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Sprachbarrieren behindern Job-Vermittlung für Flüchtlinge

Oft behindern ganz praktische Verständnigungs-Probleme die Job-Vermittlung an Flüchtlinge. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Oft behindern ganz praktische Verständnigungs-Probleme die Job-Vermittlung an Flüchtlinge. Foto (bearbeitet): Heiko Weckbrodt

Arbeitsagentur Dresden: Asylbewerber sind vermittelbar, aber viele können weder Deutsch noch Englisch

Dresden, 8. Januar 2014. Damit mehr Flüchtlinge eine Arbeit bekommen und ihren Lebensunterhalt selbst verdienen können, wie so oft gefordert und gewünscht, sind anscheinend vor allem mehr Deutsch-Kurse für Asylbewerber nötig. „Diesen Menschen eine Arbeit zu vermitteln, sehe ich nicht als das Problem“, schätzte der Dresdner Arbeitsagentur-Direktor Thomas Wünsche auf Oiger-Anfrage ein. „Das Hauptproblem liegt eher darin, dass sich kein Arbeitgeber findet, der jemanden einstellt, von dem er kein Wort versteht.“ Denn auch die Facharbeiter unter den Flüchtlingen beherrschen in aller Regel weder Deutsch noch eine der anderen in Europa üblichen Verkehrssprachen wie etwa Englisch. Umgekehrt spricht kaum ein Arbeitgeber in Sachsen beispielsweise Arabisch oder Persisch.

Agentur setzt auf Kollegen mit ausländischen Wurzeln

Thomas Wünsche. Foto: hw

Thomas Wünsche. Foto: hw

Die Dresdner Agentur hat laut eigenem Bekunden inzwischen einen speziellen Arbeitsvermittler angeheuert, der sich um Jobs für die Facharbeiter unter den Asylbewerbern kümmert. Erste Vermittlungserfolge habe es auch schon gegeben, betonte Wünsche. Die Sprachbarriere sei jedoch ein ernstes Hindernis, um dies auszubauen. Im Agenturalltag brauche man mittlerweile über 40 Sprachen, um sich mit allen Arbeitssuchenden verständigen zu können, daher müsse man oft auf Dolmetscher zurückgreifen. Dies könne bei „exotischen“ Sprachen auch schnell sehr teuer werden, wenn die Übersetzer extra aus anderen Städten angefordert werden müssen. „Wir achten daher auch darauf, Mitarbeiter mit Migrationshintergrund zu gewinnen, die einerseits Sprachkenntnisse haben, aber auch helfen, die kulturellen Eigenheiten der verschiedenen Nationalitäten zu verstehen“, sagte der Agentur-Direktor.

Arbeitsverbote für Flüchtlinge gelockert

Schaut man sich die Schlangen in der Dresdner Agentur an, sieht und hört man auch deutlich, dass der Anteil ausländischer Arbeitssuchender groß ist. Gerade aber Flüchtlinge waren bis vor kurzem noch erheblichen gesetzlichen Einschränkungen unterworfen, wenn sie eine Arbeit in Deutschland haben wollten, statt nur im Asylheim auf ihren Bescheid zu warten. Inzwischen hat der Bund die Wartezeit auf eine Arbeitserlaubnis von neun auf drei Monate verkürzt – weitere Lockerungen stehen zur Diskussion.

Angst vor Langeweile der Heimbewohner

Gerade aber die Beschäftigungslosigkeit von Flüchtlingen hatte indirekt die ganze Asyldebatte in Dresden erheblich aufgeheizt, wenn man die Protest-Bekundungen von Pegidisten oder erbosten Heim-Anwohnern in den Ortsbeiräten analysiert. Denn sei diese Furcht nun begründet oder nicht: Die Angst davor, demnächst 50 oder 100 junge tunesische Männer vor die Nase gesetzt zu bekommen, die wegen Arbeitsverboten aus Langeweile auf dumme Gedanken kommen, hatte an vielen geplanten Asylheim-Standorten für lautstarke Anwohnerproteste gesorgt und für Zulauf zu den Pegida-Demos gesorgt. Vermittler vor Ort hatten deshalb beispielsweise vorgeschlagen zu prüfen, ob junge Tunesier in lokale Sportvereine aufgenommen werden oder Anwohner und Flüchtlinge gemeinsam Veranstaltungen organisieren könnten, um in persönlichen Kontakten diese Ängste zu zerstreuen und für Beschäftigung der Heimbewohner zu sorgen. Autor: Heiko Weckbrodt

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