Wirtschaft

Deutsche Werkstätten Hellerau: Umwelttechnik zahlt sich aus

Hellerau-Fertigungsleiter Hans-Michael Steger im Manufaktur-Teil der Deutschen Werkstätten. Foto: Heiko Weckbrodt

Hellerau-Fertigungsleiter Hans-Michael Steger im Manufaktur-Teil der Deutschen Werkstätten. Foto: Heiko Weckbrodt

Investitionen in ökofreundliche Anlagen amortisieren sich beim Dresdner Luxus-Innenausstatter recht rasch

Dresden, 26. April 2015. Investitionen in umweltfreundliche Technik haben sich für die „Deutschen Werkstätten Hellerau“ bis jetzt immer wieder rasch ausgezahlt. Das hat Hans-Michael Steger, der Fertigungs-Chef des Dresdner Luxus-Innenausstatters, am Rande der Klimaschutz-Konferenz der europäischen Kommunen in Dresden eingeschätzt.

Über 50.000 € Betriebskosten durch Öko-Investitionen gespart

Steger verwies auf die positiven Erfahrungen des Unternehmens mit dem „Ökoprofit“-Programm, das solche Investitionen im Mittelstand fördert: Durch die dabei seit 2006 angestoßenen technischen Verbesserungen sparen die Deutschen Werkstätten inzwischen über 50.000 Euro an Betriebskosten pro Jahr ein. Rechne man die dabei geflossenen Fördergelder von den Gesamtinvestitionen ab, haben sich die Umwelttechnik-Ausgaben hier meist binnen zwei bis fünf Jahren amortisiert.

Lackierer Ricardo Rondeau bearbeitet ein Bauteil. Das Unternehmen hat in der Lackiererei Wärmetauscher installiert, um Energiekosten zu sparen und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Foto: Heiko Weckbrodt

Lackierer Ricardo Rondeau bearbeitet ein Bauteil. Das Unternehmen hat in der Lackiererei Wärmetauscher installiert, um Energiekosten zu sparen und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Foto: Heiko Weckbrodt

Warmluft in Lackierer wird jetzt wiederverwertet

Zu den größten Investitionen im Zuge des „Ökoprofit“-Programms in den Deutschen Werkstätten Hellerau gehörte beispielsweise die Installation großer Wärmetauscher und –rückgewinner in der Lackiererei. Denn dort blasen stetige warme Luftströme, um die Lungen der Lackierer zu schonen und eine präzise Verarbeitungsqualität der Hölzer zu sichern. Denn nur wenn die Temperatur beim Lackieren konstant gehalten wird, treten keine Spannungen und andere Verarbeitungsfehler auf, wenn die Hellerauer Designer-Inneneinrichtungen aus Holz und anderen Materialien für die Yachten, Konzernzentralen und Privatvillen der richtig Reichen unserer Erde herstellen. Diese Wärmeenergie in der Luft wurde früher mehr oder minder hinterher verplempert, nämlich ins Freie geblasen.

Eigene Ausgaben refinanzieren sich nach 2,5 Jahren

Während des Ökoprofit-Projektes habe man dann jedoch für rund 135.000 Euro Wärmetauscher installiert, die nun die Luft am Start der Temperierungskette vorheizen. Zirka 75.000 Euro haben die Werkstätten selbst investiert, weitere 60.000 Euro kamen als Fördergeld von der Sächsischen Aufbaubank (SAB), berichtete Hans-Michael Steger. Unterm Strich hätten sich die jährlichen Betriebsausgaben dadurch um etwa 30.000 Euro verringert. Insofern hätten sich die vom Unternehmen selbst beigesteuerten Investitionen innerhalb von zweieinhalb Jahren refinanziert.

Maschinen warnen jetzt vor Stromspitzen

Andere Öko-Profit-Projekte in den Deutschen Werkstätten im Dresdner Norden waren beispielsweise flexible Lichtsteuer-Systeme und der Austausch von Leuchtstoff-Röhren durch LED-Lampen. Auch wurde Energie-Optimierungssysteme an zwölf Maschinen installiert. Die warnen jetzt mit Lampen davor, sie einzuschalten, wenn sich das Unternehmen gerade einer Stromverbrauchs-Spitze nähert – die sonst teuer bei den Stadtwerken bezahlt werden müssten.

40 Millionen Euro Umsatz mit Innen-Veredelung von Luxusjachten und Villen

Die Deutschen Werkstätten Hellerau wurden 1898 vom Tischler und Gartenstadt-Dan Karl Schmidt-Hellerau in Hellerau gegründet. 1910 zog das Unternehmern nach Hellerau in eine später „Möbelzwinge“ genannte und nach Entwürfen von Richard Riemerschmid gebaute Fabrik um. Zu DDR-Zeiten waren die Werkstätten der Stammbetrieb des VEB Möbelkombinats Hellerau, fokussierten sich aber auf staatliches Geheiß mehr und mehr auf die Möbel-Massenproduktion. 1992 wurde das Unternehmen reprivatisiert und eine drohende Pleite abgewendet.

2006 siedelte das Unternehmen in einen gläsernen Neubau auf der anderen Seite des Moritzburger Wegs um. Die alte Manufaktur wird seitdem kulturell und für einen Biotech-Gewerbepark genutzt. Die Deutschen Werkstätten Hellerau haben inzwischen 200 Mitarbeiter in Dresden und weitere 30 in internationalen Vertretungen, zum Beispiel in Russland, Frankreich, Großbritannien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das Unternehmen setzt pro Jahr etwa 40 Millionen Euro um. Autor: Heiko Weckbrodt

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