Forschung, Hardware, News, Wirtschaft
Schreibe einen Kommentar

Robot-Wächter erstarren nicht mehr vor Katzen

Wer denkt beim Stichwort "Künstliche Intelligenz" micht gleich am dem HAL 9000 aus der Space Odyssey? Abb.: Cryteria, Wikipedia, CC3-Lizenz

Wer denkt bei „Künstlicher Intelligenz“ micht gleich am dem HAL 9000 aus der Space Odyssey? Abb.: Cryteria, Wikipedia, CC3-Lizenz

Fraunhofer-Laserauge erkennt auch im Stockdunkeln bedrohliche Situationen

Dresden/Freiburg/Sankt Augustin, 19. Oktober 2014: Eine schwarze Katze streunt um die Ecke, Laub raschelt im Nachtwind, in der Ferne jammert eine Eule, ein Einbrecher schleicht mit dem Kuhfuß in der Hand auf die Tür zu… Ein Mensch weiß sofort, worauf er seine Aufmerksamkeit zu richten hat: Katz und Ul sind keine Gefahr, ein Brigant dagegen wohl. Was für einen menschlichen Wachmann eine Augenblicks-Entscheidung ist, überfordert die meisten Künstlichen Intelligenzien, trotz aller Science-Fiction-Filme: Unsere heutige Computer- und Sensortechnik ist einfach zu lahm, um sich in komplexen Alltags-Szenarien rasch zurechtzufinden. Fraunhofer-Forscher aus Dresden, Freiburg und Sankt Augustin haben nun eine Art künstliches Auge entwickelt, das sich auch im Dunkeln sehr schnell auf das Wesentliche konzentriert und bedrohliche Situationen erkennt.

Mikrospiegel-Chips steuern Suchstrahlen

Optischer Scankopf mit integrierten Scannerspiegel-Chips. Foto: Fraunhofer IPMS

Optischer Scankopf mit integrierten Scannerspiegel-Chips. Foto: Fraunhofer IPMS

Die Ingenieure haben dafür Mikrospiegel-Chips mit Lasern und speziellen Computerprogrammen kombiniert: Winzig kleine Spiegel lenken einen Laserstrahl durch die dunkle Umgebung. Trifft der Laser ungewöhnliche Objekte, wird gestreutes Licht zurückgeworfen und von automatisch mitgesteuerten Empfangs-Spiegeln auf Photodioden gelenkt. Indem der Suchkopf die Zeit bis zur Rückkehr des Lichtpulses ausmisst, kann er die Entfernung des fraglichen Objekts ermitteln – selbst in einer stockfinsteren Nacht.

Künstliches Auge wertet Gefahren in Echtzeit aus

Indem gleich 22 Empfangsspiegel gekoppelt werden, kann der Computer nun sehr hochauflösende Bilder auswerten und die Spiegel dann in Echtzeit auf „interessante“ Vorgänge nachjustieren – ähnlich wie die „Fovea“ im menschlichen Auge, die dafür sorgt, dass wir kleine Ausschnitte eines Übersichtsbildes scharf sehen. Die Lasermesstechnik dafür entwickelte das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) in Freiburg, die „Aufmerksamkeits“-Software kam vom Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme (IAIS) in Sankt Augustin.

Sichtweite: 30 Meter

Laut dem Dresdner Photonik-Institut IPMS, das die Mikrospiegel-Chips und Scan-Automatik beisteuerte, kann das künstliche Auge auf diese Art bis zu 30 Meter weit sehen. „Die extrem hohe Scangeschwindigkeit des Fraunhofer-Scanners von 1,6 kHz erlaubt Aufnahmen quasi in Echtzeit und so auch die Erfassung sich bewegender Objekte wie zum Beispiel Flugzeuge auf Landebahnen oder Fahrzeuge auf Baustellen“, betonten die Fraunhofer-Forscher.

Roboter-Patrouillen denkbar

Die Laser-Suchköpfe könnten zum Beispiel in patroullierenden Sicherheits-Robotern eingesetzt werden, oder als Kollisionswarner auf Airports. Die IPMS-Wissenschaftler wollen die Neuentwicklung auf der Fachmesse „Vision“ (4.-6. November 2014) in Nürnberg präsentieren. hw

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.