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„The Rover“: Faustrecht regiert in Australien

Aus dem Gefangenen wird ein Verbündter, fast schon ein Freund: Eric (Guy Pearce, l.) will sein Auto zurück und spannt dafür den scheuen Rey (Robert Pattison) ein. Foto: Senator

Aus dem Gefangenen wird ein Verbündeter, fast schon ein Freund: Eric (Guy Pearce, l.) will sein Auto zurück und spannt dafür den scheuen Rey (Robert Pattison) ein. Foto: Senator Home Entertainment

Endzeit-Krimi über Autodiebe, Gesetzlose und Moralverfall

In den kargen Weiten der australischen Wüste beleuchtet das rau-lapidare Road-Movie „The Rover“ der Frage nach, was von Moral und Gerechtigkeit bleibt, wenn uns der Arm des Gesetzes eh nicht mehr erreichen kann. Auf den Spuren von „Mad Max“ und „The Walking Dead“ skizziert Regisseur David Michôd eine postapokalyptische Zukunftswelt, in der es keine Staatsgewalt mehr gibt, das Faustrecht wieder gilt und der Besitz von Waffen und Autos die härteste Währung ist, um zu überleben. Seine Antworten fallen spröde und doch verhalten optimistisch aus.

Sturer Eric will sein Auto nicht aufgeben

Erschienen ist „The Rover“ nun auf DVD und erzählt die Geschichte des wortkargen Farmers Eric (Guy Pearce, „Prometheus“, „Iron Man 3″). Der kreuzt – für den Zuschauer aus zunächst unerfindlichen Gründen – mit seinem Wagen quer durchs australische Outback, bis ihm ein paar bewaffnete Banditen auf der Flucht seinen Rover klauen. Das will sich der Einzelgänger partout nicht gefallen lassen und hetzt seinem Auto über Hunderte Meilen hinterher, sammelt unterwegs den etwas debil erscheinenden Bruder Rey (Robert Pattison) ein, der, wie sich herausstellt, der Bruder von einem der Autodiebe ist und weiß, wohin die mit dem Rover geflüchtet sind.

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Eruptionen sinnloser Gewalt

Der Weg von Eric und Rey zum Rover ist mit Pulverrauch, Blut, oft sinnloser Gewalt und vielen Kopfschüssen gepflastert. Warum eigentlich Eric so erpicht darauf ist, ausgerechnet dieses Auto zurückzuerlangen, erfährt der Zuschauer erst ganz zum Schluss so recht, wie sich überhaupt der Sinn des ganzen Plots erst nach und nach erschließt.

Wer bitte gibt nach der Apokalpyse Benzin für Papiergeld her?

Manches ist auch schlichtweg einfach unlogisch: Warum zum Beispiel sollte nach einem Zusammenbruch aller staatlichen Institutionen die versprengten Überlebenden noch scharf auf Papiergeld sein? Auch sind diese Filmwelt nicht wirklich sehr überzeugend postapokalyptisch aus, sondern in vielen Details viel zu schnieke und gut funktionierend – da hatte Regisseur und Drehbuch-Autor Michôd wohl Budgetprobleme.

Von wortkarger Performance getragen

Dennoch hat „The Rover“ seinen Reiz. Den zieht er einerseits aus spröde-schönen Aufnahmen der australischen Wüste, andererseits aus der lakonischen, aber starken Performance von Guy Pearce. Der ist in der Bonussektion viel schwatzhafter und sagt da sinngemäß: Wer zuviel redet, der erzeugt nur heiße Luft. Wohl gesprochen! Ein bisschen leidet der Film allerdings an der der (anders als bei den Landschaftsaufnahmen) etwas unambitionierten Kameraführung, wenn es um Menschen, um die Inszenierung seiner wortkargen Antihelden geht. Schade eigentlich.

Nicht nur Plapper-Interviews

Empfohlen sei in jedem Falle, sich auch die Bonussektion anzuschauen: Sie hilft, dieses ungewöhnliche Roadmovie besser zu verstehen. Außerdem sind die Interviews mit den australischen Machern und Mimen deutlich reflektierter als bei den meist oberflächlichen US-„Making Ofs“ üblich.

Abb.: Senator Home Entertainment

Abb.: Senator Home Entertainment

Fazit: spröde, doch reizvoll

„The Rover“ ist ein etwas sprödes, ruhig erzähltes Roadmovie mit Thriller-Elementen, das gelegentlich in roher Gewalt ausbricht. Nicht so mundgerecht wie Hollywood-Produktionen, aber von eigenem Reiz. Autor: Heiko Weckbrodt

„The Rover“ (Abb.: Senator Home Entertainment), Endzeit-Roadmovie, Australien 2014, Regie: David Michôd, mit Guy Pearce, 98 Minuten, FSK 16

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