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Dresdner Biotechnologe will aus Stammzellen Nervenschaltkreise herstellen

Die Neuronen-Netze im Gehirn geben der Wissenschaft immer noch unzählige Rätsel auf: Von einem Gesamtverständnis der komplexen Prozesse im menschlichen Gehirn sind die Forscher noch weit entfernt. Abb.: DARPA

Die Neuronen-Netze im Gehirn geben der Wissenschaft immer noch unzählige Rätsel auf: Von einem Gesamtverständnis der komplexen Prozesse im menschlichen Gehirn sind die Forscher noch weit entfernt. Abb.: DARPA

Projekt soll klären, wie Gehirn Informationen verarbeitet

Dresden, 10. April 2014: Der Biotechnologe Dr. Volker Busskamp will im „DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien Dresden“ (CRTD) eine Technik entwickeln, um aus ungeprägten Stammzellen schnell Nervenzellen zu machen und daraus dann menschliche Nervenschaltkreise herstellen. An denen möchte der 33-jährige Forscher dann im kleinen Modell von einigen zusammengeschalteten Neuronen versuchen herauszubekommen, wie das menschliche Gehirn eigentlich Informationen verarbeitet.

VW-Stiftung spendiert eine Million Euro

Dafür wird Dr. Busskamp, der im September aus den USA nach Dresden wechselt, am CRTD eine Nachwuchsforschergruppe aufbauen, teilte das Zentrum mit. Die Volkswagen-Stiftung unterstützt das Projekt mit einer Million Euro.

Forscher hofft in Dresden auf Neurotherapien

Letztlich hofft der Forscher, dass sein Projekt auch zu konkreten Therapien für Menschen mit neurodegenerativen Krankheiten führen – an der Uni Havard hatte er sich zuletzt unter anderem mit einer seltenen neurologischen Augenkrankheit beschäftigt. Dies sei auch ein Grund, warum er nach Dresden wechseln wolle: „Am CRTD sehe ich sehr gute Forschungsbedingungen, gerade mit Blick auf eine therapeutische Nutzung“, sagte er auf Oiger-Anfrage in den USA.

Menschenversuche tabu – also wird im Reagenzglas geschaltet

Dr. Volker Busskamp, Foto: privat

Dr. Volker Busskamp, Foto: privat

In den USA hat er laut eigenen Angaben ein Verfahren entwickelt, Stammzellen besonders schnell in Nervenzellen umzuwandeln. „Am Menschen oder in Tierversuchen können wir die Informationsverarbeitung im Gehirn bisher kaum überprüfen – aus ethischen Gründen als auch, weil da immer gleich Millionen von Nervenzellen zusammenwirken“, erklärte Busskamp. Mit seinem Verfahren könne er hingegen Schaltkreise aus zunächst zwei, später auch mehr Neuronen zusammengeschalten, um damit im Reagenzglas zu überprüfen, wie das menschliche Hirn Informationen verarbeitet. „Viele stellen sich das Hirn ja wie einen biologischen Computer vor, das ähnlich wie ein Computerchip mit Nullen und Einsen arbeitet“, meint der Biotechnologe. „Auch das ist zu untersuchen.“

Verwandte erschnüffeln und Jounrnalisten-Computer: Insgesamt 8,2 Millionen Euro für Freigeister

Das Stipendium für Busskamp ist Teil des „Freigeist“-Förderprogramms, in dessen Zuge die VW-Stiftung in der aktuellen Runde rund 8,2 Millionen Euro an elf Wissenschaftler mit „außergewöhnlichen Forschungsansätzen“ ausschüttet. Zu diesen Projekten gehören beispielsweise Untersuchungen, wie Menschen unterbewusst Verwandte „erschnüffeln“, ob Computer Journalisten ersetzen können und wie schlau Krähen sind. Autor: Heiko Weckbrodt

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