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„Harry Palmer“: Wo zum Teufel ist Bratzk?

Wirkt im angesicht leichtbekleideter Russinnen eher wie ein Buchhalter denn wie ein Bond: Geheimagent Harr Palmer (Michael Caine). Foto: Ascot Elite

Wirkt im angesicht leichtbekleideter Russinnen eher wie ein Buchhalter denn wie ein Bond: Geheimagent Harr Palmer (Michael Caine). Foto: epix media

Altmodische britische Agentenfilme der 1990er auf DVD neu aufgelegt

Harry Palmer (Michael Caine, „Die Unfassbaren“, „Batman“) ist Geheimagent im Dienste ihrer Majestät – aber ganz und gar nicht so wie sein Filmkollege James Bond: Er ballert nicht gern, schubst verführerische russische Spioninnen im Zweifelsfall doch lieber von der Bettkante und wenn man auf ihn schießt, regt er sich auf wie ein Buchhalter über einen ungezogenen Azubi. Seine Vorgesetzten sehen in ihm ein überlebtes Relikt des Kalten Kriegs und kaum ist letzterer vorbei, wird Palmer vor die Geheimdienst-Tür gesetzt. Kurz darauf aber bekommt er einen Auftrag aus dem Privatsektor: Ein russischer Oligarch schickt ihn gen Peking, um den Schwarzmarkt-Verkauf einer tödlichen sowjetischen Biowaffe an die Nordkoreaner zu verhindern…

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Gefeuerter Spion auf der Spur von Biowaffen und Plutonium

Erzählt wird diese klassische Agentenstory in dem britischen Thriller „Harry Palmer – Der Rote Krieg“ aus dem Jahr 1995, den der Videofilm-Verleih „epix media“ nun noch einmal auf DVD neu aufgelegt hat – samt dem Nachfolger „Herren der Apokalypse, in dem Harry Palmer auch noch ein paar Kilo waffenfähiges Plutonium zurückholen soll.

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Schwaches Drehbuch, alberne Stunts

Ob diese Neuauflage nun wirklich dringend nötig war, sei mal dahingestellt. Im Vergleich zu den Bond-Thrillern wirken die Palmer-Filme eher behäbig, altmodisch und unterbudgetiert, die Russen sprechen hier ein arg abgehacktes Russisch und viele Stunts sind fast schon lächerlich, wenn da die „Getroffenen“ theatralisch zappelnd durch die Luft springen, noch bevor der Schuss knallt. Immerhin hat das Filmteam um Regisseur George Mihalka in authentische Ausstattung investiert – wenn da die alten Ladas durch Sibirien heizen, hat das viel nostalgischen Charme. Andererseits wirkt der eigentlich sehr fähige Caine in seiner Rolle völlig unterfordert und von einem miesen Drehbuch gesteuert, das ihn mehr schlecht als recht durch eine oft eher wirre Handlung treibt. Wenn er da in seiner Szene völlig desorientiert durchs Irkutsker Umland stolpert und fragt „Wo zum Teufel ist Bratzk?“, dann kann man seine Verwirrtheit irgendwie verstehen.

Foto: epix media

Foto: epix media

Fazit:

Zwei altmodische und wenig stringente Agentenfilme, die man ruhig im Filmarchiv hätte liegen lassen können. Haben eher filmhistorischen Schauwert. Autor: Heiko Weckbrodt

„Harr Palmer – Der Rote Tod“ und „Herren der Apokalypse“ (epix media), Agententhriller, mit Michael Caine, UK/Russland 1995 (DVD 2015), FSK 12, jeweils 10 €