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„The Bridge“: Die Gringa, der Regelverächter und ein eiskalter Serienkiller

Ungleiche Ermittler: Marco Ruiz (Demián Bichir) und Sonya Cross (Diane Krüger). Foto: Fox Home

Ungleiche Ermittler: Marco Ruiz (Demián Bichir) und Sonya Cross (Diane Krüger). Foto: Fox Home

US-Remake baut skandinavischen Krimiserie „Die Brücke“ thematisch aus

Mitten auf der Grenzbrücke zwischen Mexiko und Texas wird eine tote Frau gefunden – oder besser gesagt zwei: Die eine Hälfte der Leiche gehört zu einer ermordeten US-Richterin, die andere einem verschollenen mexikanischen Mädchen. Weil das Verbrechen im wahrsten Sinne des Wortes grenzüberschreitend ist und sich bald als das Werk eines Serienmörders entpuppt, wird eine gemeinsame Taskforce von US- und mexikanischer Polizei gebildet, geleitet von zwei Cops, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier die regelbesessene soziopathische Blondine Sonya „La Gringa“ Cross (Diane Krüger) aus El Paso und da der emotionale, aber eher regellaxe Mexikaner Marco Ruiz (Demián Bichir) aus der Mord-Hauptstadt Ciudad Juárez…

Wem das alles irgendwie bekannt vorkommt, irrt nicht: „The Bridge – America“ beruht auf der dänisch-schwedischen Krimi-Serie „Bron“, die in Deutschland unter dem Titel „Die Brücke – Transit in den Tod“ lief. Bei einem US-Remake skandinavische Erfolgskonzepte rechnet man natürlich mit dem Schlimmsten – doch der Zuschauer wird eher positiv überrascht.

Werbevideo (Fox):

 

Der Ex-Häuter ist heute Polizei-Leutnant

Ted Levine beeindruckt als Lt. Wade. Foto: Fox

Ted Levine beeindruckt als Lt. Wade. Foto: Fox

Denn einerseits sind die amerikanischen Nachmacher darauf bedacht, die dramaturgschen Besonderheiten der skandinavischen „Brücke“ zu behalten. Zudem lutschen sie auch nicht alles Eckige und Kantige an der Hauptfigur (im Original eine brillante Sofia Helin als fast autistische Kommissarin Saga Norén) rund, wie bei US-Remakes üblich. Und andererseits spielen sie auch frei mit dem Stoff, geben der Geschichte neue Nuancen, bauen die Nebenstränge aus. Vor allem Mädchenmord, Drogen- und Waffenhandel über und unter der Grenze nehmen hier einen viel breiteren Raum ein als im Original. Zudem haben die Amerikaner viele Nebenrollen stark besetzt: Ted Levine (der Psychopath aus „Das Schweigen der Lämmer“ und der Polizei-Captain von „Monk“) zum Beispiel als Vaterersatz und Chef von Sonya oder Thomas M. Wright als ständig murmelnder Werwolf-Samariter Steben Linder.

Diane Krüger wächst in autistischer Rolle über sich hinaus

Womit wie bei der Figur und Schauspielerin sind, mit der die Brücke steht oder fällt: Diane Krüger, die in „Troja“, „Inglorious Basterds“ oder „Seelen“ nicht eben durch vollendete Schauspielkunst glänzte, legt hier eine ihrer bisher besten Leistungen hin: Man sieht zwar, dass sie Sofia Helin nicht so ganz das Wasser reichen kann, aber sie macht ihre Sache weit besser als erwartet. Letztlich verfällt sie indes wieder in Hollywood-übliche Rührseligkeiten, was aber vermutlich eher dem Drehbuch als ihr zuzurechnen ist.

Foto: Fox

Foto: Fox Home

Fazit: Sehenswert

Trotz einiger Schwächen bewegt sich „The Bridge – America“ deutlich über dem Niveau routinierter US-Remakes und setzt eigene Akzente. Wer etwas mehr über die Hintergründe der Produktion erfahren will, kann sich auf der nun erschienenen DVD-Staffelbox auch ein paar Dokus anschauen, in der Bonussektion winken außerdem einige interessante geschnittene Szenen. Autor: Heiko Weckbrodt

„The Bridge – America“ (FX Production/Fox), Krimiserie, DVD-Edition Staffel 1: 566 Minuten, FSK 18, 18 Euro

 

Zum Weiterlesen:

Das Original: „Die Brücke“

Die Brücke II“: Düsetere Seuchen-Krimikost

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