News, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik
Schreibe einen Kommentar

Dresdner Industrie schwächelt

Foto: Arne Vollstedt, IHK

Foto: Arne Vollstedt, IHK

1,4 Prozent weniger Umsatz – nun hoffen die Firmen auf den Aufschwung

Dresden, 10. Mai 2014: 2013 war für die Dresdner Industrie ein schwaches Jahr: Sie setzte im vergangenen Jahr nur noch 6,4 Milliarden Euro um, also 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit setzte sie ihren leichten Abwärtstrend fort: Bereits 2012 waren die Dresdner Industrieumsätze um 4,7 Prozent gefallen. Das geht aus Erhebungen des sächsischen Landesamtes für Statistik in Kamenz hervor.

Exportkraft verbessert, aber schwache Binnennachfrage

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Grafik: hw

Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Grafik: hw

Verantwortlich für den Abschwung waren anscheinend die Investitionszurückhaltung im Zuge der Euro-Krise und der schwächelnden Weltwirtschaft, aber wohl vor allem zu wenig Nachfrage aus dem Inland. Dass eher eine schlechte Binnennachfrage am Minus schuld ist, darauf deutet insbesondere die Exportquote der Dresdner hin. Die nämlich ist in den vergangenen Jahren sogar gestiegen: Verkauften die Dresdner Industriebetriebe 2009 – also während der Chip- und Weltwirtschaftskrise – „nur“ 42,2 Prozent ihrer Waren und Leistungen im Ausland, waren es 2012 schon 50,9 Prozent und 2013 sogar 52,7 Prozent. Das ist für ostdeutsche Verhältnisse ein Spitzenwert und ein sicherer Indikator dafür, dass sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der  hiesigen Fabriken noch verbessert hat.

Solakrise drückte Wirtschaftsleistung

Allerdings ist wohl gerade die Konzentration auf neue Technologiefelder mitverantwortlich für den schwächelnden Umsatz: Im Zuge der Solarkrise gingen einige Photovoltaik-Firmen in Dresden pleite, andere – wie etwa der Solarmodulhersteller „Solarwatt“ – mussten herbe Einbußen verkraften. Die Diskussion um ein Ende der Ökostrom-Förderung senkte aber nicht nur im Solarsektor die Investitionsbereitschaft, sondern auch unter den Windpark-Installateuren und -Betreibern, was wiederum Schlüsselzulieferer wie das Sachsenwerk zu spüren bekamen. Aber auch einige Unternehmen aus eher klassischen Branchen wie etwa die Backwarenfabrik von „Dr. Quendt“ kämpften mit einem schwierigen Marktumfeld.

Große Chipfabriken werden bei Müttern abgerechnet

Nach der Wende siedelten sich große Halbleiterunternehmen wie Infineon (hier ein Blick in den Dresdner Reinraum) und AMD in Dresden an. Abb.: Infineon

Abb.: Infineon

Die summierten Umsatzzahlen für die gesamte Dresdner Industrie dürfen indes nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschäftsentwicklung zwischen den Branchen und Betrieben sehr unterschiedlich war. Die Dresdner Chipwerke von Infineon zum Beispiel waren im vergangenen Jahr „voll ausgelastet, die Kapazitäten wurden seit 2009 um 40 Prozent erweitert“, wie Standort-Sprecherin Diana Heuer betonte. Aber: Weil die Dresdner Fabriken keine eigene Umsätze abrechnen, fließen diese in die konzernweiten Zahlen in Bayern ein und werden in den sächsischen Statistiken nicht berücksichtigt. Ähnliches gilt für das Groß-Chipwerk von Globalfoundries (GF) in Dresden, dessen Umsätze bei der amerikanischen Mutter abgerechnet werden. „Wir waren 2013 gut ausgelastet“, sagte GF-Standortsprecherin Karin Raths.

Auch für den Sondermaschinen-Hersteller „Xenon“ beispielsweise verlief das Jahr 2013 sogar ausgesprochen gut: Der Umsatz stieg um 15 Prozent auf rund 21 Millionen Euro. „Wir haben Kunden wie Bosch und Continental für größere Projekte gewinnen können“, erklärt sich das Geschäftsführer Hartmut Freitag. Vor allem aus der Automobilindustrie habe es eine große Nachfrage für die Spezialanfertigungen der Dresdner gegeben, aber auch von regionalen Mittelständlern. Zudem vergrößerte sich die Belegschaft von 147 (2012) auf 168 Mitarbeiter.

Trotz Umsatzminus mehr Jobs

Und gerade mit Blick auf Personal und perspektivischen Fachkräftebedarf agiert die Dresdner Industrie inzwischen sehr vorausschauend: Trotz teils sinkender Umsätze haben die Unternehmen auf Massenentlassungen verzichtet, sondern ihre Belegschaften eher ausgebaut: Waren im Jahr 2011 rund 26.100 Beschäftigte in der Dresdner Industrie tätig (erfasst werden vom Landesamt hier nur Betriebe ab 20 Mitarbeitern aufwärts), waren es im Folgejahr etwa 26.500 und 2013 genau 27.155. Denn Wirtschaftsforscher wie Konjunkturumfragen der Wirtschaftskammern deuten darauf hin, dass in diesem Jahr mit einem Aufschwung zu rechnen ist – die Auftragsbücher in der Industrie füllen sich bereits. Autor: Heiko Weckbrodt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.