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Hartes Herz hinter nackten Brüsten

Kommentar zum Dresdner „Femen“-Jubel für Bomber-Harris

Foto: Ronny Siegel

Heiko Weckbrodt. Foto: Ronny Siegel

Dresden, 21. Februar 2014: Wer die Toten von Dresden betrauert, sollte nie die kausale Kette vergessen, die zur Zerstörung der Stadt am 13. und 14. Februar 1945 führte: Angefangen und zur mörderischen Eskalation geführt hat den II. Weltkrieg Deutschland. Auch sollte man sich dafür hüten, die selbst zu DDR-Zeiten fortwirkende Propaganda eines Joseph Goebbels nachzubeten, der Dresdens zu einer unschuldigen Stadt verklärte und mit sechsstelligen Opferzahlen zu einer Singularität britischer Tücke und Mordlust stilisierte. Nach den sehr gründlichen Untersuchungen der Dresdner Historikerkommission sind es bis zu 25.000 gewesen, die in Bombenhagel und Feuersturm ihr Leben ließen. Und ja: Es gab auch in Dresden Rüstungsproduktion und ja: Auch die Dresdner haben Hitler gewählt, haben weggeschaut, als ihre jüdischen Mitbürger deportiert wurden.

Dank für den Tod von 25.000 Menschen?

Doch im Umkehrschluss den Tod dieser 25.000 Männer, Frauen und Kinder – darunter viele verzweifelte Flüchtlinge – zu bejubeln, wie es Anne Helm tut, ist etwas völlig anderes, ist ethisch verwerflich und rechtlich eine Abkehr vom Prinzip der Individualschuld. Wenn Frau Helm (oder wer immer da vermummt nicht den Mumm aufbringt, zur eigenen Aktion zu stehen) in Dresden ihre nackten Brüste Bomber-Harris widmet, zeigt das ein erschreckendes Maß an Kaltherzigkeit und Menschenverachtung – ein Makel, der leider allzu oft bei Linksextremisten zu beobachten ist. Sie bedankt sich da bei einem Mann, der Hunderttausende Zivilisten nicht etwa als „Kollateralschaden“, sondern zielgerichtet getötet hat.

Stalin-Denke: Wer nicht ins Weltbild passt, gehört ausgemerzt

Bei einer Teenagerin könnte man dies vielleicht noch als alterstypische Lust an Provokation abtun. Bei einer 27-jährigen Politikerin, die für das Europa-Parlament – ein Sinnbild europäischer Katharsis – kandidiert, spricht dies für Unreife und stalinistische Erbarmungslosigkeit nach dem Motto: Wer gegen die „Sache“ ist, gehört ausgemerzt. Für Helm sind diese getöteten Menschen offensichtlich nur Verfügungsmasse für doktrinäre Botschaften – ähnlich wie für die Neonazis, die sie so eifrig bekämpft.

Extremisten vergiften Diskussionskultur

Leider zeigt aber auch der scharfe Disput, der inner- und außerhalb von Twitter und Facebook um Helms entgleiste Femen-Aktion entbrannt ist, wie sehr die öffentliche Diskussion um politisch aufgeladene Themen wie die Zerstörung Dresdens inzwischen von extremistischen Grüppchen von links wie rechts dominiert wird: Statt sachlich als konsensfähige Bürgergesellschaft zu diskutieren, versprühen Gegner der Frau Helm erschreckenden Hass und Stammtischparolen, die einem den Magen umdrehen. Ein Phänomen im Übrigen wohl auch der oft gehässigen Diskussions-Unkultur im Netz, in der unter der Flagge der Anonymität das Schlechteste im Menschen zum Vorschein kommt.

Stadtverbot-Wünsche nicht weniger ignorant

Und selbst wenn man einmal den ganzen Lynchmob beiseite lässt: Auch die Idee einer Facebook-Seite, Anne Helm ein Dresden-Verbot aufzuerlegen, spricht ja schon Bände über unsere Diskussionskultur: Meinungen, die uns nicht in den Kram passen, wollen wir gar nicht erst hören. Verhöhnung hin oder her: Eine Demokratie muss auch das aushalten können. Wer Diskussionen radikal abschnürt – und seien es auch bizarr anmutende Meinungsäußerungen -, schaufelt am Grab der Bürgergesellschaft. Autor: Heiko Weckbrodt

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  1. Diese Verherrlichung von Kriegsverbrechen an Deutschen, Häme und Verhöhnung der Opfer sind in dieser Szene schon seit langem üblich. Speziell im Bezug auf Dresden begann das im großen Stil 1995, mit Flugblättern, die „Keine Träne für Dresden“, „No tears for krauts“ und „Bomber Harris, do it again“ propagierten und vielerorts in Antifa-Publikationen reproduziert wurden. Gleiches gilt auch für Vertreibung, Vergewaltigungen durch die rote Armee usw. Der aktuelle Fall ist so ziemlich das erste Mal, dass so etwas zu nennenswerter öffentlicher Kritik führt. Wohl nicht zuletzt, weil die Urheberinnen identifiziert und den Piraten, bzw. (fälschlicher Weise) Femen zugeordnet wurden (die sich davon distanziert haben).

    Es sieht auch nicht so aus, als wären das nur billige Provokationen oder ein reichlich dämlich entgleister Anti-Nazi-Protest, sondern es scheint wirklich eine Grundhaltung dieser Szene zu sein. Die Frage, ob es nun in erster Linie Kriegsverbrechen oder Folgen des von Deutschland begonnenen Krieges waren, ist nebensächlich; entscheidend ist, dass man Gräueltaten für richtig und angemessen hält, wenn sie nur von der „richtigen“ Seite begangen werden. Die absurden Kollektivschuld und -straf-Konstrukte in Helms Stellungnahme (und vielen anderen Publikationen dieser Szene) folgen der Vorgabe, dass jede im Sinne der eigenen Sache begangene Gräueltat gerechtfertigt ist. Das spiegelt sich auch in der massiven Einschüchterungs- und Mobbingkampagne, die wohl seit einiger Zeit in der Partei läuft.

    Was soll man von einer Bewegung halten, die mit Gewalt und Einschüchterung die Straßen beherrschen ihre kriminellen Triebe ausleben will und schonmal vorab klar macht, dass sie jede Gräueltat im eigenen Sinne gutheißt? Warum wird sie immer noch viel zu oft als „gute“ Seite wahrgenommen? Nur, weil sie sich plakativ gegen ein längst vergangenes Verbrechensregime wenden? Braucht es zur Bekämpfung von Rassismus und rechtsextremer Gewalt eine Antifa? Soll man, wenn irgendwo Bandidos gewaltsam auftreten, dagegen die Hell’s Angels hofieren?

    Die Piratenpartei ist damit kaputt (wenn sie nicht die schwere und wohl auch gefährliche Herkulesaufgabe vollbringt, diese Leute rauszuwerfen). Bei allen positiven Werten, die viele Mitglieder immer noch vertreten, will ich nicht diesen Extremisten Posten oder Geld in Form von Wahlkampfkostenerstattung zuschanzen!

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