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Sachsen will EU-Geld für Chipbranche und Industrie 4.0

Mit Projekten wie diesen bei Fraunhofer Chemnitz entwickelten maschinellen Augen für die Fabrik der Zukunft will Sachsen in der europäischen Vanguard-Initiative punkten. Foto: Fraunhofer IWU

Mit Projekten wie diesen bei Fraunhofer Chemnitz entwickelten maschinellen Augen für die Fabrik der Zukunft will Sachsen in der europäischen Vanguard-Initiative punkten. Foto: Fraunhofer IWU

Dresden/Brüssel. Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) wirbt derzeit in Brüssel um mehr Fördergelder der EU für die Mikroelektronik und Entwicklungsprojekte für die Fabrik der Zukunft („Industrie 4.0“) im Freistaat. Man wolle Sachsen als Standort der Schlüsseltechnologien ausbauen, hieß es vom Wirtschaftsministerium.

Sächsische Chipindustrie schnitt bei ECSEL bisher eher mager ab

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Martin Dulig. Foto: Götz Schleser, SMWA

Einerseits dringt der Minister darauf, dass weitere sächsische Pilotlinien- und Forschungsprojekte im Rahmen der milliardenschweren „ECSEL“-Halbleiterinitiative bedacht werden. Für „ECSEL“ hatte Duligs Amtsvorgänger Sven Morlok (FDP) bereits je 200 Millionen Euro von Land und Bund als Kofinanzierung für EU-Fördermittel organisiert. Allerdings kamen viele sächsische Projektvorschläge bei der ersten Vergaberunde 2014 nicht zum Zuge, nur fünf Projekte mit sächsischer Beteiligung wurden bedacht. Dulig setzt daher auf die nächste Vergaberunde in diesem Jahr. Anfang März werde der Branchenverband „Silicon Saxony“ die sächsischen Interessenten in einer speziellen Veranstaltung über diese Runde informieren.

Freistaat tritt „Vanguard-Initiative“ für modernere Fabriken bei

Zum Anderen unterzeichnete Dulig in Brüssel den Beitritt Sachsens zur „Vanguard-Initiative“. Die zielt darauf, fortschrittliche Fertigungstechnologien für Fabriken in Europa zu entwickeln. Hier rechnet sich der Freistaat insbesondere von der Expertise der TU Chemnitz und des „Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik“ (IWU) einige Chancen aus.

Fraunhofer Chemnitz präsentiert maschinelle „Augen“ und „Finger“ für Fabrik der Zukunft

So baut Fraunhofer in Chemnitz derzeit ein Modellprojekt für die hochautomatisierte und vernetzte Fabrik der Zukunft auf. Im Rahmen dieser „E³-Forschungsfabrik Ressourceneffiziente Produktion“ hat das IWU erst kürzlich spezielle Stereokamera-Systeme entwickelt, die wie das menschliche Auge Werkstücke in einem Produktionsprozess im Raum verorten können.

Der von den sächsischen Fraunhofer-Ingenieuren entwickelte Mikroantrieb aus Formgedächtnislegierungen. Foto: Fraunhofer IWU

Der von den sächsischen Fraunhofer-Ingenieuren entwickelte Mikroantrieb aus Formgedächtnislegierungen. Foto: Fraunhofer IWU

Außerdem konnten die Chemnitzer Fraunhofer-Forscher „Aktuatoren“ aus Formgedächtnislegierungen vor, die in Mikroantrieben anstelle von Elektromotoren in Fabriken zum Einsatz kommen sollen. Diese Gedächtnis-Aktuatoren wandeln elektrische Energie in mechanische Bewegungen, brauchen dafür aber weniger Platz als E-Motoren und nehmen nach vollbrachter Arbeit wieder von selbst ihre alte Form an (Memory-Effekt). Ein Formgedächtnisdraht mit einem Durchmesser von nur 0,3 Millimeter sei in der Lage, ein Gewicht von zirka sechs Kilogramm zu heben, betonten die IWU-Ingenieure. „Das entspricht in  etwa dem Verhältnis einer Ameise, die das 100-fache ihres Körpergewichts tragen kann“, erklärte Kenny Pagel vom IWU. Autor: Heiko Weckbrodt