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TÜV soll Sachsens Kommunen zu Turbo-Internet verhelfen

Sachsen Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) begutachtet in der neuen Breitband-Beratungsstelle in Dresden einen Verteiler, wie er für den Anschluss von Wohnhäusern an schnelle Glasfaserkabel gebraucht wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Sachsen Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) begutachtet in der neuen Breitband-Beratungsstelle in Dresden einen Verteiler, wie er für den Anschluss von Wohnhäusern an schnelle Glasfaserkabel gebraucht wird. Foto: Heiko Weckbrodt

Wirtschaftsminister eröffnet Breitband-Beratungsstelle für Bürgermeister in Dresden

Dresden, 26. März 2014: Eine neue Breitband-Beratungsstelle in Dresden soll sächsischen Bürgermeistern ab sofort helfen, an schnelles Internet und vor allem an dafür benötigte Fördergelder heranzukommen. Dafür hat Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) gestern ein Büro mit drei TÜV-Experten an der Enderstraße in Dresden eröffnet.

In Japan schon 80 % aller Häuser mit Glasfasern – in Deutschland nicht mal 5 %

„Schnelle Internetverbindungen werden immer mehr zu einem wichtigen internationalen Standortfaktor“, sagte Morlok während der Eröffnung. „Breitbandanschlüsse sind einerseits für die Privathaushalte wichtig, vor allem aber auch für Industriebetriebe, Ingenieurbüros und viele andere.“ Er verwies auf Initiativen in Asien, die dazu führten, dass beispielsweise in Japan 80 Prozent aller Häuser direkt an schnelle Glasfaserkabel angeschlossen sind. In Südkorea liegt diese Quote bei 60 Prozent, in Deutschland hingegen unter fünf Prozent. Und speziell in Sachsen ist gerade mal die Grundversorgung mit Internetanschlüssen der Tempoklasse zwei Megabit je Sekunde (Mbs) fast flächendeckend verfügbar, in der Glasfaserverkabelung hingegen hinkt der Freistaat hinter dem Bundesdurchschnitt deutlich hinterher.

200-Millionen-Programm in Sachsen aufgelegt

Dies soll sich durch ein mit insgesamt rund 200 Millionen Euro dotiertes Breitbandprogramm ändern: Für die nächsten Jahre stellt Sachsen 80 Millionen Euro bereit, damit Kommunen und Gemeinden auf wenigstens 50 Mbs kommen, ebensoviel steuert die EU bei, der Rest stammt aus diversen anderen Töpfen. Und dieses Geld will Morlok vor allem in Glasfasern angelegt sehen: Soweit wie möglich an die Häuser sollen diese schnellen optischen Datenkabel gelegt werden.

Land wartet auf EU-Freigabe

Der „kleine“ Mangel: Derzeit darf er das Geld noch nicht verteilen, weil die Brüsseler Wettbewerbshüter Marktverzerrungen wittern und das sächsische Breitband-Programm erst noch prüfen wollen. „Einige Bürgermeister wie etwa in Görlitz stehen schon die ganze Zeit Gewehr bei Fuß und warten nur auf die Freigabe“, ärgert sich Morlok. Wann die EU-Entscheidung komme, könne er aber noch nicht abschätzen.

Bis dahin will er zumindest die wettbewerbsneutralen Teile des Programms starten, die sich praktisch in der Dresdner Beratungsstelle niederschlägt: Die soll erst mal Bedarfs- und Machbarkeitsstudien mit den Gemeinden anschieben, die Bürgermeister über einsetzbare Technologien und Förderprogramme informieren – auch bei Vor-Ort-Terminen.

Glasfaser-Ausbau in Sachsen würde 4 bis 5 Mrd. € kosten

Glasfaser bis zum "letzten Meter" gelten als Schlüssel für Tempo 100 Mbs+. Abb.: Dt. Telekom

Glasfaser bis zum „letzten Meter“ gelten als Schlüssel für Tempo 100 Mbs+. Abb.: Dt. Telekom

In Deutschland können laut „Breitband-Atlas“ prinzipiell 97,3 Prozent aller Häuser mit einem Tempo von bis zu zwei Mbs internetfähig, 55 Prozent können auch schnellere Leitungen mit mindestens 50 Mbs bekommen. In Sachsen steht hingegen nur für 96,8 Prozent der Haushalte die „Grundversorgung“ mit zwei Mbs zur Verfügung, etwa ein Drittel kann auch 50-Mbs-Leitungen ordern.

Eine flächendeckende Glasfaser-Verkabelung in Sachsen würde laut Morlok etwa vier bis fünf Milliarden Euro kosten (Deutschland: 80 bis 90 Mrd. €) – insofern seien die bisher aufgelegten staatlichen Programme wohl nicht ausreichend, räumte der Minister ein. „Je nachdem, wie sich der Bedarf entwickelt, werde ich an den Landtag wegen weiterer Mittel herantreten“, kündigte er an. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Dresden nutzt Stadtwerke-Glasfasern für schnelles Internet

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