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Das kluge Tier schaltet bei Hungersnot auf Sparflamme

Die Leuchtstoff-Mikroskopaufnahme zeigt das Signalmolekül Hedgehog (grün) und die Zellmembran (lila) in einem Fruchtfliegen-Darm. Abb.: MPI-CBG

Die Leuchtstoff-Mikroskopie zeigt das Signalmolekül Hedgehog (grün) und die Zellmembran (lila) in einem Fruchtfliegen-Darm. Abb.: MPI-CBG

Dresdner Biologen entziffern drosselnde Signalkette

Dresden, 13. Dezember 2014: Bricht in einer Landschaft eine Hungersnot aus, sterben dort die Tiere zu Myriaden – außer ein paar besonders Schlauen, die in einen Sparmodus umschalten: In diesen Lebewesen sendet das sogenannte „Hedgehog“-Protein Drossel-Signale an den gesamten Organismus aus.

Die sorgen dafür, dass zwar grundlegende Zellfunktionen aufrechterhalten werden, energiezehrendes Wachstum oder – bei Embryonen beziehungsweise Larven – die Entwicklung gestoppt werden. Das bewahrt diese Tiere vor dem Hungertod nach dem Motto: lieber mickrig als tot. Dresdner Zellbiologen haben nun wichtige Glieder dieser Signalkette entziffert.

Reitender „Igel“-Bote befehligt im Körper den Wachstums-Stopp

Demnach regelt ganz speziell der Darm die Hedgehog-Produktion in der Fruchtfliege Drosophila, hat das Forscherteam um Suzanne Eaton von Dresdner „Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik“ (MPI-CBG) bei Experimenten festgestellt. Vom Darm aus reiten die Hungersnot-Boten dann auf Lipo-Proteinen – eine Art biologischer Fett-Lkw des Körpers – per Anhalter quer durch den Organismus. Dort befehligen sie die Zellen in anderen Organen und weisen unter anderem die Prothoraxdrüse an, die Produktion des Hormons „Ecdyson zu stoppen. Dadurch verzögert sich absichtlich die Entwicklung des Organismus’. Das erlaube der Fliegenlarve, lang genug zu überleben, um neue Nahrungsquellen zu finden, hieß es voon der Planck-Forschern.

Ansatz gegen „metabolisches Syndrom“ – über 20 Millionen Deutsche betroffen

Suzanne Eaton. Foto: MPI-CBG

Suzanne Eaton. Foto: MPI-CBG

„Dass Hedgehog so weite Strecken zurücklegen kann, war bisher nicht bekannt,“ betonte Eaton. „Unsere Studie ist ein Ansatz, um das weit verbreitete metabolische Syndrom besser zu verstehen, das etwa ein Drittel der westeuropäischen Bevölkerung betrifft.“ Menschen mit diesem Syndrom sind fettleibig, haben chronischen Bluthochdruck und kann zu Diabetis und Herzkrankheiten führen. Schätzungen des „Berufsverbandes Deutscher Internisten“ zufolge sind davon über 20 Millionen Deutsche betroffen, vor allem Senioren. Autor: Heiko Weckbrodt

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