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Nach mir die Sintflut: „Noah“ als Ausrottungs-Freak

Noah (Russell Crowe) und Kain (Ray Winstone) können sich nicht leiden. Foto: Paramount

Noah (Russell Crowe, l.) und Kain (Ray Winstone) können sich nicht leiden. Foto: Paramount

Katastrophenfilm inszeniert Bibel-Geschichte als Kampf zwischen industrieller Zerstörung und Ökologie

Was macht man mit einem religös-fanatischen Tierknutscher, der alles mit seiner „Die Menschheit gehört ausgerottet“-Manie nervt? Heute würden ihn US-Militärs wahrscheinlich unbefristet in Guantanamo einsperren. Doch „Noah“ (Russell Crowe – „Broken City“) hat Glück: Er kommt in der Bibel vor und daher auf die große Leinwand als anstrengend alttestamentarischer Patriarch mit einem Schuss Gladiator-Blut. Der Bibel-Apokalypsen-Film ist nun fürs Heimkino erschienen, interpretiert die Bibel sehr frei und bringt ein Wiedersehen mit Emma Watson („Harry Potter„) als rettungswürdiges Findelkind Ila, Jennifer Connelly („Dark City„) als Noahs Gattin Naameh und Schauspiel-Grandsegneur Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“, „Thor“), der den greisen Methusalem und Endmonster-Magier mimt.

Werbevideo (Paramount):

 

Brudermörder Kain als Heerführer der Finsternis

Und das steht er, der Gladiator - pardon: Noah - vor seiner nagelfrei gebauten Arche. Foto: Paramount

Und das steht er, der Gladiator – pardon: Noah – vor seiner nagelfrei gebauten Arche. Foto: Paramount

Regisseur Darren Aronofsky („Black Swan“) hält sich in seinem Apokalypse-Streifen nur in groben Zügen an die Bibel – was zweifellos zu verschmerzen ist, da die altestamentarische Geschichte dramaturgisch nicht allzu viel hergibt und eigentlich schnell erzählt ist. Um doch auf reichlich zwei Stunden zu kommen, bringt Aronofsky hier Noahs Uronkel Kain (Ray Winstone – „Hugo Cabret“) als den großen Gegenspieler ins Spiel, der sich mit gefallen Engeln verbündet, einen frühindustriellen Zivilisationspfad einschlägt und als Inbegriff von moderner industrieller Zerstörung (Kain) gegen Ökolologie (Tierfreund Noah) inszeniert wird.

Fazit: Kurzweilige Apokalypse – mehr aber nicht

Auch Findelkind Ila (Emma Watson) darf mit auf die Arche - da macht der ausrottungsbesessene Patriarch mal eine Ausnahme. Foto: Paramount

Auch Findelkind Ila (Emma Watson) darf mit auf die Arche – da macht der ausrottungsbesessene Patriarch mal eine Ausnahme. Foto: Paramount

Aronofsky hat „Noah“ recht solide besetzt, ansehnlich und action-orientiert inszeniert, wohl auch, um seinem Alpha-Tier-Hauptdarsteller Crowe entgegen zu kommen. Ein großer Wurf ist ihm indes nicht gerade gelungen, weder Bibeltreue noch das klassische Action-Publikum werden so ganz zufriedengestellt. Und wer nicht so recht alttestamentarisch-gottesfürchtig drauf, wird den fundamentalistischen Zauselbär Noah alias Crowe wohl leicht nervig finden. Erschienen ist die Sintflut-Orgie nun auf DVD, allerdings ohne Bonus-Material. Autor: Heiko Weckbrodt

Foto: Paramount

Foto: Paramount

„Noah“ (Paramount), Bibel-Katastrophen-Film, USA 2014, Regie: Darren Aronofsky, mit Russell Crowe, Jennifer Connelly und Emma Watson, 138 Minuten, FSK 12, DVD 15 Euro. Bluray 18 Euro

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