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Scheibenwelt-Autor Terry Pratchett gestorben

Terry Pratchett (1948-2015). Foto: Random House

Terry Pratchett (1948-2015). Foto: Random House

Spaßvogel starb daheim

Ankh-Morpork, 12. März 2015: „IRGENDWANN MÜSSEN SELBST DIE GÖTTER MEINEM RUF FOLGEN“, ließ er Gevatter Tod in einem seiner Bücher dröhnen. Am Ende hat ihn der einsame Sensenmann, den er in vielen seiner Fantasieromane so bissig auf die Schippe genommen hatte, nun doch eingeholt: Terry Pratchett, der Autor von über 70 Büchern, darunter den überaus beliebten Scheibenwelt-Romanen, ist heute im Alter von 66 Jahren gestorben. Das teilte sein Verlag „Random House“ mit. 2007 war bei ihm Alzheimer diagnostiziert worden.

1948 im mittelenglischen Beaconsfield geboren, begann Pratchett schon als Teenager, Kurzgeschichten schreiben. Später arbeitete er zunächst als Journalist, bevor er ganz in die Schriftstellerei wechselte.

Wer einen Krieg anzettelt, wird von Kommandant Mumm verhaftet

Kommandant Mumm rettet diesmal verklavte Kobolde. Abb. (2): Terry Pratchett

Kommandant Mumm rettet versklavte Kobolde. Abb.: Terry Pratchett

1983 startete er mit „Die Farben der Magie“ eine Buchreihe, die ihn weltberühmt machte: In insgesamt 40 Büchern erspann er in der „Discworld“-Serie eine phantastische Gegenwelt, die auf einer gigantischen Schildkröte durch die Multiversen reist und in der Magie die beherrschende Technologie ist. Eine scheibenförmige Welt voller bizarrer Geschichten und Kreaturen, in der der feige Nachwuchs-Zauberer Rincewind mit vielfüßigen Truhen im Schlepptau gar wundersame Reisen unternimmt, in der Gevatter Tod ein sarkastisch-einsamer Geselle ist, in der ein aufgeklärter Tyrann – der „Patrizier“ – eine Fast-Renaissance-Gesellschaft voller Gilden in der dreckigen Scheibenwelt-Hauptstadt Ankh-Morpork im Gleichgewicht zu halten versucht, in der tollkühne Unternehmer wie Feucht von Lipwig das technologielose Internet erfinden und ein kleines Mädchen wie Tiffany Weh gegen die eingebildet-gefräßigen Machos der Zauberer-Gilde bestehen.

Meine persönlichen Favoriten in dieser vor Phantasie überbordenden Scheibenwelt waren die Geschichten um die „Stadtwache“, um den knurrigen Kommandanten Mumm, der Werwölfinnen, Zwerge und Trolle um sich schart und schon mal einen Krieg beendet, indem er alle Warlords einfach verhaftet.

AUF WIEDERSEHEN!

Gevatter Tod hat den begnadeten Spaßvogel heute zu Hause abgeholt, während Pratchetts Katze neben ihm im Bett schlief. Wer die Scheibenwelt-Romane kennt, der weiß, dass Außenstehende nicht hören können, was der Sensenmann in Großbuchstaben palavert, wenn er einen Kandidaten zur letzten Reise abholt. Aber wir vermuten, es muss wohl etwas wie der letzte Satz aus „Gevatter Tod“ gewesen sein: „ICH ZIEHE ,AUF WIEDERSEHEN’ VOR.“ Autor: Heiko Weckbrodt

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„Raising-Steam“: Terrorzwerge in der Scheibenwelt

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