geboten“, sagte er. Während börsennotierte private Unternehmen schon seit dem Jahr 2005 verpflichtet seien, individualisiert über ihre Managergehälter zu berichten, sei dies gerade bei kommunalen Unternehmen eher die Ausnahme denn die Regel. Ulf Papenfuß verweist auch auf internationale Vorbilder wie Dänemark oder Litauen, in denen die Öffentlichkeit viel klarer darüber informiert werde, was kommunale oder staatliche Unternehmen mit dem Geld der Bürger anstellen.

In einigen deutschen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gebe es zwar Transparenzgesetze zur personenbezogenen Offenlegung der Managervergütung. Doch oft würden sich die öffentlichen Unternehmen nicht daran halten. Und in Sachsen gebe es solch eine gesetzliche Regelung überhaupt nicht – über freiwillige Selbstverpflichtungen wie etwa in Leipzig gehe die Transparenz im Freistaat bisher kaum hinaus.

Über die Hälfte der Unternehmen verrät gar nichts über Manager-Gehälter

Die Leipziger Forscher hatten für ihre Studie 320 Unternehmen in Privatrechtsform in den 16 Landeshauptstädten beziehungsweise Stadtstaaten und in den zehn größten deutschen Städten in elf Branchen unter die Lupe genommen. 57,2 Prozent dieser Betriebe legten ihre Manager-Gehälter überhaupt nicht offen, 14,4 Prozent nannten nur Gesamt-Summen, lediglich 28,4 Prozent veröffentlichten auch die Gehälter einzelner Manager.

Gehälter-Vergleich im privaten und öffentlichen Sektor geplant

Ihre Studie haben die Leipziger Autoren nun in der Zeitschrift „Verwaltung & Management“ veröffentlicht. Als nächstes wollen die Wirtschaftswissenschaftler nun untersuchen, wie sehr sich die Manager-Gehälter und privaten und öffentlichen Unternehmen in der Höhe unterscheiden. Autor: Heiko Weckbrodt