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CCC-Hacker: Industrie 4.0 kommt zu früh

Materialbewegungen werden in den Dresdner Werken fast nur noch durch Roboter erledigt.

In den Dresdner Infineon-Chipwerken herrscht bereits ein hoher Automatisierungsgrad. „Industrie 4.0“ wird als nächste Stufe gehandelt – birgt aber auch Risiken. Foto: Infineon

Sprecher Rieger: Software ist viel zu unausgereift

Dresden, 16. Oktober 2014: Der Chaos-Computer-Club (CCC) hat die „Industrie 4.0“-Euphorie gedämpft: Der nächste große Automatisierungs-Schub in der deutschen Wirtschaft, der unter diesem Stichwort vermarktet wird und an den auch die sächsische Hightech-Industrie große Hoffnungen knüpft, berge noch erhebliche programmtechnologische und Datensicherheits-Problemen, warnte CCC-Sprecher Frank Rieger auf einem „Cyberspionage“-Unternehmerseminar der Kanzlei „Schneider + Partner“ in Dresden. „Wir haben gar nicht die Software in der nötigen Qualität für diese Industrie 4.0“, sagte er. „Industrie 4.0 kommt noch zu früh.“

Deutsche Technologiefirmen arbeiten an der hocheffizienten, stark vernetzten Fabrik der Zukunft. Spezialelektronik aus Sachsen soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Fotomontage: AG Silicon Germany

Deutsche Technologiefirmen arbeiten an der hocheffizienten, stark vernetzten Fabrik der Zukunft. Spezialelektronik aus Sachsen soll dabei eine Schlüsselrolle spielen. Fotomontage: AG Silicon Germany

Industrie hofft auf Produktivitätsschub durch vernetzte Roboter

Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ versteht man die Idee, Roboter, Werkstücke und Maschinen in den Fabriken mit unzähligen Chip-Transpondern und Minicomputern zu bestücken, sie (in der Regel) drahtlos miteinander zu vernetzen und produktionstechnische Entscheidungen dadurch zu dezentralisieren und zu optimieren. Die deutsche Industrie erhofft sich dadurch einen erheblichen Produktivitäts-Schub.

Know-How-Abfluss durch „intelligente“ Werkstücke befürchtet

CCC-Sprecher Frank Rieger. Foto: hw

CCC-Sprecher Frank Rieger. Foto: hw

Dagegen sieht die Hacker-Vereinigung CCC eher das Risiko eines schmerzlichen „Know-How-Abflusses“ aus Deutschland. Denn in einer „Industrie 4.0“-Fabrik dirigiere nicht mehr eine zentrale Instanz darüber, wann welcher Arbeitsgang erledigt wird, sondern enthalte jedes dann „intelligente“ Werkstück das Wissen darüber, wie zum Beispiel aus einem Stück Stahl ein Auto wird. Diese Informationen wären dann prinzipiell für Cyberspione auslesbar.

Mulmiges Gefühl, wenn Roboter Roboter steuern

Ganz abgesehen davon könne man durchaus ein mulmiges Gefühl dabei haben, wenn der Mensch die Steuerung von Robotern den Robotern überlasse, meinte Rieger.

Horrorszenario: Lenkrad-Hack bei Tempo 120 auf der Autobahn

Heinz Martin Esser. Abb.: Silicon Saxony

Heinz Martin Esser. Abb.: Silicon Saxony

Solche Bedenken dürfe man bei allem Interesse an den Trend-Themen „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ nicht vernachlässigen, schätzte Vorstand Heinz-Martin Esser vom sächsischen Hightech-Verband „Silicon Saxony“ ein. „Es darf natürlich nicht passieren, dass wir in Zukunft mit einem automatischen und vernetzten Auto mit Tempo 130 über die Autobahn fahren und dann hackt sich jemand hinein und reißt das Lenkrad in voller Fahrt herum“, betonte Esser. Ähnliches gelte für die Forschungen an künftigen Fernoperationen per 5G-Mobilfunk, wie sie Professor Gerhard Fettweis gerade an der TU Dresden vorantreibt. „Wenn sich da jemand reinhackt, könnte das schlimme Folgen haben.“

Verschlüsselung im Internet der Dinge gefragt

Daher müsse auch die Software- mit der Hardware-Entwicklung Schritt halten, betonte Esser. Die Entwickler müssten daher für hochsichere Verschlüsselungen der vernetzten Maschinen, Produkte, Autos und anderen Geräte sorgen. Autor: Heiko Weckbrodt

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