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„Neumodischer Kram“ aus Sicht eines Seniors

Unser Autor Peter Weckbrodt - er nutzt z. B. auch Skype, um mit seinen Enklen zu videotelefonieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Unser Autor Peter Weckbrodt – er nutzt z. B. auch Skype, um mit seinen Enklen zu videotelefonieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Computer und eReader nützlich – Smartphone: na ja

Dresden, 27. April 2014: Für einen Senior wie mich ist der Umgang mit dem „neumodischen Kram“, beispielsweise Computer, Handy, E-Reader und Smartphone, für den täglichen Umgang nicht unbedingt erste Wahl. In der Werteskala ganz oben findet sich auch bei mir vielmehr Alles, was mit Gesundheit, Mobilität und geistiger Frische in einem direkten Zusammenhang steht. Allerdings benutze ich speziell den Computer schon seit Jahren mit ziemlicher Selbstverständlichkeit. Ich kenne nicht alle seine Geheimnisse, komme aber doch so gut damit zurecht, dass der Begriff „unentbehrlich“ inzwischen nicht zu weit hergeholt ist.

Weil vorteilhaft für die Deckung des Kommunikationsbedürfnisses in allen Lebenslagen, konnte auch das Handy bei mir, wie bei vielen Alten, punkten. Mit dem Smartphone ist das, doch deutlich anders. Ich bin sicher, dass es von Meinesgleichen mehrheitlich als durchaus verzichtbar angesehen wird. Ich sehe kaum ältere Menschen damit umgehen. Nun habe ich ein Galaxy – der Weihnachtsmann war davon überzeugt, dass ich auch eines gut gebrauchen kann.

Smartphone-Tipperei allerorten entsetzlich

Das Smartphone wird von uns Alten recht skeptisch wahrgenommen: Der stete, absolut selbstverständliche und offensichtlich völlig problemlose Umgang der jüngeren Generationen mit dem Smartphone stimuliert keineswegs Neugierde, gar das Bedürfnis, es gleich zu tun. Im Gegenteil! Die tägliche Beobachtung junger Leute in den Verkehrsmitteln, in Gaststätten, auf öffentlichen Plätzen und Wegen schreckt eher ab, entsetzt geradezu. Das ist ein praktisch pausenloses Tippen, Lesen und Lauschen. Da bleibt kein Blick für das Ringsherum, kein Spur von Interesse für das Umfeld und die sich darin bewegenden Menschen. Fragt sich, ob Tages- und Jahreszeiten, Verkehrszeichen, selbst rote Ampeln, noch bewusst wahrgenommen werden. Das tue ich mir und meinen Mitmenschen nicht an, ist eine denkbare Reaktion bei den Älteren.

Ich selbst komme mit dem Smartphon leidlich zurecht. Viele Offerten auf dem Menü sind auch nach vier Monaten für mich noch immer Schall und Rauch. Das Schlimme ist, ich bin gar nicht so erpicht darauf zu erfahren, was dahinter steckt, welche ungeahnten Möglichkeiten sich bei deren Nutzung mir erschlössen.

Große Buchstaben im eReader für Senioren vorteilhaft

Mit Fingersteuerung: Der "Kindle Touch" wird nicht über Knöpfe, sondern die von Tablets bekannten Wisch- und Zoom-Gesten gesteuert. Abb.: Amazon

Kindle Touch. Abb.: Amazon

Einen E-Reader besitze ich auch. Das ist was für jede Altersgruppe, allerdings habe ich noch nie eine etwa gleichaltrige Person beim Umgang in der Öffentlichkeit beobachten können. Dabei ist der Reader recht praktisch und alterskonform. Er ist leicht, einfach zu bedienen und überall unterzubringen. Für miese Beleuchtungsverhältnisse gibt es als Extra eine Hülle mit Leselampe. Richtig gut ist die Möglichkeit, die Buchstabengröße individuell einstellen zu können. Das bietet kein anderes Buch, und ist gerade für ältere Menschen vorteilhaft.

Schlecht: Formatwirrwarr für eBooks

Ein richtiges Problem sind für mich die herstellerspeziellen Formate. Wer ein Kindle von Amazon hat, so wie ich, dem bleibt das stattliche Angebot der Städtischen Bibliotheken – für den Abo-Leser ansonsten ganz unentgeltlich zu haben – gesperrt. Vom Kindle aber erhalte ich nichts von Interesse umsonst. So wird die Intensität der Nutzung des E-Reader letztlich zur Frage, was ich mir leisen will und kann. Die Nimmermüden in Brüssel sollten sich des Standardisierungs-Problems mal annehmen.

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass ich Gleichaltrige kenne, die aktiv mit beiden Beinen im Leben stehen, aber auch ohne den genannten „Modernen Schnickschnack“ tadellos zurecht kommen. Auch ohne Handy und Computer lebt der alte Mensch nicht zwangsläufig hinter dem Mond! Autor: Peter Weckbrodt*

*Unser Gast-Autor Peter Weckbrodt ist 74 Jahre alt. Vor seiner Zeit als Rentner war er unter anderem Verkehrsingenieur, Dozent an der Ingenieurschule Dresden, Agitator und Reichsbahn-Aufsicht. Er lebt in Dresden und arbeitet heute als freier Mitarbeiter für die „Dresdner Neuesten Nachrichten.

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