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EU gibt 410 Millionen Euro für neues Rohstoff-Netzwerk

Kristallaggregat von Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende und Kalkspat; enthält u.a. Indium, Germanium und Silber. Foto: Jürgen Jeibmann

Kristallaggregat von Kupferkies, Bleiglanz, Zinkblende und Kalkspat; enthält u.a. Indium, Germanium und Silber.
Foto: Jürgen Jeibmann

Sachsen koordiniert Innovations-Gemeinschaft

Dresden-Rossendorf/Freiberg/Berlin, 9. Dezember 2014: Die EU investiert 410 Millionen Euro in ein neues Innovationsnetzwerk unter Führung des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR), das die Versorgung der europäischen Wirtschaft mit strategischen Rohstoffen sichern soll. Einen entsprechen Auftrag hat heute das „Europäische Institut für Innovation und Technologie“ erteilt, teilte das HZDR mit. „Die neue Wissens- und Innovationsgemeinschaft wird erstmals Europas führende Einrichtungen entlang der gesamten Rohstoffwertschöpfungskette vernetzen“, betonte Projektkoordinator Prof. Jens Gutzmer vom Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie (HIF) am HZDR. Dies sei „eine einzigartige Möglichkeit für den europäischen Ressourcensektor.“

116 Partner aus Forschung und Wirtschaft vernetzen sich

Die Wissens- und Innovationsgemeinschaft für Rohstoffe („Knowledge and Innovation Community for Raw Matters” = KIC RawMatTERS“ soll 116 europäische Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen aus 22 Ländern zusammenführen. Der Hauptsitz wird in Berlin sein. Die Netzwerk-Partner wollen gemeinsam neue Verfahren und Produkte für die nachhaltige Erkundung, Gewinnung, Verarbeitung, das Recycling und die Substitution von Rohstoffen entwickeln.

Neue Jobs und Studiengänge in Aussicht

HIF-Direktor Prof. Jens Gutzmer. Foto: Detlev Müller, Bergakademie Freiberg

HIF-Direktor Prof. Jens Gutzmer. Foto: Detlev Müller, Bergakademie Freiberg

Bis 2019 sollen daraus Firmengründungen entstehen. „Dies wiederum wird neue Arbeitsplätze im Ressourcenbereich kreieren“, erklärt Gutzmer. „Gleichzeitig soll der Rohstoffsektor attraktiver für junge Wissenschaftler werden. Wir werden dafür spezielle Master- und Doktorandenprogramme entwickeln.“

Industrie soll Milliarden-Investitionen beisteuern

Im Fokus der Innovations-Bemühungen sollen laut Gutzmer drei Leitprojekte stehen: Die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Bergbauhalden und Industrieabfällen, der Rohstoff-Einsatz im Automobilbau und der Rohstoffabbau unter extremem Bedingungen, zum Beispiel in der Tiefsee. Wir denken da auch in Richtung der Robotik und des Hochtechnologie-Bergwerks der Zukunft“, sagte der Professor. Ein wesentlicher Teil der 410 Fördermillionen soll in den Aufbau von Pilotanlagen und industriereifen Lösungen fließen. Dabei werde das EU-Geld aber nur als eine Art Katalysator dienen, betonte der Forscher. Denn bei solchen Projekten sollen die staatlichen Mittel nur maximal 25 Prozent der Gesamtprojektkosten decken, den großen Rest soll die Industrie beisteuern. Sprich: Die EU hofft, mit ihren Millionen ein Milliarden-Investitionsprogramm anzustoßen.

Freiberg profiliert sich als Zentrum der Ressourcenforschung

Dass das Freiberger Außeninstitut des HZDRs für die Projektleitung ausgesucht wurde, ist kein Zufall: Die traditionsreiche sächsische Bergbaustadt Freiberg profiliert sich seit geraumer Zeit als Forschungsstandort für die Suche nach strategisch wichtigen Materialien und deren Rückgewinnung aus Abfällen. Erst kürzlich hatte beispielsweise die Bergakademie Freiberg gemeinsam mit dem Lampenhersteller Narva und weiteren Partnern ein Verfahren zur Industriereife geführt, um „Seltene Erden“ aus Leuchtstoff-Abfall zu recyceln.

Rohstoff-Nachschub gilt als strategische Schlüsselaufgabe für Europas Hightech-Industrien

Da vor allem West- und Mitteleuropa ihre natürlichen Rohstofflager bereits seit dem Mittelalter und vor allem nach der Industriellen Revolution zu großen Teilen erschöpft haben, gilt hier die Rückgewinnung seltener Elemente inzwischen als strategische Schlüsselaufgabe. Insbesondere die Hightech-Industrien sind mittlerweile stark von außereuropäischen Rohstoff-Importen – zum Beispiel aus China und Südamerika – abhängig, um beispielsweise den Nachschub an Lithium für Akkus oder Seltenen Erden, Tantal, Kupfer oder Germanium für Elektronik und Speziallegierungen zu sichern. Da aber die Industrie in eben diesen Ländern boomt und einen hohen Eigenbedarf entwickelt, fürchten die Europäer, bald von diesen Lieferungen abgeschnitten zu werden. Autor: Heiko Weckbrodt

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