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Ifo Dresden: Ab 4,60 € gefährdet Mindestlohn Jobs in Ostdeutschland

Sachsens Hightech-Gründer leiden unter Risikokapital-Lücken. Foto: Heiko Weckbrodt

Foto: Heiko Weckbrodt

Dresden, 14. August 2014: In der politisch aufgeladenen Mindestlohn-Debatte hat „ifo Dresden“ noch einmal nachgelegt: Um ähnlich job-neutral wie in den oft zitierten Vergleichsländern USA oder Großbritannien zu wirken, dürfe man die Lohnuntergrenze in Deutschland allenfalls auf 6,20 Euro festlegen, in Ostdeutschland sogar nur auf 4,60 Euro, argumentiert das Dresdner Wirtschaftsforschungsinstitut. Tatsächlich aber habe die Groko in Berlin den Mindestlohn ab 1. Januar 2015 (bei einigen Ausnahme-Regeln) auf 8,50 Euro festgelegt.

Forscher: Internationale Vergleiche oft zu kurz gedacht

Prof. Marcel Thum. Abb.: ifo

Prof. Marcel Thum. Abb.: ifo

Ifo-Geschäftsführer Prof. Marcel Thum und seine Koautoren Andreas Knabe und Ronnie Schöb verweisen in ihrer Studie „Internationale Vergleiche beim Mindestlohn“ auf gern zitierte internationale Vergleiche wie den von der SPD-Politikerin Andrea Nahles. Diese habe 2007 argumentiert: „In England hat man 1999 auf einen Schlag einen Mindestlohn eingeführt, und es sind überhaupt keine Arbeitsplätze verloren gegangen.“ Dieser Vergleich sei jedoch naiv, berücksichtige er doch die deutschen Arbeitsmarktregeln für Kündigungsschutz, Beschäftigungssubventionen und den gewerkschaftlichen Organisationsgrad nicht.

Mindestlohn betraf nur 5 % der Briten – aber über 20 % der ostdeutschen Arbeiter

Vor allem aber sei die Relation zwischen Mindestlohn und Durchschnittslohn in den oft bemühten Vergleichsländern eine andere gewesen als in der Bundesrepublik heute. So habe der Mindestlohn in den USA im Jahr 2011 bei 28 Prozent des Durchschnitts-Lohnes gelegen, in Großbritannien bei 38 Prozent, in Deutschland liege er laut Prognose für 2015 bei 50,6 Prozent. Auch habe der Mindestlohn zum Beispiel in Großbritannien nur fünf Prozent aller Arbeitnehmer überhaupt betroffen, weil diese vorher weniger verdient hätten. In Westdeutschland sind dies jedoch 12,5 Prozent der Arbeitnehmer, in Ostdeutschland sogar über 20 Prozent.

Auf welche Mindestlöhne man rechnerisch kommt, um ähnlich behutsam wie seinerzeit die britische Regierung in den Arbeitsmarkt einzugreifen und zu vermeiden, dass massenhaft Jobs wegfallen, haben die Ifo-Forscher in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet – mit der sie sich wahrscheinlich wenig Freunde bei Betroffenen und Gewerkschaften machen dürften:

Legt man ähnliche Betroffenheits-Quoten und Durchsschnittslöhne wie in England und USA zu Grunde, kommen die Ifo-Forscher auf diese "ungefährlichen" Mindestlähne in Deutschland. Tabelle: ifo Dresden

Legt man ähnliche Betroffenheits-Quoten und Durchsschnittslöhne wie in England und USA zu Grunde, kommen die Ifo-Forscher auf diese „ungefährlichen“ Mindestlähne in Deutschland. Tabelle: ifo Dresden

Ifo rechnet mit massivem Job-Verlusten

Zuvor hatte das Ifo-Institut bereits prognostiziert, dass durch den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro in Deutschland voraussichtlich rund 911.000 Jobs vernichtet werden. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Ifo: Mindestlohn wird in Deutschland Hunderttausende Jobs kosten – vor allem im Osten

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