Wirtschaft

Tesla S im Test: Elektro-Sportwagen geht ab wie Schmidts Katze

Unsere Testfahrt mit dem Tesla S startet an der Autobahnauffahrt Nossen. Foto: Peter Weckbrodt

Unsere Testfahrt mit dem Tesla S startet an der Autobahnauffahrt Nossen. Foto: Peter Weckbrodt

Kalifornier bauen in Deutschland Netz von Schnelllade-Stationen auf, auch in Sachsen gibt es inzwischen „Supercharger“

Dresden/Nossen, 18. April 2015. Huch, was macht denn da dieser große Benz im Rückspiegel? Ist so schönes Wetter und der hat die Scheinwerfer an? Seine Nähe erscheint mit bei Tempo 150 doch etwas vorschriftswidrig und da muss man doch helfen: Ich latsche kurz das Gaspedal durch, der Horizont kommt irgendwie näher – und nach drei, vier Sekunden ist der Autobahn-Drängler nur noch ein kleiner Punkt im Spiegel. Umspielt da ein kleines triumphierendes Lächeln die Lippen der Tesla-Dame auf dem Beifahrersitz? Keine Frage: Der Mercedes eben mag gut motorisiert gewesen sein, gegen ein elektrisches Jungs-Spielzeug wie den „Tesla S“ hat der Otto-Motor einfach keine Chance. Denn beim Elektromotor steht getriebefrei die volle Beschleunigungskraft sofort zur Verfügung. Und man hat sogar noch das vage gute Gefühl, irgendwas für die Umwelt zu tun, wenn man mit diesem Elektroauto aus Kalifornien über die A 14 rast – so von wegen abgasfrei und so…

Bis zu 500 km Reichweite

Vor zwölf Jahren, als die meisten großen Automobilriesen Elektrowagen noch als Zukunfts-Spinnerei abtaten, gründete der exzentrische Physiker Elon Musk die „Tesla Motors Inc.“. Mittlerweile gilt das Unternehmen aus dem kalifornischen Palo Alto als weltweit technologisch führend im Serienbau von Elektroautos. Vor allem von der Reichweite der „Tesla S“-Modelle (bis zu 500 Kilometer mit einer Akku-Ladung) können andere Hersteller, die später in den Elektroauto-Markt eingestiegen sind, nur träumen.

815 Teslas in Deutschland neu zugelassen

Seit zwei Jahren verkauft Tesla seine elektrischen Sportwagen auch in Deutschland. Die Absatzzahlen für das Oberklasse-Auto sind noch bescheiden: Im Jahr 2014 wurden in Deutschland laut Kfz-Bundesamt 815 Elektro-Teslas zugelassen. Dem Vernehmen nach sollen es etwa 20 Teslas in Sachsen gewesen. Zum Vergleich: Im selben Jahr kam BMW deutschlandweit mit seinem Elektro-i3 auf über 2300 Zulassungen und der iMIEV von Mitsubishi auf 122, die elektrische Variante des Smart auf knapp 1600 Zulassungen.

In Sachsen hat Tesla eine Superscharger-Station am Autohof Nossen an der A 14 installiert. Tesla-Fahrer dürfen hier gratis Strom tanken. Foto: Heiko Weckbrodt

In Sachsen hat Tesla eine Superscharger-Station am Autohof Nossen an der A 14 installiert. Tesla-Fahrer dürfen hier gratis Strom tanken. Foto: Heiko Weckbrodt

Supercharger füllen Akku binnen ¾ Stunde

Aber ganz offensichtlich ist es Tesla ernst mit der Expansion auf den deutschen Markt: Die Kalifornier bauen derzeit entlang der wichtigsten deutschen Autobahnen ein Netz von „Supercharger“-Schnellladestationen auf, an denen man – kostenlos wohlgemerkt – die Teslas binnen 30 bis 45 Minuten wieder vollladen kann. Das frisst zwar immer noch deutlich mehr Zeit als das konventionelle Nachtanken eines Verbrennungsmotors, ist aber nichts im Vergleich zu den sieben bis acht Stunden, die es normalerweise dauert, ein Elektroauto daheim über Nacht wieder zu laden. Mittlerweile sind in der Bundesrepublik 37 solcher Supercharger-Stationen in Betrieb, darunter eine (mit sechs Säulen) in Sachsen, an der Abfahrt Nossen Nord an der A 14.

