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Industrie unterstützt 5G-Mobilfunkforschung in Dresden

Durch kurze Reaktionszeiten von 1 ms soll der 5G-Handyfunk auch für Echtzeit-Wanderungen durch virtuelle Welten per Datenbrille geeignet sind. Die Dresdner 5G-Entwickler denken da zum Beispiel an simulierte Zeitreisen von Schulklassen ins alte Rom.  Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

Durch kurze Reaktionszeiten von 1 ms soll der 5G-Handyfunk auch für Echtzeit-Wanderungen durch virtuelle Welten per Datenbrille geeignet sind. Die Dresdner 5G-Entwickler denken da zum Beispiel an simulierte Zeitreisen von Schulklassen ins alte Rom. Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

Nun auch Ericsson an Bord, jährlich eine Million Euro Drittmittel für „5G Lab“ in Sachsen

Dresden, 23. März 2015: Das „5G Lab Germany“ an der TU Dresden hat inzwischen über eine Million Euro Drittmittel pro Jahr zur Verfügung, um den Mobilfunk der fünften Generation („5G“) zu entwickeln. Das teilte Labor-Chef Prof. Gerhard Fettweis auf Oiger-Anfrage mit. Die Gelder seien insbesondere aus der Wirtschaft eingeworben worden, die großes Interesse an der Dresdner 5G-Forschung zeige. „Wir haben jetzt alle wichtigen europäischen Ausrüster an Bord“, betonte Gerhard Fettweis. Neben Vodafone, Alcatel-Lucent, National Instruments und „Rohde & Schwarz“ sei nun auch „Ericsson“ dabei. Keine andere 5G-Forschungsstelle weltweit habe eine derart breite Unterstützung im Rücken, schätzte der Professor ein. Er geht davon aus, dass die ersten 5G-Handyfunknetze im Jahr 2022 scharf geschaltet werden.

Starke Resonanz aus der Wirtschaft

„Die Resonanz auf unsere 5G-Forschungen ist extrem hoch“, meint der 5G-Lab-Chef. Er führt dies auf die besonderen Erfahrungen und Akzentsetzungen am Dresdner Labor zurück: Einerseits haben die TU-Wissenschaftler bereits bewiesen, dass sie neue Mobilfunk-Standards mitzusetzen und gemeinsam mit namhaften Kommunikationsunternehmen wie Vodafone in die Praxis zu überführen verstehen. Erinnert sei an die Tempo-Aufrüstung für den heutigen LTE-Handydatenfunk, der unter Dresdner Regie von 100 auf 225 Megabit je Sekunde (Mbs) hochgetrieben werden konnte („LTE Advanced“).

Prof. Gerhard Fettweis tüftelt in der Informatik-Fakultät der TU Dresden an der Nanoelektronik von übermorgen - nachdem er sich zuvor als LTE-Koryphäe ausgetobt hatte. Abb.: hw

Prof. Gerhard Fettweis. Abb.: hw

Sachsen setzen auf reaktionsschnellen Handy-Funk

Andererseits wollen sich Fettweis und sein Team beim 5G-Funk nicht allein darauf konzentrieren, die Datenübertragungsraten mit Computertelefonen und anderen mobilen Geräten auf höhere Geschwindigkeiten im Gigabit-Bereich hochzutreiben, wie jüngst auf der CeBit demonstriert. Vielmehr sieht der Professor die Zukunft von „5G“ im „Taktilen Internet“, in extrem kurzen Reaktionszeiten von etwa einer Millisekunde, mit der die Mobilfunk-Signale Aktionen auslösen können.

