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Nothelfer wird Dresdens Chipbotschafter in den USA

Udo Nothelfer. Foto: Silicon Saxony

Udo Nothelfer. Foto: Silicon Saxony

Physiker soll Sachsen vor allem in die 450-mm-Wafer-Projekte der Amerikaner schmuggeln

Dresden, 28. Mai 2014: Die Dresdner Mikroelektroniker werden den ehemaligen Dresdner Globalfoundries-Chef Dr. Udo Nothelfer als ständigen Chip-Botschafter nach Albany bei New York entsenden. Der Physiker soll sein Domizil auf dem Campus des „College of Nanoscale Science and Engineering“ (SNSE) nahe den Chipfabriken und Instituten von Globalfoundries, IBM und anderen Elektronikgrößen aufschlagen und gemeinsame Forschungsprojekte der Sachsen und der Amerikaner anschieben.

„Silicon Saxony“ und Land teilen sich in Kosten

Der Hightech-Verband „Silicon Saxony“, der sich mit dem Wirtschaftsministerium in die Botschafter-Kosten hineinteilt, will mit Nothelfers Hilfe nicht zuletzt verhindern, dass Dresden von der 450-Millimeter-Wafertechnologie abgekoppelt wird. Denn es zeichnet sich immer mehr ab, dass diese größeren, produktiveren Siliziumscheiben für die Chipproduktion vor allem in den USA, Taiwan, Belgien und in Frankreich entwickelt werden, statt in Dresden, wie es noch beim Umstieg auf die 300-mm-Wafer der Fall gewesen war.

Minister sieht kaum Chance für 450-mm-Chipwerk in Dresden

Eine Fraunhofer-Mitarbeiterin zeigt im Reinraum einen 300-mm-Wafer (l.) und eine 450er Scheibe im Vergleich. Abb.: Fraunhofer IISB

Eine Fraunhofer-Mitarbeiterin zeigt im Reinraum einen 300-mm-Wafer (r.) und eine 450er Scheibe im Vergleich. Abb.: Fraunhofer IISB

Der sächsische Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) dringt inzwischen darauf, sich beim Kampf um die EU-Fördermilliarden des neuen „ECSEL“-Programms auf „intelligente“ Spezialchips zu konzentrieren. Dies soll Dresdens Chancen zu verbessern, im innereuropäischen Verteilkampf überhaupt zum Zuge zu kommen. Das bedeutet aber auch, dass Sachsen wohl alle Chancen auf das erste 450-mm-Chipwerk in Europa weitgehend preisgibt.

450er Projekte sollen Dresdner 300-mm-Fabs produktiver machen

Damit die bisherigen Vorleistungen Dresdner Firmen und Institute an dieser Technologie nicht für die Katz waren, soll Chip-Sonderbotschafter Nothelfer fortan in Albany neben anderen Forschungskooperationen ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Sachsen in die großen 450-mm-Verbundprojekte der Amerikaner hineinzukommen. Zudem rechnet „Silicon Saxony“ damit, dass diese Projekte auch zu Produktivitätssteigerungen in den 300-mm-Chipwerken in Dresden führen könnten.

Weitere Kooperationen mit Belgiern geplant

Land und Verband rechnen mit Startkosten von 170.000 Euro für den Botschafter, wobei auch erwartet wird, dass die Amerikaner im Gegenzug einen eigenen Technologie-Botschafter nach Dresden entsenden werden. Der Nothelfer-Einsatz geht auf eine Grundsatz-Vereinbarung zurück, die Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei einem US-Besuch ausgehandelt hatte. Eine ähnliche Kooperation planen die Sachsen mit dem belgischen Elektronik-Großforschungszentrum „IMEC“ – in diesem Falle steht sogar die Gründung einer Instituts-Außenstelle zur Debatte.

Nothelfer war auch Dresdner Glofo-Chef

Nothelfer selbst hat jahrzehntelange Erfahrungen in der Mikroelektronik: Er hatte zunächst in Ulm Physik studiert, dann Elektronik in Braunschweig, war bei AMD, Infineon und Carl Zeiss tätig und von 2009 bis 2011 Chef von Globalfoundries Dresden. Derzeit leitet er ein Technologie-Beratungsunternehmen. Autor: Heiko Weckbrodt

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