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Alles muss raus

DAS-Chef Horst Reichardt (r.) zeigt dem Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) eine für Taiwans Chipfabriken neuentwickelte Abgasreinigungsanlage für Nassbänke. Foto: Jan Luther, DAS

DAS-Chef Horst Reichardt (r.) erklärte Dresdner Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) eine für Taiwans Chipfabriken neuentwickelte Abgasreinigungsanlage für Nassbänke. Archivfoto: Jan Luther, DAS

Weil in Deutschland kaum noch Chipfabriken gebaut werden, schwenkt Dresdner DAS auf Vollexport um

Dresden, 4. März 2015: Für Sachsen als Industriestandort ist es gleichermaßen eine hübsche Erfolgsmeldung wie auch eine, die nachdenklich macht: „Unsere Exportquote ist auf 96 Prozent gestiegen“, verkündete heute am Rande einer ministeriellen Außenwirtschafts-Pressekonferenz der Geschäftsführer und Gründer der Dresdner Umwelttechnik-Firma „DAS“, Horst Reichardt. Das klingt zunächst nach einer Petitesse, um den dabei sitzenden SPD-Wirtschaftsminister Martin Dulig zu erfreuen, der gerade die neuesten Exporterfolge der sächsischen Wirtschaft verkündet hatte. Doch schaut man auf Profil und Geschichte der DAS, weist die Meldung zugleich auf ein Problem hin: In Deutschland werden kaum noch Chipwerke gebaut und Solarfabriken schon gar nicht.

Dresdner Ingenieure sorgen für bessere Luft um Chipwerke

Dazu muss man wissen, dass die DAS aus den Resten der DDR-Mikroektronikindustrie entstand und sich darauf spezialisierte, die damals noch weitgehend unbehandelten Industrieabgase von Chipfabriken und Solarwerken hochtechnologisch zu säubern. Kamen die ersten großen Aufträge zunächst vor allem aus dem „Silicon Saxony“, erreichte die DAS bald schon Exportquoten, die ohnehin deutlich über dem Durchschnitt der sächsischen Industrie (derzeit ca. 40 Prozent) lagen. Doch dass das Unternehmen nun fast seinen gesamten Umsatz im Ausland erwirtschaft, ist nicht nur ein Beweis gewachsener Wettbewerbsfähigkeit, sondern hat auch damit zu tun, dass die Zeiten der richtig großen Neu- und Ausbauten von Halbleiterwerken in Sachsen inzwischen vorbei sind – was bereits mehrere Schlüsselzulieferer dazu animiert hat, deutsche Dependencen zu schließen. Noch dramatischer sieht es in der einst so boomenden deutschen Solarindustrie aus.

Zulieferer gehen dorthin, wo die jetzt die Hightech-Musik spielt: nach Asien und Nordamerika

Und auch die DAS wandte sich dorthin, wo heute die Hightech-Musike spielt: Nach Asien und Nordamerika, wo jährlich zig Milliarden Dollar in Chipwerke investiert werden. Mittlerweile hat das Unternehmen sieben internationale Tochtergesellschaften gegründet und von dort kommt auch das unternehmerische Wachstum. Vor allem aus Taiwan, China und den USA seien die richtig großen Aufträge eingegangen, aus der Halbleiterindustrie, von LED- und Solarfabriken und anderen Wirtschaftskernen außerhalb Deutschlands, sagt der Physiker und Unternehmer Horst Reichardt. „Mobilität ist entscheidend für den unternehmerischen Erfolg“, betont er und meint damit: Wer als Hightech-Mittelständler nicht dorthin geht, wo wirklich das große Rad gedreht wird, ist ganz schnell abgehängt.

Werbevideo über die Abgas-
Behandlungstechnik der DAS (Englisch):

Auf jeden neuen Job in Dresden kommen zwei im Ausland

Die harten Zahlen bestätigen diesen Kurs: Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen seinen Umsatz um ein Drittel auf rund 40 Millionen Euro. Dies hat sich auch in neuen Jobs umgemünzt: Die DAS beschäftigt heute weltweit 280 Mitarbeiter, 30 mehr als im Vorjahr. Dabei kamen auf einen Neueingestellten am Stammsitz in Dresden (insgesamt jetzt 150) zwei neugeschaffene Jobs im Ausland.

Chef sieht noch großes Potenzial in Südamerika

Allerdings hat der Umstand, dass die DAS mittlerweile fast all ihren Umsatz außerhalb Deutschlands realisiert, nicht allein damit zu tun, dass hier Großinvestitionen in neue Chipwerke rar geworden sind: Auch neue Geschäftsfelder wie die ökologische Abwasserbehandlung für ganze Kosmetikhersteller, Limofabriken oder Lebensmittelbetriebe in vielen aufstrebenden Nationen haben zu Exportorientierung und Umsatzwachstum beigetragen. „Gerade in den Schwellenländern Südamerikas sehe ich noch großes Potenzial“, meint Reichardt. Autor: Heiko Weckbrodt