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TU-Studie: Pegida kommt aus der Mitte der Gesellschaft

Pegida-Demo auf der "Cockerwiese". Foto: Peter Weckbrodt

Pegida-Demo auf der „Cockerwiese“. Foto: Peter Weckbrodt

Durchschnitts-Pegidist ist 48, Atheist, männlich

Dresden, 14. Januar 2015: Obwohl die sogenannten „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) im Namen ihrer Bewegung religiöse Bezüge tragen, haben Teilnehmer der umstrittenen „Pegida“-Demonstrationen in Dresden offensichtlich so gut wie keine religiösen Motive, sondern werden vielmehr vor allem von einer allgemeinen Unzufriedenheit mit den Eliten in Politik und Medien auf die Straße getrieben. Das geht aus einer Eil-Studie des Prof. Hans Vorländer von der TU Dresden hervor. Zudem wurzelt Pegida offenbar nicht in der deklassierten Unterschicht, sondern in der Mitte der Gesellschaft: Der durchschnittliche Pegidist ist laut Vorländer ein 48 Jahre alter Atheist mit leicht überdurchschnittlichem Einkommen. Etwa ein Drittel der Demo-Teilnehmer kommt aus Dresden, ein weiteres Drittel aus dem restlichen Sachsen.

Misstrauen gegen Politik und Medien Hauptmotive

Prof. Hans Vorländer. Foto: TU Dresden

Prof. Hans Vorländer. Foto: TU Dresden

„Auch wenn sich PEGIDA dem Namen nach gegen die Islamisierung des Abendlandes wendet, sind die Kundgebungen für die Mehrheit der Teilnehmer in erster Linie eine Möglichkeit, tief empfundene, bisher nicht öffentlich artikulierte Ressentiments gegenüber politischer und meinungsbildender Elite zum Ausdruck zu bringen“, hieß es von den TU-Forschern. „Diese Gegenüberstellung von ,Die da oben’ und ,Wir hier unten’ in Kombination mit fremdenfeindlichen Einstellungen wird traditionell zum rhetorischen Arsenal rechtspopulistischer Strömungen gerechnet.“

Umfrage bedingt repräsentativ

Die Studie ist allerdings nur bedingt repräsentativ: Die TU-Politologen hatten zwar immerhin rund 400 Pegidisten während der Kundgebungen am 22. Dezember 2014 sowie am 5. und 12. Januar 2015 befragt – bei zuletzt 18.000 bis 25.000 Teilnehmern ein durchaus recht erheblicher Anteil. Aber 60 Prozent der Angesprochenen hatte e abgelehnt, sich befragen zu lassen, wodurch es möglich ist, dass systematisch gewisse – zum Beispiel besonders verbitterte – Teilgruppen der Demonstranten ausgeblendet wurden.

Vorbehalte gegen Ausländer „nur“ drittwichtigstes Motiv

Immerhin 54 Prozent der Befragten gaben als Teilnahme-Motiv an den Pegida-Kundgebungen „Unzufriedenheit mit der Politik“ an. Dies war das meistgenannte Motiv, gefolgt von „Kritik an Medien und Öffentlichkeit“ (20 %). Erst an dritter Stelle wurden „Grundlegende Vorbehalte gegenüber Zuwanderern und Asylbewerbern“ (15 %) genannt. Autor: Heiko Weckbrodt

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