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SciFi-Autor Howey: Kopierschutz für eBücher ist Blödsinn

Kopierschutz-Mechanismen ("DRM") für eBücher sind umstritten. Foto: Heiko Weckbrodt

Kopierschutz-Mechanismen („DRM“) für eBücher sind umstritten. Foto: Heiko Weckbrodt

Er meint: An diesem Sisyphus-Spiel verdienen nur Software-Ingenieure

Jupiter, 17. September 2014: Kopierschutz für elektronische Bücher (eBücher) ist sinnlos, weil er die eBook-Piraterie nicht wirklich eindämmt, dafür aber Leser verärgert und nur die Software-Ingenieure verdienen lässt. Das hat der US-amerikanische Science-Fiction-Autor Hugh Howey („Silo“, „Molly Fyde“) aus Jupiter/Florida eingeschätzt. Dabei stützt er sich auch auf Analysen der Schriftsteller-Vereinigung „Author earnings“, laut der sich kopierschutz-freie eBooks besser verkaufen als geschützte.

Rechtemanagement so sinnvoll wie ein Sack voll Steine in Ketten

Hugh Howey. Foto: PR

Hugh Howey. Foto: PR

Mit Blick auf die Ankündigung des US-Verlags „Harper Collins“, künftig in dessen eBooks unsichtbare Wasserzeichen mit „Digital Rights Management“ (DRM = Digitales Rechtemanagement) einzubauen, die die Quellen raubkopierter Bücher zurückverfolgbar machen sollen, erklärte Howey in seinem Blog: „Wenn die Idee dabei tatsächlich ist, Piraterie zu stoppen, dann ist das Programm so dumm wie eine Tasche voller Steine, die mit Ketten umwickelt und Vorhängeschlössern gesichert ist.“ Es sei ein Kinderspiel, den Kopierschutz aus Büchern zu entfernen – das hätten die Verlage eigentlich aus den Erfahrungen der Musikindustrie mit den MP3-Börsen des Internetzeitalters lernen sollen. Die einzigen Nutznießer solcher Schutz-Mechanimen seien DRM-Hersteller, die Millionen von Dollar an der Angst der Verlage verdienen würden.

US-Autor vertickt seine Bücher DRM-frei

Howey selbst verkauft seine eBücher einerseits über Amazon, aber parallel dazu auch im Eigenverlag über seine Internetseite als DRM-freie Varianten. Im Juli-Report von „Author earnings“ hatte es eine Spezialauswertung zu diesem Thema gegeben. Ergebnis: Zumindest eBücher verlagsunabhängiger Autoren verkaufen sich ohne Kopierschutz doppelt so gut wie DRM-Titel. Umgekehrt hatte die Entscheidung des dänischen Erfolgs-Autors Jussi Adler-Olsen, die eBook-Publikation seines Krimis „Verachtung“ zielgerichtet um eine halbes Jahr nach der gedruckten Ausgabe zu verzögern, zu einer Flut von illegalen digitalen Kopien im Internet und zu wütenden Kommentaren seiner Fans geführt – der Däne revidierte seine Entscheidung nach wenigen Wochen.

Kopierschutz auch für „legale“ Leser misslich

Kopierschutz-Mechanismen bergen nicht nur für Piraten, sondern auch für für ganz legale Käufer von eBooks Nachteile: Meist gibt es keinen einfachen Weg, diese Bücher an Freunde zu verborgen oder zu verschenken. Zudem sind Leser von DRM-Büchern auf die Geräte- und Softwareplattformen angewiesen, die die Verlage beziehungsweise Anbieter präferieren. So ist es auf einem Kindle-eReader beispielsweise nicht möglich, bei Apple gekaufte ePub-Bücher zu lesen. Zudem gab es schon Beispiele, dass Anbieter legal erworbene Kopien (aus unterschiedlichen Grünen) auf den Geräten der rechtmäßigen Käufer unbrauchbar gemacht haben. Und geht der Anbieter pleite, läuft der Käufer eines DRM-geschützten eBooks ebenfalls Gefahr, sein Buch nicht mehr weiterlesen zu können. Zu den wenigen vorbildlichen Ausnahmen gehörte da die deutsche „Data Becker“, die nach ihrer Geschäftsaufgabe die meisten ihrer eBooks zum freien und kopierschutzfreien Downloads an die Käufer freigab. Autor: Heiko Weckbrodt

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