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Spannende Chips fürs Auto

Tobias Hoene testet im DMS-Labor aus, ob die Chips richtig funktionieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Tobias Hoene testet im DMS-Labor aus, ob die Chips richtig funktionieren. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdner DMOS-Designer entwerfen Hochvolt-Schaltkreise, die was wegstecken können

Dresden, 9. April 2014: Wer irgendwo rund um den Erdball einen Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen startet, verlässt sich dabei mit einiger Sicherheit auf Chips, die in Dresden entworfen wurden. Und da ist nicht nur die Rede von den großen Infineon-Halbleiterfabriken in Klotzsche, deren Schaltkreise in zahlreichen Automobilen weltweit eingebaut werden, sondern auch von den „geheimen Champions“, die in Dresden aus den Wurzeln der DDR-Mikroelektronikindustrie gewachsen sind. Einer davon ist die „DMOS GmbH“, die von ehemaligen ZMD-Schaltkreisexperten gegründet wurde und sich auf ganz besondere Chips spezialisiert hat: elektronische Bauelemente, die digitale wie analoge Signale verarbeiten („Mixed Signal“) und auch hohe Spannungen aushalten.

Resistent gegen EM-Felder und Entladungen

Die DMOS-Chefs Mario Reichel (links) und Holger Jung zeigen einen mehrfach vergrößerten Schaltkreis-Entwurf und einen Wafer mit Hunderten fertiger Chips. Foto: Heiko Weckbrodt

Die DMOS-Chefs Mario Reichel (links) und Holger Jung zeigen einen mehrfach vergrößerten Schaltkreis-Entwurf und einen Wafer mit Hunderten fertiger Chips. Foto: Heiko Weckbrodt

Und um diese „Highvolt“-Chips zu entwerfen, bedarf es ganz besonderer Erfahrung, wie die DMOS-Chefs Mario Reichel und Holger Jung betonen: Die Schaltkreise müssen zum Beispiel starke elektromagnetische Felder vertragen und elektrostatische Entladungen wegstecken können und absolut sicher funktionieren, wenn sie in Autos eingesetzt werden sollen. Der Chipdesigner darf sich da nicht vertun, denn es hängen später Menschenleben daran, dass das ABS-Bremssystem, die Datenleitungen und dergleichen auch bei einem Unfall noch richtig schalten. „Dazu braucht man ein tiefes Verständnis und Wissen um Schaltkreisentwurf und physikalische Phänomene“, betont Reichel.

Erfahrungen schon zu DDR-Zeiten gesammelt

Und gesammelt haben die DMOS-Experten solche Erfahrungen über Jahrzehnte hinweg. Denn gegründet wurde das Unternehmen in seiner heutigen Form zwar erst im August 2002. Doch das Startteam hatte da bereits viele Erfahrungen erst in der DDR-Mikroelektronik und nach der Wende bei international agierenden Elektronikunternehmen gesammelt. Jung zum Beispiel war im DDR-Forschungszentrum für Mikroelektronik, dem ZFTM (später: ZMD) für den Entwurf von „Mixed Signal“- und anwendungsspezifischen Schaltkreisen (ASICs) zuständig. Und die heutigen Kunden – vorneweg der Hauptpartner und Mehrheitseigner Elmos Dortmund – vertrauen dem Knowhow der Dresdner, verbauen deren Schaltkreisentwürfe in Elektronikmodulen für zahlreiche europäische und inzwischen auch asiatische Automobilhersteller.

Steuerelektronik steigert Solarausbeute um ein Fünftel

DMOS-Ingenieur Jörg Krupar an einem Messplatz für Motorsteuerungen. Foto: Heiko Weckbrodt

DMOS-Ingenieur Jörg Krupar an einem Messplatz für Motorsteuerungen. Foto: Heiko Weckbrodt

Dies hat auch für Wachstum gesorgt: Im Flutsommer 2002 mit 14 Mitarbeitern im Dresdner Norden gegründet, wurde es für DMOS bald zu eng an der Tannenstraße. 2008 zog das Unternehmen in einen eigenen neuen Firmensitz an der Bergstraße hinter dem Hauptbahnhof um. Inzwischen sind neben dem Auftragsentwurf von Chips auch eigene Produkte hinzugekommen, zum Beispiel Steuerelektronik für Solarmodule, die deren Energieausbeute um bis ein Fünftel steigern.

Weiterer Personalausbau geplant

Seit der Gründung haben sich die Umsätze auf zuletzt 4,7 Millionen Euro fast verdreifacht. In zwei bis drei Jahren wolle man die Fünf-Millionen-Marke knacken, sagte Reichel. Dies werde auch für neue Jobs sorgen und nicht zuletzt deshalb beteilige sich DMOS auch an der Industrienacht im Juni.

Blick in die Labore zur Industrienacht

„Wir werden den Besuchern zunächst etwas über den Halbleiter-Standort Dresden erzählen, dann können sie unsere Labore besuchen, mit unseren Anlagen experimentieren, Elektromotoren steuern und so weiter“, kündigte Projektverantwortlicher Marco Götz an. „Wir hoffen, dass durch die Industrienacht junge Leute Feuer für die Mikroelektronik fangen – und vielleicht beginnt der eine oder andere Diplomand ja später mal bei uns seine Karriere.“ Autor:  Heiko Weckbrodt

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