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Elektronik-Standorte Dresden und Selenograd wollen enger kooperieren

Eine Fraunhofer-Mitarbeiterin kontrolliert im Reinraum des Dresdner Photonik-Institut, der für 45 Millionen Euro modernisiert werden soll. Abb.: IPMS

Abb.: IPMS

Dresdner Wirtschaftsdelegation lotet Kontakte in Russland aus / Viele Russen möchten zur SEMICON nach Dresden

Dresden/Selenograd, 29. Januar 2015: Sachsen und Russen wollen in der Mikroelektronik und anderen Hightech-Branchen enger zusammenarbeiten. Mit diesem Ziel besucht derzeit eine Delegation aus Politikern und Unternehmen des „Silicon Saxony“ die Hochtechnologie-Stadt Selenograd nördlich von Moskau. Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sieh bereits erste Erfolge: „Ich freue mich, dass wir die Zusage für eine Armada an russischen Halbleiterfirmen für die Semicon* nach Dresden bekommen haben“, teilte er auf Oiger-Anfrage aus Russland mit.

Sachsen gilt als ein Vorzugspartner

Dresdens amtierender OB Dirk Hilbert. Abb.: LHD Dresden

Dirk Hilbert. Abb.: LHD

Umgekehrt wüssten es „die Russen sehr zu schätzen, dass wir trotz der aktuellen Lage dorthin kommen und Flagge zeigen“. Damit spielte Dirk Hilbert auf die wegen der Ukraine-Krise derzeit sehr angespannten Beziehungen zwischen Russland und Deutschland an. Bereits im Vorfeld der Reise hatte auch Geschäftsführer Hermann Marsch von der Maicom Quarz GmbH aus Posterstein bei Gera dafür plädiert, die wirtschaftlichen Kontakte Mitteldeutschlands gen Osten nicht abreißen zu lassen: „Gerade in turbulenten politischen Zeiten ist es wichtig, über viele Jahre gewachsenes Vertrauen zwischen den Geschäftspartnern nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen“, zitierte ihn die Dresdner Stadtverwaltung. „Für viele russische Unternehmen ist Deutschland nach wie vor der Vorzugspartner und Sachsen nimmt dabei eine wichtige Stellung ein.“ Die Maicom Quarz hat sich unter anderem auf die Belieferung russischer und weißrussischer Elektronikunternehmen mit Anlagentechnik spezialisiert.

Kontakte zwischen beiden Standorten haben lange Tradition

Dirk Hilbert sieht derweil noch weitere Anknüpfungspunkte zwischen Dresden und Selenograd: „Unsere Firmen in der Delegation haben sich gefreut, dass sie in ihren Gesprächen zu konkreten Vertragsabschlüssen einen Schritt weitergekommen sind“, teilte er mit. „Daneben überlegen wir, uns bei Start-ups auszutauschen, sowohl auf der Gründer- aber auch Investorenseite.“ Mindestens eine direkte Geschäftsbeziehung zwischen beiden Standorten gibt es bereits seit längerer Zeit: Das auf elektronisches Papier spezialisierte „Plastic Logic“-Werk Dresden ist seit Jahren in Selenograd präsent. Ursprünglich wollte das Unternehmen dort eine weitere Fabrik für elektronisches Papier einrichten.

Wirtschaftslenker wollten Selenograd zu sowjetischem „Silicon Valley“ machen

Selenograd wurde von den kommunistischen Wirtschaftslenkern 1958 als Hochtechnologie-Stadt gegründet. Die Planer konzentrierten dort wichtige Teile des sowjetischen Mikroelektronik- und Optikprogramms. Daher bestanden bereits zu DDR-Zeiten zeitweise recht enge Technologieaustausch-Programme zwischen Dresden und Selenograd, unter anderem über das „Zentrum für Mikroelektronik Dresden“ (ZMD). Autor: Heiko Weckbrodt

* Gemeint ist die „Semicon Europe“, Europas größte Halbleitermesse, die inzwischen abwechselnd in Dresden und Grenoble stattfindet.

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