Reichweite halbiert sich bei rasantem Fahrstil

Indes hat der deutsche Markt für Tesla einige Besonderheiten – im Positiven wie im Negativen: Zum Einen gelten die Deutschen als vergleichsweise öko-gestimmt und kaufkräftig, was die Absatzchancen für die alles andere als billigen Tesla-S-Modelle (ab etwa 75.000 Euro) eher verbessert. Im gleichen Atemzug sagt man den germanischen Automobilisten aber auch nach, Techniknarren zu sein. Und da lassen Drehmomente zwischen 430 und 930 Newtonmeter (je nach Elektromotor-Variante) das Herz jedes Knaben im Manne höher schlagen – zudem kann man die Höchstgeschwindigkeit von bis zu 250 Km/h auf deutschen Autobahnen auch mal ausfahren.

Insbesondere der rieige Navi-Bildschirm im Tesla ist ein Hingucker. Foto: Peter Weckbrodt

Insbesondere der rieige Navi-Bildschirm im Tesla ist ein Hingucker. Foto: Peter Weckbrodt

Aber gerade dies ist zugleich auch ein gewisses Problem für die Tesla-Vermarktung: Denn bei solch rasanter Fahrweise halbiert sich die Reichweite mit einer Akkuladung eben auch gleich mal von bis zu 500 auf maximal 250 Kilometer. Laut Tesla-Angaben hat das Unternehmen das Supercharger-Netz so gespannt, dass man dennoch quer und längst durch Deutschland von Station zu Station kommt. Aber das heißt eben auch: Man muss jede längere Fahrt vorher sorgfältig durchplanen, damit man nicht irgendwo in der Pampa stehenbleibt. Und stehenbleiben ist beim Tesla wörtlich zu verstehen: Mal eben kurz vom ADAC ein paar Liter in den Tank nachkippen lassen, ist beim Elektroauto nicht – das muss bei leeren Akku abgeschleppt werden.

Freilich ist die Tesla-Reichweite immer noch weit mehr als alle andere Elektroautos auf dem Markt schaffen: Meist geben da die Hersteller bis zu 160 km an. In der Praxis sind es, wie wir wiederholt von Nutzern bestätigt bekamen, oft nur 100 oder 110 km, im Winter sogar noch weniger.

Tesla-Werbevideo:

 

Hoffen auf Akku-Megafabrik in Deutschland

Nach unserer Einschätzung ist Tesla mit seinem Modell S den anderen Herstellern technologisch um etwa fünf Jahre voraus, vor allem in der Akku-Technologie: Kaum ein anderes Unternehmen – auch außerhalb der Autobranche – hat soviel Erfahrungen mit dem Einsatz großer Lithium-Ionen-Speicher für den mobilen Einsatz. Zudem richten sich auch die Hoffnungen deutscher Wirtschaftspolitiker auf die Kalifornier: Seit Tesla den Plan verkündet hat, in Europa – und möglicherweise speziell in Deutschland – eine Großfabrik für Akkus errichten zu wollen, wetteifern zahlreiche Standorte um den Zuschlag. So haben beispielsweise die Hessen große Ambitionen entwickelt, Tesla zu einer Werkansiedlung zu bewegen, aber auch in der Energiespeicher-Stadt Dresden macht man sich darauf Hoffnungen.

Hoher Fahrspaß

Während unserer Testfahrt auf der A 14 hat uns der Tesla S jedenfalls wirklich schwer beeindruckt: Die Beschleunigung ist jenseits von Gut und Böse, durch seine 2,5 Masse (bedingt durch die schweren Akkus) liegt der Tesla wie ein Brett auf der Fahrbahn und auch das Interieur wirkt ausgesprochen edel – bis hin zum riesigen Navigations-Bildschirm. Nun ist zwar auch der in Leipzig gefertigte BMW i3, den wir auch schon einmal probefahren durften, sehr anzugsstark, technisch hochgerüstet und mit seiner Karbon-Karosserie ein innovatives Konzept. Aber in puncto Reichweite, Anzug, Tempo, Ausgereiftheit und Ausstattung ist der Sportwagen aus Kalifornien ganz weit vorn – und geht ab wie Schmidts Katze. Autor: Heiko Weckbrodt