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Seedmatch Dresden: Kleinanlegergesetz bremst Schwarmfinanzierung aus

Die Hamburger Firma "Protonet" sammelte über Seedmatch im vergangenen Jahr drei Millionen Euro vom Internetschwarm ein und finanzierte damit die Entwicklung neuer Klein-Server für Freiberufler (organge Box). Foto: Protonet

Die Hamburger Firma „Protonet“ sammelte über Seedmatch im vergangenen Jahr drei Millionen Euro vom Internetschwarm ein und finanzierte damit die Entwicklung neuer Klein-Server für Freiberufler (orange Box). Nach dem Entwurf des neuen Kleinanlegerschutzgesetzes wäre dies künftig nicht mehr so einfach möglich. Foto: Protonet

Plattform für Nachbesserungen am Gesetzentwurf

Dresden/Berlin, 18. März 2015: Für eine Korrektur des geplanten Kleinanleger-Gesetzes hat sich das Crowdfunding-Portal „Seedmatch“ aus Dresden ausgesprochen. Wenn der Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Form verabschiedet werde, seien gravierende Einschnitte für das noch junge Instrument der Finanzierung von Firmengründungen („Startups“) durch den Internetschwarm zu erwarten, schätzte das Unternehmen ein. Insbesondere die vorgesehenen Prospekt- und Selbstauskunfts-Pflichten seien ein ernstes Hemmnis. „Der zur Zeit vorliegende Entwurf sieht zwar Bereichsausnahmen für Schwarmfinanzierungen vor, diese benötigen jedoch noch einige Nachbesserungen, um diese junge Branche nicht schon jetzt zu stark in ihrem Wachstum zu hemmen“, schätzte „Seedmatch“-Sprecherin Sabine Drotbohm auf Oiger-Anfrage ein.

Prospekt-Pflicht zu teuer für junge Firmen

Um den Kleinanlegerschutz zu verbessern, will die Bundesregierung unter anderem Kapitaleinsammler verpflichten, ab einer Gesamtfinanzierungsumme von über einer Million Euro aufwendige Risiko- und Informationsprospekte für die Kleinanleger zu erstellen. Laut Seedmatch-Schätzungen sei dies mit Kosten von 20.000 bis 50.000 Euro verbunden – für gerade erst gegründete Firmen eine sehr hohe Ausgabe. Auch sollen laut Gesetzentwurf Anleger, die mehr als 1000 Euro investieren, zur Selbstauskünften über ihr Einkommen verpflichtet werden. Zu solchen Auskünften sei aber eine große Mehrheit der typischen Crowd-Funding-Kleininvestoren nicht bereit. Denn gerade die unkomplizierte Kleininvestition per Mausklick für eine neue Idee ist es ja gerade, die im Internet-Schwarm zählt. Auch der deutsche Hightech-Verband „Bitkom“ hatte den Entwurf deshalb erst kürzlich als Problem für die ohnehin in Deutschland problematische Risikokapital-Beschaffung von Firmengründern eingestuft.

Startups nicht Weg zu Wachstumskapital versperren

Sabine Drotbohm. Foto: Seedmatch

Sabine Drotbohm. Foto: Seedmatch

„Grundsätzlich halten wir es nach wie vor natürlich für sinnvoll und begrüßenswert, dass es eine Verbesserung der Gesetze für mehr Transparenz und Anlegerschutz auf dem grauen Kapitalmarkt geben soll“, betonte Seedmatch-Sprecherin Sabine Drotbohm. Aber: „Das Thema ,Startup’ kommt im Grunde in dem Entwurf gar nicht vor, weil gemäß der Zielsetzung nur die Anlegerseite betrachtet wird,“ Was das geplante Kleinanlegerschutzgesetz nicht vorsehe und gar nicht könne, sei „die gleichzeitige Förderung der deutschen Gründerkultur und der Möglichkeiten für Startups, an Wachstumskapital zu kommen. Und das ist natürlich ein großes Problem … Wir wünschen uns im Grunde einheitliche Instrumente, Anreize und Rahmenbedingungen, um zum einen innovativen Startups und Wachstumsunternehmen weiterhin den Zugang zu Risiko- und Wachstumskapital zu ermöglichen und zum anderen Privatinvestoren Investments in spannende Innovationen auf einem komfortablen Weg und transparente Art und Weise zu gewährleisten.“

Dresdner sammelten bisher 22,7 Millionen Euro vom Internetschwarm ein

Seedmatch wurde am 1. August 2011 in Dresden gegründet. Das Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, junge Unternehmen durch Internetkampagnen mit Geld von Kleinanlegern zu versorgen. Dabei investieren Internetnutzer – basierend auf einer Internetpräsentation – oft nur kleiner Beträge, die aber in der Summe zu Millionenbeträgen führen können. Die Plattform ist laut eigenen Angaben Marktführer in diesem Segment in Deutschland und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Seit der Gründung hat „Seedmatch“ Kleininvestitionen im Gesamtumfang von 22,7 Millionen Euro für insgesamt 76 Projekte vermittelt.

Ursprünglich woillte Prof. Christof Fetzer von der TU Dresden nur sein Haus effektiv heizen. Entstanden ist daraus ein innovatives Konzept, die Abwärme dezentraler Rechenzentren ökologischer zu nutzen. Foto: Cloud & Heat, Seedmatch

Ursprünglich woillte Prof. Christof Fetzer von der TU Dresden nur sein Haus effektiv heizen. Entstanden ist daraus ein innovatives Konzept, die Abwärme dezentraler Rechenzentren ökologischer zu nutzen. Auch diese Gründung wurde über den Internetschwarm kofinanziert. Foto: Cloud & Heat, Seedmatch

Zu den per Internetschwam über Seedmatch mitfinanzierten Projekten gehörte beispielsweise die Dresdner Gründung „Cloud & Heat“, die die früher verpulverte Abwärme von Rechenzentren für Hausheizungen nutzt. Eine andere bekannte Gründung, die von „Seedmatch“ begleitet wurde, war Protonet Hamburg, die personalisierte Klein-Server zum Beispiel für Freiberufler als Cloud-Alternative entwickeln. Autor: Heiko Weckbrodt

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