Kunst & Kultur, News, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik
Schreibe einen Kommentar

Dresdner „CoolX“ entführt uns in die Nanowelt

Max (12) im Spiegelkabinett, das die Welt eines Chip-Wafers repräsentiert. Foto: Cool Silicon / Frank Grätz

Max (12) im Spiegelkabinett, das die Welt eines Chip-Wafers repräsentiert. Foto: Cool Silicon / Frank Grätz

Neue Dauerschau in Technischen Sammlungen setzt auf heiße Experimente mit coolen Chips

Dresden, 28. Februar 2014: Wie heiß bin ich? Kann ein PC auch Gärtner sein? Wie schnell müsste ich in die Pedalen treten, wollte ich meinen Plasma-Fernseher daheim selbst mit genug „Saft“ versorgen? Antworten auf diese und weitere Fragen rund um die für uns meist unsichtbare Technologiewelt hinter unseren iPhones, Glotzen und Laptops versucht die spektakuläre Schau „CoolX“ in den Technischen Sammlungen Dresden (TSD) zu geben, die am Sonntag mit einem Museumsfest eröffnet wird.

Ambiente einer Tüftlerwerkstatt in der Chipfabrik

Die neue Nanoelektronik-Dauerausstellung in Striesen wurde mit einem Aufwand von rund 700.000 Euro eingerichtet und ist eine Welt ganz in Gelb – ähnlich wie es in den Chipfabriken üblich ist. Darinnen warten auf die Besucher Mitmach-Experimente und Multimedia-Stationen samt Hightech von gestern, heute und morgen.

Videoimpressionen von "CoolX" (Video: Heiko Weckbrodt)

Mitmach-Ausstellung soll Jugend für Technikkarriere begeistern

Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) probiert das Kugelspiel aus, das die Funktionsweise eines Transistors veranschaulicht - die Kugeln stehen dabei für Elektronen. Foto: Heiko Weckbrodt

Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) probiert das Kugelspiel aus, das die Funktionsweise eines Transistors veranschaulicht – die Kugeln stehen dabei für Elektronen. Foto: Heiko Weckbrodt

„Dresden soll noch attraktiver für junge Bildungswanderer werden“, wünscht sich Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), der aus seinem Etat knapp 440.000 Euro locker gemacht hat, damit die Mitmachschau in den ehemaligen Ernemann-Kamerawerken an der Junghansstraße eingerichtet werden konnte. „Wir wollen unsere Jugend für die Naturwissenschaften und die Technik begeistern – deshalb unterstützen wir CoolX.“

Handymania treibt globalen Energieverbrauch

Eine weitere Viertelmillion haben die Ingenieure des sächsischen Spitzenforschungs-Verbundes „Cool Silicon“ beigesteuert, die in der Ausstellung ihre Tüfteleien an energieeffizienten Computerchips, Sensoren und Aktuatoren präsentieren. „Wenn heute einer von uns das Handy einschaltet, denkt er: Das bisschen Strom…“, erklärte Cool-Silicon-Koordinator Prof. Thomas Mikolajick das dahinter steckende Problem. Doch da dies zeitgleich Millionen und Abermillionen Menschen auf dem Planeten auch tun, hinter jedem Telefonat und Netzbesuch zudem einen stromfressende Infrakstruktur aus Rechenzentren, Mobilfunknetzen und Wandlern steckt, werden durch die Handymania des modernen Menschens enorme Energiemengen verzehrt. „Dieser wird immer dramatischer – deshalb forschen wir bei ,Cool Silicon’ an effizienterer Elektronik.“

Bio-PC lässt Gärten sprießen

Damit arbeiten die Dresdner Nanoelektronik-Ingenieure an vorderster technologischer Front – und ebenso modern im Ansatz ist auch die Schau „CoolX“, die vom Berliner Büro „Beier + Wellach“ konzipiert wurde. Die erwähnte Frage, wie heiß oder cool ein Mensch ist, veranschaulicht beispielsweise ein Bildschirm mit Wärmebildkameras, vor den sich Neugierige wie vor einen Energiespiegel stellen können. An der wie ein Fahrrad-Heimtrainer anmutenden – und ziemlich schweißtreibenden – Station „Tret den Lukas“ wiederum können die Besucher in die Pedale treten. Eine Lichtsäule zeigt dann, ob der dabei erzeugte Strom reicht, einen Fernseher, Drucker oder gar einen Spieler-PC anzutreiben.

Andere Exponate wie der „Biocomputer“ sollen eher dazu animieren, um die Ecke zu denken: Die Abwärme eines Rechners wird dort genutzt, um eine kleine Wiese auf dem PC wachsen zu lassen. An anderer Stelle veranschaulichen Kugelbahnen die Funktionsweise von Transistoren oder Lichtexperimente, wie in den Chipfabriken die Strukturen auf die Computerprozessoren kommen.

Synthese aus Museum und interaktiven Konzepten

Die Abwärme des Bio-PCs beheizt einen Rasen. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Abwärme des Bio-PCs beheizt einen Rasen. Foto: Heiko Weckbrodt

Ganz besonders freut sich TSD-Direktor Roland Schwarz über „CoolX“: Er sieht die Mitmach-Schau nach dem „Erlebnisland Mathematik“ und dem DLR-Raumfahrtlabor als weiteren Baustein, sein Haus zu einem deutschlandweit einzigartigen Vorbild zu machen, wie man traditionelle Technikausstellungen mit interaktiven modernen Museumskonzepten verschmelzen kann.

Nachwuchs-Gewinnung wird ausgebaut

Und Wirtschaftsbürgermeister Hilbert sieht das Ende der Fahnenstange längst noch nicht als erreicht an: Fraunhofer-Nachwuchsprogramme wie der Juniordoktor, die Schülerlabore der Dresdner Forschungseinrichtungen und die Mitmachschaus der Technischen Sammlungen sollen künftig zu einer Art Schnupperstudium für Kinder und Jugendliche ausgebaut werden – und zwar nicht nur für Dresdner, sondern auch Technikinteressierte aus dem Umland bis hin nach Tschechien. Autor: Heiko Weckbrodt

Eröffnungsfest im Technikmuseum:

Am Sonntag, 2. März, laden die Technischen Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1, zu einem Eröffnungsfest mit kostenlosem Eintritt ein. Zwischen 10 und 18 Uhr können Neugierige die Schau CoolX sowie das neue Foyer an der Schandauer Straße besichtigen, eine Elektronikwerkstatt besuchen, ein Energietheater ansehen, an einem Science-Slam (Wissenschafts-Spotandichten) teilnehmen sowie die Fototechnik-, Rechentechnik- und Physikexponate des Museums erkunden.

Zum Weiterlesen:

In Dresden beginnt die Hightech-Karriere mit dem Lötkolben im Kinderlabor

Bildergalerie:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.