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Krimi „Heldenfabrik“: Ein Philosoph gegen Pharmakonzerne, Söldner und Spione

Abb.: Carl's Books

Abb.: Carl’s Books

Auftakt für neue Thriller-Reihe von Christian von Ditfurth

Ein Killerkommando stürmt mitten in der Nacht eine Aufsichtsrats-Sitzung der Berliner Chemiefirma „BBC“, metzelt systematisch alle Anwesenden nieder, bindet die Konzernbosse zu einem Menschenrad zusammen und verankert sie auf der Spree. Eine harte Nuss für Hauptkommissar Eugen de Bodt, der eben erst in die Hauptstadt versetzt wurde, um die Mordkommission zu leiten. Hatten die zwei abwesenden Aufsichtsräte von „BBC“ etwa Söldner engagiert, um die Führung des Unternehmens zu übernehmen? Haben Geheimdienste ihre Hand im Spiel, die de Bodts Ermittlungen ganz offensichtlich ständig zu behindern versuchen? Oder steckt ein konkurrierender Pharma-Riese dahinter?

Polizist wieder Willen untersucht Gemetzel im Aufsichtsrat

Nachdem Christian von Ditfurth seinen etwas müde gewordenen Lieblingsermittler Stachelmann („Das Moskau-Spiel“) zuletzt in den literarischen Ruhestand verabschiedet hatte, schickt der deutsche Historiker und Autor in „Heldenfabrik“ nun für eine neue Romanreihe den Kriminalisten de Bodt ins Rennen. Und der wächst in seiner kratzbürstigen und dennoch so fokussierten Ermittlungsart dem Leser schnell ans Herz: Ein Polizist wider Willen, wie wir bald erfahren, der eigentlich nur zur Kripo ging, um seine elitäre Familie zu ärgern – und doch seinen Job so ernst nimmt, dass er selbst Karriere und Leben riskiert, wenn der Ermittlungserfolg auf dem Spiel steht.

Carl Mørck lässt grüßen

Ein Schelm, der dabei an Jussi Adler Olsens knurrigen Ausnahme-Polizisten Carl Mørck denkt. Und diese Parallele wird noch durch die Zusammensetzung von de Bodts Team bestärkt, das mit dem Deutsch-Türken Ali Yussuf und der Kommissarin Silvia Salinger doch ein wenig an Assad und Rose aus dem dänischen Sonderkommissariat Q erinnert…

Immer eine Prise Esprit parat

Allerdings ist de Bodt eher ein Intellektueller, ein Philosoph mit Dienstmarke, der seine Kollegen gern mit Latein-Weisheiten nervt und aus dem Stegreif Rainer Maria Rilke zu zitieren weiß, dessen Gedichte in dem Fall eine Rolle zu spielen scheinen. Und diese Krimi-Rezeptur funktioniert einfach, hat Charme und Esprit – und ist zudem auch sehr spannend aufgebaut.

Rainer Maria Rilke:

Der Tod ist groß.

Wir sind die Seinen

lachenden Munds.

Wenn wir uns mitten im Leben meinen.

wagt er zu weinen

mitten in uns.

Fazit: Hart, hintersinnig, spannend

Christian von Ditfurth. Foto:  Carl's books

Christian von Ditfurth. Foto: Carl’s books

Christian von Ditfurth, der sich zunächst auf historische „Was wäre wenn…“-Romane („Die Mauer steht am Rhein“, „Der 21. Juli“) spezialisierte und dann nach und nach ins Mord- und Totschlag-Genre wechselte, hat mit „Heldenfabrik“ zu alter Stärke zurückgefunden: Sein neuester Kriminalroman ist fesselnd und ambitioniert und wird von einem überzeugenden neuen Ermittler getragen. Hier stellt der Berliner Autor vor allem das Puzzlespiel der Mordkommission und das Lebensgefühl in der heutigen Bundesrepublik in den Fokus. „Heldenfabrik“ ist hart und hintersinnig zugleich, bricht auch immer wieder ironisch das taffe Außenbild, mit denen sich Akteure inszenieren. Das lässt auf weitere Fälle mit de Bodt und Konsorten hoffen.

Autor: Heiko Weckbrodt

Christian von Ditfurth: „Heldenfabrik“, Thriller, Carl’s-Books-Verlag/Random House, München 2014, 448 Seiten (Papier-Ausgabe), Paperback: 15 Euro (ISBN: 978-3-570-58515-3), eBook: 12 Euro (ISBN 978-3-641-12362-8), eine Leseprobe gibt es hier

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