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Spracherkennungs-Software zählt Affen im Dschungel

Die lauten Rufe der Weißbartstummelaffen wurden von der Analysetechnik besonders gut erkannt. Foto: Ammie Kalan, MPI für evolutionäre Anthropologie

Die lauten Rufe der Weißbartstummelaffen wurden von der Analysetechnik besonders gut erkannt.
Foto: Ammie Kalan, MPI für evolutionäre Anthropologie

Leipzig/Illmenau, 24. März 2015: Computergestützte Lautanalysen, wie man sich so ähnlich auch von Spracherkennungs-Programmen kennt, helfen nun Affenforschern, Primaten in Dschungeln zu zählen: Mussten die Forscher bisher ganze Dschungelabschnitte ablaufen, um die Affen-Population einzeln zu registrieren, setzen sie nun Audiorekorder und eine Spezial-Software ein, um zum Beispiel Schimpansen von Weißbartstummelaffen zu unterscheiden und halbwegs zuverlässig zu schätzen, wieviele sich davon in den Büschen verstecken. Die Technik ist eine Gemeinschaftsentwicklung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau.

Computermodelle unterscheiden Affenrufe

„Der Computeralgorithmus wurde so konzipiert, dass das Aufnahmegerät die Aufzeichnungen aus dem Wald scannen, typische Geräusche – wie etwa das Trommeln der Schimpansen auf Brettwurzeln und die lauten Rufe der Dianameerkatze und des Weißbartstummelaffen – automatisch erkennen und klassifizieren kann“, betonte Projektleiterin Ammie Kalan vom Planck-Institut.

Die Aufnahmen der Audiorekorder im Dschungel werden mit Computerprogrammen aus Ilmenau ausgewertet. Foto: Ammie Kalan, MPI-EVA

Die Aufnahmen der Audiorekorder im Dschungel werden mit Computerprogrammen aus Ilmenau ausgewertet. Foto: Ammie Kalan, MPI-EVA

Mithilfe von Computermodellen schätzten sie dann die Wahrscheinlichkeit, mit der sich die Tiere an bestimmten Orten innerhalb des Studiengebiets aufhalten. Die Software liefere zwar nicht 100-prozentig korrekte Resultate, räumen die Forscher ein. Gleiche man die computergenerierten Schätzungen aber mit Vor-Ort-Beobachtungen der Affenforscher ab, komme man doch auf recht genaue Werte und spare immer noch Zeit gegenüber einer vollen Dschungelwanderung. Eingesetzt wurde die Technik bereits bei der Analyse der Geräuschkulisse des tropischen Regenwalds im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste. hw