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Interesse an Stasi-Akten wächst in Ostsachsen wieder

Rund zehn laufende Kilometer Stasi-Akten verwahrt die Dresdner BStU-Außenstelle. Foto: Heiko Weckbrodt

Rund zehn laufende Kilometer Stasi-Akten verwahrt die Dresdner BStU-Außenstelle. Foto: Heiko Weckbrodt

Außenstelle Dresden bekam ein Viertel mehr Anträge auf Akteneinsicht – Spitzenwert unter allen BStU-Außenstellen

Dresden/Leipzig, 15. Januar 2015: Entgegen allen Erwartungen schrumpft das Interesse an den Stasi-Akten ein Vierteljahrhundert nach der politischen Wende nicht etwa in Ostsachsen, sondern steigt sogar wieder: Im Jahr 2014 hat die Dresdner Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde rund 6800 Anträge auf Akteneinsicht bekommen, etwa 1300 beziehungsweise ein Viertel mehr als im Vorjahr. „Damit hatten wir die meisten Anträge unter allen Außenstellen“, sagte der Dresdner Außenstellen-Leiter Konrad Felber auf Oiger-Anfrage. In Chemnitz gingen beispielsweise 5600 Anträge ein.

Kooperation mit Gedenkstätte Bautzner Straße hat sich bewährt

BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber zeigt die Stasi-LP "Unser Singen muss ein Kämpfen sein". Foto: Heiko Weckbrodt

BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber zeigt die Stasi-LP „Unser Singen muss ein Kämpfen sein“. Foto: Heiko Weckbrodt

Er führte diese gewachsene Resonanz auch auf neue Wege zurück, die die Stasi-Aktenverwalter gemeinsam mit Vereinen beschritten haben, um das Geschichten hinter den Akten für die Menschen lebendig werden zu lassen. So ist die Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) seit vergangenem Jahr mit einer eigenen Dependence in der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung Dresden vertreten, die erst kürzlich als „Gedenkstätte Bautzner Straße“ ausgebaut worden war. „Das war eine kluge Entscheidung“, sagte Felber. „Wir verbinden für die Besucher damit die Akten mit den authentischen historischen Akten – und gerade in der Gedenkstätte haben wir viele neue Anträge bekommen.“

Auch bundesweit mehr Anträge

Generell hatten die Archivare auch in ganz Ostdeutschland im vergangenen Jahr mehr zu tun bekommen: 67.763 Anträge auf Akteneinsicht zählte die Behörde bundesweit und damit fünf Prozent mehr als im Vorjahr.

Schüler aus Ost und West planen szenische Lesung aus Parlaments-Debatten – Gauck wird erwartet

In diesem Jahr wollen sich die Aktenverwalter in Sachsen stärker auf die Arbeit mit Jugendlichen und die Diskussionen in der ersten frei gewählten Volkskammer um den Umgang mit den Stasi-Unterlagen fokussieren. So werden Schüler aus Leipzig und Schweinfurt gemeinsam eine szenische Lesung aus entsprechenden Sitzungsprotokollen der Volkskammer und des Bundestags vor 25 Jahren vorbereiten. Zu der Veranstaltung im Herbst in Leipzig wollen Felber und seine sächsischen Kollegen sowie die Landeszentrale dfür politische Bildung auch Politiker aus jener Zeit einladen, darunter den ersten BStU und jetzigen Bundespräsidenten Joachim Gauck.

„Krieg der Worte“ und die Dresdner Cocker-Wiese

Zudem kündigte Felber unter anderem eine Sonderausstellung „Krieg der Worte“ mit Propaganda-Plakaten der Stasi in Dresden an. Im Mai werden sich Veranstaltungen der Umweltverschmutzung in der DDR und dem umstrittenen Projekt „Reinstsiliziumwerk Dresden-Gittersee“ widmen. Zur Dresdner Museumssommernacht möchte die Außenstellen-Leitung das Thema „Rock und Revolution in den Fokus stellen. Dabei wird auch der Auftritt von Joe Cocker 1988 in Dresden durch die Augen der Stasi-Leute beleuchtet – das Areal, auf dem der US-Rockstar seinerzeit auftrat, wird seither von den Dresdnern meist „Cocker-Wiese“ genannt. Autor: Heiko Weckbrodt

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