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„All Is Lost“: Ein schweigsam-faszinierendes Schiffbruch-Drama

Robert Redfort als namenloser Seemann, der mitten im Indischen Ozean ums Überleben kämpft. Foto: Universum

Robert Redfort als namenloser Seemann, der mitten im Indischen Ozean ums Überleben kämpft. Foto: Universum

Robert Redford zeigt als Ein-Mann-Show, wie ein Kammerspiel auf dem Ozean funktioniert

Rumms. Der Mann wacht in seinem Segelboot inmitten des Indischen Ozeans auf. Ein Überseeschiff hat weißgottwann einen Container voller Sportschuhe verloren und der hat nun ein Leck in seine Ein-Mann-Jacht gerammt. Die folgenden acht See-Tage beziehungsweise 101 Filmminuten sind ein schweigsamer, verbissener Kampf ums Überleben gegen die tobenden Naturgewalten.

Hemnigways alter Mann lässt grüßen

Dass dieses eher spartanische Sujet, das etwas an Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ erinnert, so klasse funktioniert, liegt am einzigen Schauspieler in diesem maritimen Drama: An Robert Redford („Die drei Tage des Condors“, „Die Akte Grant“) hatte Autor und Regisseur J. C. Chandor schon gedacht, als er das Drehbuch für „All Is Lost“ schrieb. Und dadurch passt hier einfach alles zusammen: Die Nahaufnahmen auf einen ehemaligen Hollywood-Beau, dessen Gesicht in 77 Jahren zu einem magischen Steinbruch verwittert ist, die wundschönen und edel komponierten Gegenschnitte zur Unterwasser-Kamera, der reduzierte Sound…

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Und die Automaten-Schiffe ziehen weiter…

Und all dies braucht keine einzige Dialogzeile. Redfords Leinwand-Präsenz und mimisches Können reichen aus, alles zu sagen. Das Ringen des namenlosen Seemanns um einen Plan, um Besonnenheit, sein Kampf gegen Angst und Verzweifelung – mehr als ein lautes „Fuck“ mitten im Film hört man kaum ein Wort. Für das heutige Schwatzmaul-Kino aus Hollywood sonst undenkbar. Und ganz nebenbei sehen wir auch die Schattenseiten des modernen Welthandels: So sehr sich auch der Namenlose müht, einen der vorbeiziehenden Container-Riesen auf sich aufmerksam zu machen, als er endlich eine Schifffahrtsroute erreicht hat: Die hochautomatisierten Ozeanlaster ziehen weiter.

Komposition mit faszinierenden Unterwasser-Bildern

Erschienen ist das schweigsame, nichtsdestotrotz faszinierende Drama nun fürs Heimkino samt über anderthalb Stunden Bonusmaterial, in dem Redford, Chandor und andere aus der Crew über das Konzept, die Unterwasseraufnahmen und dergleichen mehr plaudern. Hervorzuheben ist auch die hohe Bildqualität, die angesichts der vielen Nahaufnahmen auf den einzigen Akteur ein ganz eigenes Stilmittel ist.

Foto: Universum

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Fazit: lapidar und fesselnd

Ein für das jüngere US-Kino ungewöhnlicher, toller Film, der Redford auf den Leib geschnitten wurde – was in diesem Fall auch funktioniert hat. „All Is Lost“ zeigt einmal mehr, dass echtes filmisches Handwerk keine Quasselei bis zum Erbrechen braucht. Autor: Heiko Weckbrodt

„All Is Lost“ (Universum), Schriffbruch-Drama, USA 2013 (DVD 2014), Regie: J. C. Chandor, mit Robert Redford, 101 Minuten plus 98 Minuten Bonusmaterial, FSK 12, DVD 13 Euro, Bluray 15 Euro

1 Kommentare

  1. Ich muss leider ehrlich sagen, dass ich von „All is lost“ viel mehr erwartet habe. Gut, man hat Robert Redford in mit einer absolut genialen Leistung gesehen aber das Ende? Das fand ich doch wirklich unpassend und hatte mir das wesentlich konsequenter gewünscht.

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