Filme, Geschichte
Schreibe einen Kommentar

Bluray „300: Rise of an Empire“: Blut, Schweiß & Klischees

Sullivan Stapleton als athenischer Schlachtemeister Themistokles. Foto: Warner

Sullivan Stapleton als athenischer Schlachtemeister Themistokles. Foto: Warner

Zack Snyders neue Schlachteplatte macht Themistokles zum Überkrieger

Wer geglaubt hat, die antike Schlachteplatte an den Thermopylen sei auserzählt, nachdem das persische Millionenheer mit Leonidas den letzten der spartiatischen Superkrieger abgemurkste, hat sich geschnitten – und zwar gewaltig. „300“ war einfach zu umstritten und zu erfolgreich, als dass Hollywood auf eine Fortsetzung hätte verzichten können. Und eben dies haben dann Zack Snyder und Konsorten mit „300: Rise of an Empire“ auch tatsächlich getan. Darin wird Gewalt mindestens ebenso gekonnt bis zur Absurdität gesteigert und stilisiert, sprudeln die Blutfontänen noch lustiger aus abgehackten Armen, Beinen und Köpfen, wird wieder in feinster Riefenstahl-Tradition der Triumph des freien, aber gehörig muskelumpackten Willens gefeiert. Doch hatte „300“ auf seine ganz eigene Art wie aus einem Guss gewirkt, will die 2.0er Version irgendwie nicht so recht funktionieren.

Diesmal sind die Athener die Super-Arier

Das liegt vor allem an der Inkonsequenz der Drehbuch-Autoren: Obwohl 300 & Co. ohnehin mit der tatsächlichen Geschichte kaum mehr als ein Grundgerüst gemein haben und ein stark verzerrtes, teils enorm idealisiertes Bild von „bösen“, „tyrannischen“ Persern und „heroischen“, „freiheitsliebenden“ West-Ariern – pardon: Hellenen – zeichnen, haben sich die Macher diesmal ausgerechnet für eine Themistokles-Story entschieden.

Werbevideo (Englisch, Warner):

Unentschlossenes Hin und Her

Zur Erinnerung: Während Leonidas mit seinen 300 Spartiaten den Pass an den Thermopylen im Jahre 480 v. u. Z. ein weit überlegenes Perserheer ein paar Tage aufhielt, verkroch sich der echte Themistokles in Athen, errang zwar einen Seesieg gegen die Perser, kollaborierte aber später mit dem „Erzfeind“. Im Film nun stilisieren Snyder & Co. diesen raffinierten Politiker (Sullivan Stapleton, „Gangster Squad“) zu einem Überkämpfer, können sich aber doch nicht dazu durchringen, „echte“ Geschichte um der Stringenz willen lieber gleich ganz über Bord zu werfen. Und so schwankt „300: Rise of an Empire“ ständig zwischen Brutalo-Muskel-Stahl- und Schweiß-Ästhetik auf der einen Seite und langatmigen Erklärungen auf der anderen – was dem Film überhaupt nicht bekommt. Sehr schön – wenngleich auch völlig realitätsfern – in Szene gesetzt wird immerhin Eva Green („Dark Shadows„) als Themistokles’ laszive Endmonster-Gegnerin Artemisia, die allerdings zwischendurch etwas arg mit Augen rollt, um nur ja schön böse zu gucken.

Wenn gerade nicht nackig, zerhäckselt Artemisia (Eva Green) gern in schicker Rüstung ihre Feinde. Foto: Warner

Wenn gerade nicht nackig, zerhäckselt Artemisia (Eva Green) gern in schicker Rüstung ihre Feinde. Foto: Warner

Erschienen ist die „300“-Fortsetzung heute fürs Heimkino, wobei hier vor allem die Bluray-Fassung zu empfehlen ist: Zum Einen kommt der spezielle optische Stil des Antik-Gemetzels bei höherer Auflösung einfach besser zur Geltung, zum Anderen ist die Scheibe auch mit allerlei Bonusmaterial vollgepackt, darunter Interviews mit Schauspielern und Machern sowie Dokus über die Seeschlachten.

Foto: Warner

Foto: Warner

Fazit: Stilistisch top, erzählerisch mau

Natürlich könnte man hier all dies wiederholen, was schon für und gegen „300“ gesagt worden ist: ein geschichtsverzerrendes Machwerk mit leicht faschistoiden Zügen und extremer Brutalität, das dennoch oder gerade deshalb mit seiner ganz eigenen Stilistik (männliche) Zuschauer in seinen Bann zu schlagen versteht. Während die einfache und geradlinige Leonidas-Geschichte des ersten Teils aber für sich funktionierte, zerfasert „Rise of an Empire“ zu sehr. Ein Hingucker? Ja. Überzeugend? Nein. Autor: Heiko Weckbrodt

„300: Rise of an Empire“ (Warner), Antik-Gemetzel, USA 2014, Regie: Noam Murro, mit Eva Green, Sullivan Stapleton und Lena Headey, 102 Minuten, FSK 18, DVD zehn Euro, Bluray 13 Euro

 

Zum Weiterlesen:

Rezension „Olympus has fallen“

Die Thermopylen stinken

Sparta: Wir sind 300

DVD „Die Tribute von Panem“: Opulent inszeniertes Kindersterben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.