Auch in der Robotik könnte 5G zu einem neuen Schub führen. Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

Auch in der Robotik könnte 5G zu einem neuen Schub führen. Foto: 5G Lab Germany, TU Dresden

„Taktiles Internet“ für Automatenfabriken, Fern-OPs und neue Verkehrsleit-Systeme

Das mag bei bloßen Telefonaten oder Video-Downloads privater Nutzer nebensächlich sein – doch in der Industrie, Medizin und Verkehrsleittechnik könnte dies eine kleine Revolution auslösen. Die Vision: Per 5G vernetzte Roboter und Maschinen könnten beispielsweise in Echtzeit miteinander interagieren, Produktionsprozesse flexibel anpassen und für Produktionsschübe in dann hochautomatisierten Auto- oder Maschinenbaufabriken sorgen („Industrie 4.0“). Mit 5G-Modulen ausgestattete Autos beziehungsweise Fußgänger mit 5G-Handys wiederum sollen virtuelle Schutzblasen-Systeme bilden, die Unfälle in Großstädten per Annäherungsalarm und automatischer Brems-Aktionen fast unmöglich machen könnten. Auch Fernoperationen oder Fern-Physiotherapien mit OP-Robotern und Exoskeletten wären mit 5G möglich. Und eben diese und weitere ganz neue Anwendungsszenarien für den Mobilfunk der Zukunft sind es eben, die für das hohe 5G-Interesse der Wirtschaft sorgen.

Durch 5G-Funk vernetzte Autos sollen sich in Zukunft selbstständnig im Verkehrsfluss orientieren. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Durch 5G-Funk vernetzte Autos sollen sich in Zukunft selbstständig im Verkehrsfluss orientieren. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Auch Briten, USA und Asien arbeiten an 5G

An diesem neuen Mobilfunk-Standard forschen und arbeiten Unternehmen und Institute weltweit jetzt mit Feuereifer. Dazu gehören beispielsweise das „5G Innovation Center“ im britischen Surrey unter Professor Rahim Tafazolli, das „King’s College“ in London (letzteres ist ein Kooperationspartner der Dresdner) und das „Wireless Lab“ der New York University in den USA. Außerdem arbeiten auch asiatische Konzerne und Institute an 5G – laut Fettweis’ Einschätzung haben die Kollegen in Fernost aber bisher noch keine starken gemeinsamen Verbünde zu diesem Thema geschmiedet. In einigen Fällen seien allerdings auch Unternehmen an Bord, die in der Branche als „Patenttrolle“ bekannt sein, sagte Fettweis: Firmen also, die sich Patente nicht sichern, um sie technisch einzusetzen, sondern um sie dann teuer weiterzuverhökern.

 

Prof. Rahim Tafazolli, Foto: 5gic, Surrey

Prof. Rahim Tafazolli, Foto: 5gic, Surrey

Professor Rahim Tafazolli (5G Innovation Center Surrey): “5G wird die Wünsche der Nutzer in Echtzeit verstehen und sein Netzwerkressourcen dynamisch daran anpassen, ob die eingewählten Geräte Sprach- oder Datendienste brauchen.“

 

 

 

 

5G Lab Germany stürzt sich nun auf Antennen-Designs und Signalverarbeitung

Fettweis selbst stuft Dresden als einen der wichtigsten Taktgeber in der 5G-Entwicklung ein, im Themenfeld der kurzen Reaktionszeiten sei die sächsische Landeshauptstadt weltweit ganz vorn. Die Sachsen wollen sich nun als nächstes vor allem auf neue Antennen-Designs und die Hochfrequenz-Signalverarbeitung für 5G stürzen, um dort voranzukommen. Wer letztlich unter den internationalen Entwicklungs-Clustern die weltweiten Standards für 5G setzen könne, bleibe abzuwarten, sagte Fettweis – wobei er natürlich hofft, dass insbesondere Dresdner Technologien dabei in hohem Maße einfließen werden.

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Heiße Standardisierungs-Phase beginnt 2017

Die heiße Phase für die Standard-Festsetzung wird voraussichtlich 2017 beginnen und sich über zwei Jahre hinweg erstrecken. Von 2019 bis 2021 stehe dann die eigentliche Entwicklungsphase für die Technik an, gefolgt von einem „Rollout“, also Produktion und Installation der neuen Technik, in den Jahren 2021 und 2022. Fettweis: „Und dann geht’s richtig los.“ Autor: Heiko Weckbrodt

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