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Was ist „Calisthenics“ und woher kommt es?

Mit Spartiaten-Denkmälern wie diesem erinnert die heutige Kleinstadt Sparta in Südgriechenland noch heute an ihre glorreiche Vergangenheit. Foto: Heiko Weckbrodt

Mit Spartiaten-Denkmälern wie diesem erinnert die heutige Kleinstadt Sparta in Südgriechenland noch heute an ihre glorreiche Vergangenheit. Foto: Heiko Weckbrodt

Geräteloser Kraftsport beruft sich auf Krieger-Übungen im antiken Sparta

Sparta, 16. Dezember 2014. „Calisthenics“ ist aus den altgriechischen Wörtern für Schönheit und Kraft gefügt. Diese Sportart beruft sich auf eine Art Synchron-Gymnastik der Berufskrieger im antiken Sparta. Tatsächlich aber sind in den alten Quellen keine genauen Übungen der spartanischen Kriegerkaste (Spartiaten) beschrieben. Daher ist wohl davon auszugehen, dass die Calisthenics-Übungen spätere Erfindungen sind.

Spartiaten: Die Griechen fürchteten sie als Krieger und belächelten sie für ihre Sitten

Überliefert ist aber von Herodot, Thukydides und anderen zeitgenössischen Geschichtsschreibern, dass die Spartiaten in der Antike einerseits als die besten Krieger überhaupt und andererseits unter den anderen Griechen als etwas schräge Vögel mit altmodischem Lebensstil galten, wenn nicht sogar als Reaktionäre. So unterzogen sich alle Vollbürger-Söhne Spartas – das in der Landschaft Lakonien lag – von Kindheit an einer extrem harten Erziehung beziehungsweise „Aufzucht“ („Agoge“), die teils in der wilden Natur auf ein Leben als Krieger vorbereitete. Diese Agoge war stark auf Kampf und Sport orientiert und absichtlich entbehrungsreich. Geschwätz galt als verpönt – daher auch der spätere Wortgebrauch „spartanisch“ für karg und „lakonisch“ für einsilbig. Die Mädchen unterzogen sich ebenfalls einer – allerdings milderen – sportlichen Erziehung. Geübt wurde oft nackt, was selbst den ansonsten eher liberalen antiken Griechen als etwas schräg galt. Sparta brachte in der Antike zahlreiche Olympia-Sieger hervor.

Über Turnvater Jahn über den Großen Teich und wieder zurück

Im 18. und 19. Jahrhunderts fanden diese alten Sparta-Legenden vor allem in Deutschland wieder viele Fans, es kam zu einem „Sparta-Revival“ in Kunst und Körperkultur. Über die Sportbewegung von „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn vermittelt, schwappten die verklärten antiken Körperertüchtigungs-Konzepte später in die USA herüber. Dort entwickelte sich in der vergangenen Dekade daraus als eine Art Ghetto-Trend in New York „Calisthenics“. In dieser abgewandelten Form sind die Eigengewichtsübungen nun nach Deutschland gewissermaßen zurückgekehrt und finden hier jetzt viele Anhänger. Autor: Heiko Weckbrodt

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