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Finstere Schergen und Robocop-Vopos

Junge Sprayer haben im Zuge einer digitalen Schatzsuche in Stasi-Akten ein Graffiti auf eine Drewag-Garage an der wiener Straße in Dresden gesprüht. Die dunklen Stasi-Schwergen in der Mitte wurden übrigens von "NDK" gestaltet. Foto: Heiko Weckbrodt

Junge Sprayer haben im Zuge einer digitalen Schatzsuche in Stasi-Akten ein Graffiti auf eine Drewag-Garage an der wiener Straße in Dresden gesprüht. Die dunklen Stasi-Schergen in der Mitte wurden übrigens von Andy K. gestaltet. Foto: Heiko Weckbrodt

Digitale Schatzsuche in der Vergangenheit: Junge Dresdner sprühen Freiheits-Graffiti auf Drewag-Garage

Dresden, 29. Juli 2014: Im Rückblick sind die Stasi-Schergen von 1989 zu schwarzen Greifern mutiert. Die Volkspolizisten, die Demonstranten vor dem Hauptbahnhof verhaften, ähneln „Robocops“ aus dystopischen Filmen, Darüber fordern fette bunte Lettern: „Mut zur Freiheit“. Die „Untold Stories“, also „unerzählten“ und vergessenen Geschichten der Wende-Zeit, die da neun junge Dresdner und ein Sprayer-Veteran nun als großformatiges Graffiti verarbeitet haben, spiegeln eine ganz eigene Perspektive auf den Wendeherbst vor 25 Jahren. Und das ist auch Absicht: Das neue Wandbild an einer Drewag-Garage an der Wiener Straße ist kein spontanes Graffiti, sondern auf Initiative der Stasi-Unterlagenbehörde BStU entstanden.

Aktion „Untold Stories“

BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber zeigt die Stasi-LP "Unser Singen muss ein Kämpfen sein". Foto: Heiko Weckbrodt

Konrad Felber. Foto: Heiko Weckbrodt

„Wir wollen Jugendliche animieren, sich künstlerisch mit der DDR-Vergangenheit auseinanderzusetzen und sie für den Gedanken interessieren, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist, sondern etwas, für das man sich täglich einsetzen muss“, erklärte BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber das Anliegen der Aktion „Untold Stories“.

Vergessene Geschichten aus den Stasi-Akten

Im Zuge des sachsenweiten Projektes lässt die Behörde die Jugendlichen in ganz besonderen Stasi-Akten blättern. In denen nämlich verstecken sich kleine Geschichten am Rande der „großen“ Wende, die fast schon in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehört zum Beispiel eine Demo auf der Dresdner Fetscherstraße. Das Trommeln junger Aktivisten in der Kreuzkirche gegen das Massaker 1989 in Peking. Oder eben kleine Beobachtungen am Hauptbahnhof aus jenen Tagen, in denen die Botschaftsflüchtlinge aus Prag über Dresden gen Westen fuhren – und die Staatsmacht mit nackter Gewalt gegen jene vorging, die auf die Fluchtzüge aufzuspringen versuchten.

Auch Graffiti-Veteran NDK sprühte mit

„Die Jugendlichen haben zuallererst eine Chance gesehen, ein Graffiti zu sprühen“, erzählt Koordinatorin Ellen Demnitz-Schmidt vom Dresdner Jugendverein „Spike“. „Aber als sie erstmal in den Akten geblättert hatten, haben sie sich auch für die Geschehnisse damals interessiert.“ Daraus entstand das neue Wandbild an der Ecke Wiener und Andreas-Schubert-Straße, an dem auch der Dresdner Graffiti-Veteran Andy K. („Bandits„) mitsprühte. Andere Jugendliche formen aus den „Untold Stories“ einen Comic, wieder andere Rap-Songs.

Parallel dazu vergraben die BStU-Archivare nun Digitalkapseln mit Geschichten aus den Akten, die ab 10. Oktober von jungen GPS-Schatzjägern („Geo Cacher“) aufgespürt werden können. Einmal über das Prinzip aufgeklärt, zeigte sich auch BStU-Außenstellerleiter Felber angetan von dieser modernen Art der Schatzsuche mit dem Computertelefon. „Früher ging man skaten, heute geht man eben Cachen“, murmelte er. Autor: Heiko Weckbrodt

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