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Strahlende Wismut-Halde in Dresden wird Stadtwald

Christian Korndörfer, der Chef des Dresdner Umweltamtes, zeigt die Schicht aus Kraftwerkasche, die er für die Abschirmung der Collmberghalde verwenden will. Foto: Heiko WeckbrodtChristian Korndörfer, der Chef des Dresdner Umweltamtes, zeigt die Schicht aus Kraftwerkasche, die er für die Abschirmung der Collmberghalde verwenden will. Foto: Heiko Weckbrodt

Christian Korndörfer, der Chef des Dresdner Umweltamtes, zeigt die Schicht aus Kraftwerkasche, die er für die Abschirmung der Collmberghalde verwenden will. Foto: Heiko Weckbrodt

Nach 7 Millionen Euro teurer Sanierung soll Radioaktivität der Collmberghalde gebannt sein

Dresden, 9. Februar 2015: Wo jetzt noch radioaktive Uranreste der früheren Wismut AG fröhlich unterirdisch vor sich hinstrahlen, sollen in etwa sieben Jahren Kinder gefahrlos in einem Stadtwald tollen können: Das Dresdner Umweltamt hat jetzt mit der rund sieben Millionen Euro teuren Sanierung der Collmberghalde in Dresden-Coschütz begonnen. „Bis Anfang der 20er Jahre entsteht hier ein Naherholungsgebiet“, kündigte Wirtschafts- und Umweltbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) heute bei einem Vor-Ort-Termin an. Damit gehe dann „von der letzten strahlenden Hinterlassenschaft der Wismut in Dresden endgültig keine Gefahr mehr aus“.

Kurzinterview mit Dirk Hilbert (Video: hw):

Erste Uranreste, dann Hausmüll und Asche draufgekippt

Jahrzehntelang hatten die Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft „Wismut“, die Stadtreinigung und schließlich die Dresdner Energieversorger Müll auf das Areal zwischen Heidenschanze, Stadtgrenze zu Freital sowie Potschappler und Freitaler Straße gekippt: Zwischen 1948 und 1953 warf die Wismut, die in Sachsen für die Russen nach Atombomben-Uran schürfte, hier rund 100.000 Kubikmeter strahlende Bergbaureste ab, dann kamen 700.000 Kubikmeter Hausmülle obendrauf und zuletzt entsorgte das Kraftwerk Nossener Brücke hier tonnenweise Braunkohle-Asche. Am Ende stapelten sich dort die Abfälle 30 Meter hoch.

Die Collmberghalde befindet sich am Stadtrat
von Dresden und Freital (Karte: Google Maps):

Strahlen-Grenzwert stellenweise deutlich überschritten

1997 schirmte das Umweltamt diese ökologische Altlast provisorisch mit einer Schutzschicht ab, doch die reichte nicht dauerhaft: An manchen Stellen strahlt die insgesamt 17 Hektar große Collmberghalde bis zu 700 Nano-Sievert pro Stunde – höchstens 200 Nano-Sievert gelten laut Grenzwert als unbedenklich. Deshalb will das Umweltamt in den kommenden Jahren die Kraftwerkasche umschichten und als halbmeterdicke Schicht obendrauf legen, um dann schließlich Bäume und Sträucher zu pflanzen. „Die hier verfügbare Asche hat den zusätzlichen Vorteil, dass sie basisch ist und damit einer Auswaschung von Uran und anderen Schwermetallen im Boden entgegenwirkt“, betonte Umweltamts-Leiter Christian Korndörfer.

Bohrspezialisten einer Freitaler Firma sondieren die Halde nach einsturzgefährdeten Wismut-Höhlen. Foto: Heiko Weckbrodt

Bohrspezialisten einer Freitaler Firma sondieren die Halde nach einsturzgefährdeten Wismut-Höhlen. Foto: Heiko Weckbrodt

Spezialfirma bohrt nach vergessenen Wismut-Höhlen

Doch zunächst geht bis zum Sommer dieses Jahres erst einmal eine Freitaler Spezialfirma auf Erkundungstour kreuz und quer über die Halde und durchlöchert sie auf der Suche nach möglicherweise einsturzgefährdeten alten Wismutschächten. „Laut unseren Unterlagen gehen wir von zehn Schächten unter der Erde aus“, erklärte Manfred Speer, der beim Wismut-Nachfolgeunternehmen für die Altlasten-Beseitigung zuständig ist. Manche Kavernen seien von selbst zusammengesackt und heute ungefährlich. Wenn die Erkunder aber Höhlen und Gänge finden, die noch einfallen könnten, werden die bis Ende 2016 mit besonderem Flüssigbeton verfüllt. Danach können der Asche-Schutzpanzer und schließlich Muttererde für den geplanten Stadtwald aufgeschüttet werden.

Stadt, Land und Bund teilen sich in Öko-Projekt

Von den rund sieben Millionen Euro Sanierungskosten wird die Landeshauptstadt gemäß einer inzwischen geschlossenen Vereinbarung die Hälfte übernehmen, ein weiteres Viertel der Bund und den Rest das Land. 2021 oder 2022 könnte das ökologische Großprojekt abgeschlossen sein, schätzt Bernd Richter vom Dresdner Umweltamt. Dann soll von der Halde auch keine Strahlengefahr mehr ausgehen.

Zuvor bereits Altlasten rings um Uranfabrik 95 saniert

Manfred Speer (links) von der Wismut und Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert begutachten den Sanierungsstart auf der Collmberghalde. Foto: Heiko Weckbrodt

Manfred Speer (links) von der Wismut und Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert begutachten den Sanierungsstart auf der Collmberghalde. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Collmberghalde ist nicht die erste strahlende Wismut-Hinterlassenschaft in Dresden, die nach der politischen Wende mit großem Aufwand beseitigt wurde. So investierten Stadt, Land und Bund bereits zwischen 1993 und 2012 rund 45,5 Millionen Euro, um 72 Hektar Altlasten rings um die ehemalige „Uranfabrik 95“ in Coschütz-Gittersee zu sanieren. Inzwischen sind dort ein florierendes Gewerbegebiet und ein Naherholungsareal entstanden.

Kohlebergbau durchlöcherte Erde seit dem Mittelalter

Die Wurzeln des Bergbaus im Dresdner Süden reichen indes noch viel weiter in die Vergangenheit zurück: Schon im Mittelalter bauten Bergleute im Grenzraum zwischen Dresden und Freital Steinkohle ab – ab 1790 auch im Gebiet der heutigen Collmberghalde. Ab 1948 suchte die Wismut für das sowjetische Atombomben-Programm hier nach Uran. Die Aufbereitung der am Collmberg geförderten uranhaltigen Kohle scheiterte jedoch, die Flöze entzündeten sich zudem mehrfach. Daher gab die Wismut das Areal 1953 auf und versiegelte die Halde notdürftig. Zeitweise – und teilweise bis heute – wurde und wird das Haldengebiet auch von Kleingärtner, Unternehmen und einem ein Hotel genutzt. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Das Ende der Uranfabrik 95 in Coschütz-Gittersee

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