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Hybrider Schwede summt durch Dresden

Die längere 18-Meter-Variante des Volvo-Hybriden. Abb.: Volvo

Die längere 18-Meter-Variante des Volvo-Hybriden. Abb.: Volvo

Dresdner Busflotte mit 12 % Hybridquote – laut DVB deutscher Spitzenwert

Dresden/Stockholm, 5. Dezember 2014: Ab Montag dreht auf der Dresdner Linie 63 ein auffälliger Bus, der weiß statt im typischen Dresdner Gelb lackiert ist: Die „Dresdner Verkehrsbetriebe“ (DVB) testen jetzt eine schwedische Hybridtechnologie, für die „Volvo“ einen Testbus zur Verfügung gestellt hat. Anders als die bisher in Dresden eingesetzten „Hybriden“ hängen beim Schweden Diesel- und Elektromotor an einem Antriebsstrang. Dadurch ist der Volvo billiger als andere Hybrid-Busse. Ob er die erhofften Kraftstoff- und Abgas-Ersparnisse von etwa einem Drittel gegenüber klassischen Diesel-Bussen auch in der Praxis erreicht, soll der Testbetrieb bis zum 8. Januar zeigen.

18 von 150 Stadtbussen sind Hybride

„Als innovatives Verkehrsunternehmen testen wir auch innovative Technologien“, sagte DVB-Sprecher Frank Lösch. Dies sei man dem Anteilseigner, der Stadt, aber auch den Dresdnern und nicht zuletzt der Umwelt schuldig. Mittlerweile würden bereits 18 der rund 150 DVB-Busse durch Hybridtechnologien angetrieben, dies entspreche einem Anteil von zwölf Prozent an der Busflotte, betonte DVB-Buschef Robert Roch. „So eine Hybrid-Quote hat kein anderes deutsches Nahverkehrsunternehmen.“ Daneben testen das Dresdner Frauenhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme (IVI) und die DVB derzeit in Dresden auch einen reinen Elektro-Bus aus.

Serieller Hybridantrieb dominiert, paralleler wird nun erprobt

Unter einem Hybrid-Bus versteht man ein Fahrzeug, in dem sowohl ein Diesel-Verbrennungsmotor wie auch ein oder mehrere Elektromotoren eingebaut sind. Die bisher von den DVB gekauften Hybriden von Mercedes, MAN, Solaris und Hess setzen auf „serielle“ Konzepte. Dabei gibt der Diesel seine Kraft nicht direkt an die Räder ab, sondern speist einen Generator, der den Strom für die Elektromotoren an Bord erzeugt. Beim Volvo-Hybriden hingegen sind Diesel- und Elektromotor parallel angeordnet, treiben abwechselnd direkt die Achsen an. Bremst der Bus, dient der Elektromotor gleichzeitig als Stromgenerator, um die Lithium-Ionen-Batterie nachzufüllen.

Bis zu 40 % Diesel-Ersparnis avisiert

All diese Antriebskonzepte haben Vor- und Nachteile. Ein klassischer Diesel-Bus zum Beispiel kostet die DVB etwa 300 000 bis 315.000 Euro in der Anschaffung. Ein serieller Hybride ist etwa doppelt so teuer, der Parallel-Hybride von Volvo liegt mit etwa 375.000 bis 400.000 Euro dazwischen. Im Praxiseinsatz bei den DVB verbrauchen die bisher eingesetzten seriellen Hybridbusse etwa 20 Prozent weniger Kraftstoff als die reinen Diesel-Kollegen. Der Neue soll nun laut Volvo sogar 30 bis 40 Prozent sparen. Allerdings wurden diese Ersparnisse auf dem flachen Lande in Schweden und Westdeutschland gemessen. Abzuwarten bleibt, ob solche Werte auch auf den Bergstrecken im Dresdner Elbkessel erreichbar sind. Deshalb wird der Volvo ab Montag zunächst auf der eher bergigen Strecke der Linie 63, dann auf der eher ebenen Linie 65 und später an Wochenenden auch auf der „61“, die besonders steile Touren zu bewältigen hat, ausprobiert.

 

Schwedische Städte sind Vorreiter – und dadurch auch Volvo

-> In Schweden gehen derzeit immer mehr Kommunen dazu über, Diesel-Busse und –Laster in den Innenstädten zu verbieten. Stockholm, Umea und weitere Städte schaffen daher nun in größeren Stückzahlen Elektro- und Hybrid-Busse an. Volvos Bussparte hat sich daher – zumindest bei Stadtbussen – völlig auf solche Fahrzeuge mit alternativen Antrieben umgestellt. Mittlerweile gehören die Schweden zu den Marktführern für Hybridbusse.

Stockholm profiliert sich als "grüne" Stadt (Video: StVerw Stockholm):

Praxis-Dieselverbrauch wird nun auch im bergigen Dresden getestet

Volvo hatte seinen Bus den Dresdnern von sich aus angeboten. „Auch für uns ist es wichtig, unsere neuen Busse in Praxistests fahren zu lassen, auch mit Blick auf den tatsächlichen Kraftstoff-Verbrauch“, erklärte der sächsische Volvo-Verkaufsleiter Frank Göllner. Und natürlich hoffen die Schweden, den Dresdnern ihre Hybrid-Busse letztlich verkaufen zu können. Die DVB wollen sich darauf noch nicht festlegen, machen das auch von Fördergeld-Zusagen abhängig, da Hybrid-Busse doch noch ganz schön teuer sind.

Bundes-Förderprogramm für Hybrid-Busse naht anscheinend

Aber laut Göllner ist inoffiziell bereits durchgesickert, dass der Bund ab 2015 solche Hybridbus-Käufe in Verkehrsunternehmen mit einem neuen Programm fördern will. Und zumindest über das langfristige Ziel der DVB lässt Lösch keinen Zweifel: „Wir wollen in Zukunft noch stärker auf Elektromobilität auch in Bussen setzen – und da sehen wir im Hybridantrieb die zentrale Brückentechnologie.“ Autor: Heiko Weckbrodt

Hybridbus im Kurzporträt:

Name: 7900H
Hersteller: Volvo
Antrieb: serieller Hybridantrieb mit einem Dieselmotor (177 Kilowatt) und einem Elektromotor (150 Kilowatt) an einem Strang
Akku: Lithium-Ionen, 2,4 kWh
Länge: 18 Meter
Kapazität: ca. 95 Passagiere (53 Sitz- und 42 Stehplätze)

Zum Weiterlesen:

Seriell, parallel und Plug-In: Welche Hybridantriebs-Konzepte dominieren

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