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„Open Windows“: Blogger-Hobbit spioniert Porno-Actrice nach

Der naive Blogger Nick (Elijah Wood) verstrickt sich in eine digitale Hetzjagd. Foto: Maritim Pict.

Der naive Blogger Nick (Elijah Wood) verstrickt sich in eine digitale Hetzjagd. Foto: Maritim Pict.

Internet-Thriller gibt sich moderner als er ist

Blogger Nick (Elijah Wood, „Herr der Ringe“, „Sin City“) ist ganz vernarrt in die junge Schauspielerin Jill (Sasha Grey), von der das Gerücht zirkuliert, sie habe ein Pornovideo von sich in Netz gestellt, um ihren jüngsten Horrorfilm zu bewerben. Er hat ihr sein Web-Tagebuch gewidmet und kann sein Glück kaum fassen, als er mit seinem Blog bei einem Preisausschreiben ein Abendessen mit der Mimin gewinnt. Doch während er im Hotel auf das versprochene Rendezvous mit Jill wartet und gelangweilt auf seinem Notebook herumhackt, entwickeln sich die Dinge in eine unerwartete Richtung: Ein Unbekannter ruft ihn per Skype an, öffnet ein Fenster nach dem anderen auf Nicks Bildschirm, spielt ihm Spionageprogramme auf den Rechner, mit denen Nick plötzlich direkt in die Privatsphäre seiner Göttin schauen kann. Der unbekannte „Helfer“ entpuppt sich bald als übler Manipulator, der den unbedarften Blogger immer tiefer in einem kriminellen Strudel hineinreißt, bis es schließlich um Leben oder Tod geht…

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Ex-Bondage-Queen drängt ins „ernsthafte“ Filmgeschäft

Das Faszinierendste an „Open Windows“, die nun fürs Heimkino erschienen sind, ist sicher die Besetzung: Hier der rehäugige Eliah Wood, der als naiver Hobbit in „Der Herr der Ringe“ Mittelrede rettete, da die sexy Sasha Gray, die bis vor kurzem noch als eine der beliebtesten Pornodarstellerinnen im Internet galt, und bisher eher mit Bondage- und Sexklavinnen-Filmen aufwartete, gegen die „50 Shades of Grey“ wie schläfriges Daumenkino wirkt. Nun drängt sie ins „seriöse“ Filmgeschäft. Ihre künstlerische Leistung in „Open Windows“ ist nun zwar nicht gleich unterirdisch, wie man es von einer ehemaligen Porno-Queen befürchten mag, aber wenig nuanciert – was im Übrigen auch bei Elijah Wood auffällt, der hier eher plakativ agiert.

Zieht blank: Ex-Pornodarstellerin Sasha Gray als erpresste Jill. Foto: BSF

Zieht blank: Ex-Pornodarstellerin Sasha Gray als erpresste Jill. Foto: BSF

24, Brazil und Max Headroom lassen grüßen

Ansonsten jedenfalls tut dieser Internet-Thriller aufregender und moderner als er ist: Die Vielfenstertechnik mit parallelen Handlungssträngen, die Regisseur Nacho Vigalondo exzessiv und für den Film namensgebend einsetzt, hatte seinerzeit schon die Thrillerserie „24“ eingeführt. Die Computergrafik-Fehldarstellungen, die als stilistisches Mittel immer wieder eingestreut sind, kennt man aus der 90er-Jahre-Serie „Max Headroom“. Recht steampunkig sieht zwar die französische Hackergruppe aus, die Nick zwischenzeitlich hilft, und deren Aktivisten zunächst wie leuchtende Froschmänner auf seinem Bildschirm aufpoppen. Doch auch diese Optik ist keine Neuentdeckung, sondern wurde zum Beispiel bereits in „Brazil“ eingesetzt. Zudem hapert es häufig mit der Logik (Warum händigt ein Rezeptionist einem Hotelgast auf dessen Wunsch den Schlüssel eines ganz anderen Zimmers aus?). Auch isr die Auflösung des Versteckspiels in „Open Windows“ recht früh erahnbar und vermag nicht zu überraschen.

Foto: Maritim Pict.

Foto: Maritim Pict.

Fazit: Sashas Möpse sind noch das Beste

„Open Windows“ gibt sich als ultramoderner Internetthriller, seine Stilistik und Story sind jedoch alles andere als innovativ. Das Beste sind noch Sasha Grey Möpse, die sie – nicht ganz unerwartet – auspackt. Autor: Heiko Weckbrodt

„Open Windows“ (Maritim Pictures), Internet-Thriller, Regie: Nacho Vigalondo, mit Elijah Wood und Sasha Grey, 100 Minuten, FSK 16, DVD 12 Euro, Bluray 14 Euro

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