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Vor 25 Jahren fälschte die SED die DDR-Kommunalwahlen

Auszählung der Stimmen im Mai 1989. Foto: Bundesarchiv

Auszählung der Stimmen im Mai 1989. Foto: Bundesarchiv

Tagung in Dresden stellt Forschungsstand vor

Dresden, 22. Mai 204: Vor 25 Jahren rief die Staatspartei SED das Volk wieder einmal an die Wahlurnen und alles sollte wie immer ablaufen: Zustimmungsquoten um die 99,9 Prozent für die Kandidaten der kommunistisch dominierten „Nationalen Front“ in den Kommunen. Doch am, 7. Mai 1989 lief die Farce nicht so glatt ab wie gewohnt. Ermutigt durch Gorbatschows Perestroika-Kurs, den KSZE-Prozess und andere Entwicklungen schauten Bürgerrechtlern bei den Auszählungen am Wahlabend zu, notierten, addierten – und kamen am Ende auf ganz andere Werte als von den Staatsmedien verkündet, wiesen erstmals die Wahlfälschungen in der DDR nach. Nach Einschätzung vieler Zeithistoriker bereitete dieser Eklat mit den Boden für die friedliche Revolution wenige Monate später.

„Alles muß demokratisch aussehen…“

Wer den neuesten Forschungsstand dazu erfahren will, hat morgen dazu in der sächsischen Landeszentrale für politische Bildung in der Schützenhofstraße 35 in Dresden Gelegenheit dazu: In der öffentlichen Tagung „Es muß alles demokratisch aussehen…“ gehen zwischen 9.30 und 16 Uhr dort Wissenschaftler und Zeitzeugen den Ereignissen von damals nach und zeigen deren Bedeutung für die Gegenwart. Das namensgebende Zitat der Tagung wird übrigens von Zeitzeugen dem früheren SED-Chef Walter Ulbricht zugeschrieben. Erhoben wird für die Veranstaltung eine Teilnahmegebühr von fünf Euro.

Bürger „störten“ aus Stasi-Sicht öffentliche Ordnung

„Bei der Kommunalwahl 1989 zeigten viele DDR-Bürger erstmals offen ihren Unmut“, heißt es in der Einladung der Landeszentrale. „Sie verfassten Eingaben, schickten ihre Wahlbenachrichtigung zurück oder ,störten’ die öffentliche Ordnung am Wahltag. Die Staatssicherheit versuchte, die ,Ordnung’ aufrecht zu erhalten – ohne Erfolg.“

Fälschungen von unten nach oben

Wie sich bei späteren Prozesse gegen SED-Chargen nach der Wende zeigte, geschahen die Fälschungen über ein abgestuftes System – wie oft bei der „Planerfüllung“ in den DDR-Betrieben von unten nach oben: Die Auszählungen in den Wahllokalen waren noch in der Regel korrekt, auf Kreis- und Bezirksebene wurden dann immer mehr „Korrekturen“ vorgenommen bis hoch an die SED-Spitze. Der Wahlkommissions-Vorsitzende und Honecker-„Kronprinz“ Egon Krenz vermeldete schließlich im DDR-Fernsehen eine Zustimmungsquote von 98,77 Prozent – die inoffiziellen Wahlbeobachter waren hingegen bei ihren Stichproben auf weit niedrigere Ergebnisse gekommen. Autor: Heiko Weckbrodt

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