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Sunfire-Technikchef: Öko-Sprit gehört steuerlich belohnt

Christian von Olshausen ist Technikchef bvei "Sunfire" in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

Technikchef Christian von Olshausen vor der neuen Ökosprit-Pilotanlage von „Sunfire“ in Dresden. Foto: Heiko Weckbrodt

CTO Christian von Olshausen im Oiger-Interview

Dresden, 9. November 2014: Die Firma „Sunfire“ startet in wenigen Tagen in Dresden-Reick eine neue Pilotanlage, die Benzin, Diesel und andere Brennstoffe künstlich aus Ökostrom, Wasser und Kohlendioxid (CO2) erzeugt. In der Herstellung kostet dieser Kunst-Sprit allerdings 1 bis 1,20 Euro po Liter, Rohbenzin auf Erdölbasis dagegen nur 40 Cent. Oiger-Redakteur Heiko Weckbrodt hat mit Sunfire-Technikchef (CTO) Christian von Olshausen über die wirtschaftlichen Chancen dieses Sonnensprits, über Energiesteuern und den großen Lottogewinn der Menschheit gesprochen.

Oiger: Ökologisch mag das Konzept, Treibstoffe aus Sonnenstrom, Luft und Wasser herzustellen, reizvoll sein. Aber wer soll Ihr Kunst-Benzin kaufen, wenn die Herstellung zwei- bis dreimal soviel kostet wie Erdölprodukte?

Christian von Olshausen: Zum Einen handelt es sich hier noch um eine Pilotanlage – größere Anlagen dürften da schon wirtschaftlicher arbeiten. Zum Anderen muss man sich anschauen, wie sich die rechtliche Lage entwickelt.

Oiger: Heißt das, Sie wollen Öko-Subventionen…?

Christian von Olshausen: Nein, darum geht es nicht. Vielmehr frage ich mich, wie gerecht es ist, unseren mit erneuerbaren Energien neu erzeugten Kraftstoff genauso zu besteuern wie Benzin, das letztlich darauf beruht, dass wir in Jahrmillionen entstandene fossile Brennstoffe in wenigen Jahren verpulvern. Dabei werden große Mengen an CO2 in die Atmosphäre entlassen, während unsere Technologie Kohlendioxid wieder in nutzbare Energieträger zurückwandelt. Das sollte steuerlich belohnt werden – und dann wäre unser Treibstoff auch wirtschaftlich interessanter. Manchmal erinnert mich die Menschheit da an einen Lottogewinner oder einen Fußballer, der plötzlich zu Geld gekommen ist.

Oiger: Wie meinen Sie das?

Christian von Olshausen: Wer plötzlich viel Geld hat, schraubt seinen Lebensstandard nach oben, verbraucht und verbraucht seinen Gewinn – und denkt nicht daran, seinen Lebensstandard rechtzeitig auch wieder zu senken, wenn der Hauptgewinn zur Neige geht. Die Folgen sind dann oft Überschuldung und Pleite. Von daher ist die Menschheit wie einer, dem ein Riesensack Energie vor die Tür gestellt wurde, den er nun exzessiv verbraucht, statt dafür zu sorgen, dass auch wieder etwas in den Sack kommt.

Aufgeschrieben von Heiko Weckbrodt

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