Forschung

Generation Praktikum ist ein Studenten-Mythos

Studenten im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: TUD

Studenten im Hörsaalzentrum der TU Dresden. Foto: TUD

Absolventen-Studie in Sachsen: Große Mehrheit findet nach spätestens einem Jahr einen angemessenen Job

Dresden, 2. April 2015: In der öffentlichen bildungs- und wirtschaftspolitischen Diskussion in Deutschland wird oft kolportiert, dass sich viele Jungakademiker ewig von einem Praktikumsplatz zum nächsten durchhangeln müssen, weil sie keine Festanstellung bekämen. Doch diese Vorstellung von einer „Generation Praktikum“ ist zumindest für junge Akademiker in Sachsen eher ein Mythos als Tatsache: Laut einer heute vorgestellten Absolventen-Studie der TU Dresden im Auftrag des sächsischen Wissenschaftsministeriums kann die übergroße Mehrheit der sächsischen Uni- und Hochschul-Absolventen nach spätestens einem Jahr vernünftige Jobs ergattern. In Praktika hängen im ersten Monat nach dem Examen nur vier Prozent fest, nach zwölf Monaten liegt diese Quote nur noch bei einem Prozent.

Lenz-Team: Praktikums-Tops hält sich gegen alle Befunde

„Obgleich dieser Befund schon in der ersten Sächsischen Absolventenstudie deutlich wurde und von anderen Absolventenstudien nachdrücklich bestätigt wird, hält sich – gegen alle empirische Evidenz – der Topos „Generation Praktikum“ mit einer gewissen Hartnäckigkeit“, konstatieren die Studienautoren um Prof. Dr. Karl Lenz von der TU Dresden.

Prof. Karl Lenz. Foto: TUD

Prof. Karl Lenz. Foto: TUD

Für ihre Untersuchung hatten sie beantwortete Fragebögen von rund 13.000 Absolventen der Unis Dresden, Leipzig, Chemnitz und Freiberg, der HTWs Dresden und Leipzig und der Hochschulen Mittweida, Zittau/Görlitz und Zwickau ausgewertet.

5 % nach einem Jahr noch arbeitslos, 8 % finden nur halbgare Jobs

Dabei zeigte sich unter anderem auch, dass zwar etwa jeder vierte Absolvent unmittelbar nach dem Examen erst einmal arbeitslos war, doch jeweils ein Jahr später betraf dies nur noch fünf Prozent der Befragten. Von denen, die einen Job fanden, gaben nur acht Prozent an, eine inadäquate Stelle bekommen zu haben, also eine Arbeit, die unter ihrer Qualifikation oder weitab ihrer Fachkompetenz lag.

Vor allem  junge Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler finden spätestens 1 Jahr nach dem Studium einen - nach eigener Einschätzung - angemessenen Job. Grafik: TU Dresden

Vor allem junge Mediziner, Ingenieure und Naturwissenschaftler finden spätestens 1 Jahr nach dem Studium einen – nach eigener Einschätzung – angemessenen Job. Grafik: TU Dresden

Allerdings gab es da gewisse Unterschiede je nach Abschlussart und Fachrichtung: Ingenieure, Mediziner, Mathematiker und Naturwissenschafler ergatterten fast durchweg (nach eigener Einschätzung) angemessene Jobs, Sprach-, Sozial- und Kulturwissenschaftler hatten da mehr Probleme. Auch beklagten deutlich mehr Bachelors- als Master-Absolventen, dass sie in unangemessen Jobs gelandet seien.

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Über 80 % würden wieder an Unis Dresden und Freiberg studieren

Im Übrigen fiel auch die nachträgliche Bewertung der Unis recht gut aus: Jeweils vier Fünftel der Absolventen der Unis Dresden und Freiberg gaben beispielsweise an, sie würden wieder dort studieren, wenn sie erneut vor der Uni-Auswahl ständen. „Wir freuen uns sehr, dass unsere Maßnahmen zur Verbesserung der Studienbedingungen und des Studienerfolgs Früchte tragen“, kommentierte Bildungs-Prorektorin Prof. Silvia Rogler von der Bergakademie Freiberg diese Befunde.

Die TU Dresden wiederum wies darauf hin, dass „innerhalb der ersten fünf Jahre nach dem Examen die Arbeitslosenquote der TUD-Absolventen auf einem sehr niedrigen Niveau bei zirka einem Prozent liegt und damit leicht unter dem bundesweiten Durchschnitt. Damit kann ein abgeschlossenes Studium als eine Art Jobgarantie gelten.“ Autor: Heiko Weckbrodt