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Blinder Dresdner schreibt Bibliotheks-App für Blinde

Die Blibu-App für die Blindenbücherei. BSF: visorApps

Die Blibu-App für die Blindenbücherei. BSF: visorApps

Dresden/Hamburg 2. April 2014: Damit Sehschwache künftig einfacher und vor allem auch unterwegs Braille-Bücher und Hörbücher ausleihen können, hat der blinde Dresdner Programmierer Dr. Jan Blüher eine Blindenbücherei-App entwickelt. Dank dieses kostenlosen iPhone-Miniprogramms „Blibu“ müssen Nutzer der Blindenbücherei künftig nicht mehr zum Telefon greifen oder Bestell-E-Mails verfassen, sondern kommen nun schnell per Fingertipp an die Medien heran – ähnlich, wie es für „Sehende“ mit Apps wie „Onleihe“ schon längst als Standard gilt.

Ausleihe in Blindenbücherei früher recht umständlich

„Anfangs konnte man Medien in der Blindenbücherei nur schriftlich oder per Telefon bestellen“, erzählt der 37-Jährige, der selbst in seinem 20. Lebensjahr das Augenlicht verloren hatte. „Vor etwa zehn Jahren kamen dann Windows- und Mac-Programme, mit denen man die Kataloge elektronisch durchsuchen konnte – aber dann musste man doch wieder eine E-Mail schreiben oder den klassischen Bestellweg gehen.“

App setzt Apples Blindentechnik „VoiceOver“ ein

Jan Blüher. Foto: visorApp

Jan Blüher. Foto: visorApp

Blühers App lässt nun gleich die Bestellung per Fingergeste aus dem Katalog heraus zu und verbessert auch sonst den Komfort für Sehschwache und Blinde. Der Dresdner setzte dazu die „VoiceOver“-Technologie ein, die Apple in seine iPhones integriert hat: Ist diese Option aktiviert, liest das Telefon dem Nutzer alle Schaltflächen, die gerade auf dem Bildschirm verfügbar sind, vor und hilft bei der Finger-Navigation. Das App-Grundkonzept gefiel der Blindenbücherei so gut, dass sie es nun auch in ihre Windows- und Mac-Programme übernommen hat, erzählt Blüher.

Bücherei wurde durch Farb-App auf blinden Programmierer aufmerksam

Auf den Dresdner aufmerksam geworden waren die „Norddeutsche Blindenhörbücherei“ und die „Stiftung Centralbibliothek für Blinde“ in Hamburg durch Blühers andere Apps wie den „Colorvisor“, der Sehschwachen Farbnuancen vertont, oder das iPhone Spiel „MouseKick“, das für Blinde wie Nichtblinde gedacht ist. „Barrierefreie, also grenzenlose Apps sind Dr. Blühers Spezialität. So passten wir optimal zusammen“, sagte Blindenhörbücherei-Chefin Elke Dittmer, die die neue App bei dem Dresdner in Auftrag gegeben hatte.

Blüher: Apps ändern die Welt für Blinde stärker als für Sehende

„Barrierefreie Apps ermöglichen Blinden und Sehbehinderten den einfachen, schnellen und effizienten Zugriff auf viele Informationen in völlig neuer Art und Weise“, betonte Blüher..“ Das Potenzial für uns Blinde ist durch diese neuen und vielfältigen Möglichkeiten der Informationsbeschaffung riesig. Apps können die Art, wie wir mit der Welt interagieren noch stärker verändern, als dies bei Sehenden der Fall ist.“

In seiner Dresdner Firma „visorApp“ bereitet er derweil schon die nächsten Projekte vor. Was genau dahinter steckt, will er noch nicht verraten. „Es wird aber mit Farben zu tun haben und geht in die künstlerische Richtung“, sagte er. Autor: Heiko Weckbrodt

BliBu“ (visorApp/Dr. Brüher), für iPhone und iPad ab iOS 7, Ausleih-App für Blindenbücherei, gratis

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