Wirtschaft

Klimaschutz-Konferenz in Dresden

Vor allem in Südeuropa werden immer öfter auch Solarthermie-Kraftwerke gebaut, in denen das Sonnenlicht nicht in Strom gewandelt, sondern zur nutzbaren Wärmeerzeugung gesammelt wird. Hier ist ein Solazschmelzofen in Odeillo in Frankreich zu sehen. Foto: YvesC, Wikipedia, CC2.5-Lizenz

Vor allem in Südeuropa werden immer öfter auch Solarthermie-Kraftwerke gebaut, in denen das Sonnenlicht nicht in Strom gewandelt, sondern zur nutzbaren Wärmeerzeugung gesammelt wird. Hier ist ein Solazschmelzofen in Odeillo in Frankreich zu sehen. Foto: YvesC, Wikipedia, CC2.5-Lizenz

Durch moderne Energietechnik und intelligente Verkehrsleit-Systeme könnten Städte die Abgase zusammenboxen – doch die Investitionen wären erheblich

Dresden, 15. April 2015. Mit – allerdings teils recht teuren – Investitionen in moderne Energieerzeugungstechnik und bessere Verkehrs-Regelsysteme könnten Kommunen erhebliche Beiträge für den Klimaschutz leisten und unterm Strich auch Energiekosten sparen. Darauf haben Vertreter aus Wirtschaft und Forschung im Vorfeld der „Klimabündnis-Jahreskonferenz“ der europäischen Kommunen hingewiesen, die in einer Woche in Dresden beginnt. Gerade diese Investitionen sind aber der Dreh- und Angelpunkt, wenn man beispielsweise Konferenz-Gastgeber Dresden mit München vergleicht: Während die bayrische Landeshauptstadt jährlich über 30 Millionen Euro in ihr Klimaschutzprogramm steckt, steht dafür in Dresden gerade mal eine halbe Million Euro zur Verfügung.

200 Abgesandte aus ganz Europa kommen an die Elbe

Schon in der Vergangenheit hatte die sächsische Landehauptstadt ihre selbstgesteckten Klimaschutz-Ziele – die sich vor allem in der Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes (CO2) messen – immer wieder verfehlt. Das nächste Etappenziel ist nun, bis 2030 die CO2-Emissionen zu halbieren. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten.

Zur Klimaschutz-Konferenz werden sich jedenfalls in Dresden vom 22. bis zum 25. April 2015 rund 200 Vertreter von Kommunen aus ganz Europa mit Abgesandten aus der Amazonasregion treffen, um kommunale und regionale Beiträge für den Klimaschutz zu diskutieren. Denn gerade den Städten komme im Klimaschutz eine ganz entscheidende Rolle zu, betonte Nick Nuttall, der Sprecher des „United Nations Framework Convention on Climate Change“ (UNFCCC).

Wegen steigender Sozialausgaben fällt „Freiwilliges“ wie Klimaschutz oft unter den Tisch

Die Praxis allerdings sieht – außer in gewerbesteuerstarken Kommunen wie eben München – dann doch eher ernüchternd in den Städten aus. Die haben allzu oft genug zu rudern, um die stark wachsenden Sozialausgaben und andere Pflichtaufgaben zu stemmen. Für freiwillige Aufgaben wie eben den Klimaschutz stehen dann nur geringe Investitionsmittel zur Verfügung. Gerade die sind aber – jenseits aller wohlmeinenden Appelle an Bürger und Betriebe, Energie zu sparen – einfach notwendig, um zu spürbaren Fortschritten etwa in der Kohlendioxid-Abgasreduktion zu kommen.

Der Elektrobus mit ausgefahrendem Schnelllade-Arm. Foto: Fraunhofer-IVI / DVB

Auf der Klimakonferenz wollen Dresdner Forscher und Ingenieure auch ihre Innovationen für einen klimafreundlichen Stadtverkehr der Zukunft vorstellen, beispielsweise den vom IVI Dresden entwickelten Schnelllade-Elektrobus. Foto: Fraunhofer-IVI / DVB

Fraunhofer-Experte: Wenn wir den Verkehr flüssiger machen, ist viel erreicht

Sorgenkind Nummer 1 ist da vor allem der Verkehr. Mobilität in einer modernen Gesellschaft zu verbieten, sei kein gangbarer Weg, ist Professor Matthias Klingner vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) überzeugt. Aber: „Wenn es uns gelingt, den Verkehr durch intelligente Leitsysteme zu verflüssigen, wären ganz erhebliche Einsparungen beim Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß möglich“, sagte Klingner und verwies auf Beispiele aus den USA. Los Angelos etwa habe in einem aufwendigen Projekt die Ampelanlagen in der Stadt so synchronisiert, dass weniger Staus entstehen – bis zu 15 Prozent Kohlendioxid-Emissionen könnten dadurch eingespart werden, so Klingner.

Siemens motzte Uni-Campus in Italien auf: Energiekosten sanken um ein Viertel

Auf ein Beispiel aus Italien verwies Siemens-Manager Bernd Koch. Dort ersetzte der deutsche Technologiekonzern auf einem Uni-Campus nahe Genua die veraltete Energieversorgung durch die lokalen Stadtwerke durch einen Mix neuer Anlagen: Die Techniker installierten Solarpaneele an den Uni-Gebäuden, diverse elektrische Wärme- und elektrische Speicher sowie Mikrogasturbinen. Außerdem bauten sie für die Uni ein Solarthermiekraftwerk, bei dem Spiegel das Sonnenlicht bündeln und damit eine Art Fernwärmerohrsystem erhitzt.

Unterm Strich führte dies im Vergleich zum Zustand vorher zu 50.000 Euro weniger Energiekosten pro Jahr für die Uni, was dort etwa einem Viertel der früheren Kosten entsprach. Der Kohlendioxid-Ausstoß sei um fast ein Drittel reduziert worden. Auch in Dresden seien derartige Ersparnisse mit solchen Investitionen möglich, betonte Koch. Wobei man hier natürlich bedenken muss, dass Siemens ein Eigeninteresse hat, solche Lösungen zu vermarkten. Wollte man diese Effekte mit solchen technischen Lösungen in einer Stadt wie Dresden erreichen, wären wahrscheinlich dreistellige Millionenbeträge notwendig.

Ein Drewag-Mitarbeiter prügft die Akku-Stapel im Batterie-Großspeicher Dresden-Reick. Foto: Heiko Weckbrodt

Blick in den Batterie-Großspeicher der Drewag in Dresden-Reick. Foto: Heiko Weckbrodt

Drewag plant mehr Energiespeicher und Solarthermie auch in Dresden

Soviel haben die hiesigen Stadtwerke nicht eben mal übrig. Die Drewag setzt daher in Dresden auf eine Politik der kleinen Schritte. Neben erheblichen Investitionen ins Fernwärmenetz gehören dazu auch etwas kleinere Pilotprojekte mit neueren Technologien, die nicht ganz zu teuer sind. So kündigte Drewag-Abteilungsleiter Tilman Werner an, dass das Unternehmen nach dem kürzlich eingeweihten Batterie-Großspeicher in Reick demnächst weitere Energiespeicher im Stadtgebiet installieren will. Zudem sei auch geplant, größere Solarthermie-Anlagen zu installieren – allerdings kein Solarthermie-Kraftwerk mit hohem Spiegelturm, wie man sie beispielsweise in Italien, Spanien und Südfrankreich jetzt öfter findet. Autor: Heiko Weckbrodt