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Infineon baut Energiechip-Werke in Dresden und Villach aus

Für Leistungshalbleiter setzt Infineon vorerst auf Silizium-Dünnwafer mit bis zu 300 mm Durchmesser. ber auch GaN-Schichtwafer werden in Villach erforscht. Foto: Infineon

Für Leistungshalbleiter setzt Infineon auf Silizium-Dünnwafer mit bis zu 300 mm Durchmesser. Foto: Infineon

Konzernweit 650 Millionen Euro Investitionen geplant

Dresden/München, 13. Februar 2014. Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon will in diesem Geschäftsjahr seine Dresdner Fabriken millionenschwer ausbauen. Insgesamt wolle er konzernweit rund 15 Prozent des Umsatzes, sprich: etwa 650 Millionen Euro in neue Anlagen und Gebäude investieren, kündigte Infineon-Chef Reinhard Ploss heute auf der Hauptversammlung in München vor Aktionären an. „Ein Schwerpunkt ist dabei der Auf- und Ausbau unserer Fertigungen für Leistungshalbleiter auf 300-mm-Dünnwafern in den Standorten im österreichischen Villach und in Dresden“, teilte Ploss mit. Ein weiterer Wachstumsschwerpunkt soll Asien und speziell in China sein.

Aktivere Industriepolitik von Bund und EU gefordert

Freuen sich wie verrückt über die neuen biegsamen Dünnwafer mit Leistungshalbleitern: Infinein-Austria-Chefin Monika Kircher, Konzernchef Reinhard Ploss und Infineon-Dresden-Geschäftsführer pantelis Haidas. Foto: Infineon

Infineon-Austria-Chefin Monika Kircher, Konzernchef Reinhard Ploss und Infineon-Dresden-Geschäftsführer Pantelis Haidas (von links nach rechts) mit einem Dünnwafer. Foto: Infineon

Zugleich forderte der Konzernchef von der Bundesregierung und der EU-Kommission eine aktivere Wirtschaftspolitik. „Unser Land muss heute mehr tun, wenn wir auch morgen noch erfolgreich sein und unsere führende Position halten wollen“, betonte er. Die Initiative „ECSEL“, in deren Rahmen die EU insgesamt 4,8 Milliarden Euro Investitionen in innovative Mikroelektronik-Pilotlinien pumpen will, sei ein Schritt in die richtige Richtung, genüge aber nicht. „Wenn globale Industriestandards auch künftig noch aus Europa kommen sollen, müssen wir in größerem Rahmen denken und auf europäischer Ebene kooperieren“, schätzte Ploss ein. „Nur dann erreichen wir die kritische Masse, mit der wir Märkte nicht nur bedienen, sondern definieren können.“ Außerdem forderte er vom Bund, die deutsche Hightech-Industrie nicht weiter mit immer höheren Energiekosten zu belasten.

Umsatz geschrumpft

Infineon selbst soll nach zwei Jahren der Konsolidierung und eher schwacher Umsätze nun durch Investitionen wieder auf Wachstumskurs gehen. Das Unternehmen hatte im vergangenen Geschäftsjahr, das für Infineon im September 2013 endete, 3,84 Milliarden Euro umgesetzt – 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Durch diverse Sparmaßnahmen sei der Konzern aber profitabel geblieben und habe einen Gewinn von 283 Millionen Euro erreicht, teilte der Konzernvorstand mit.

Dünnwafer aus Dresden und Villach sorgen für Technologie-Vorsprung

Nun will Ploss technologische Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz auch in Massenproduktion ummünzen. Dabei meint er in Villach entwickelte Verfahren, um Leistungshalbleiter, die sehr starke Ströme und hohe Spannungen vertragen, auf besonders dünnen 300 Millimeter großen und speziell beschichteten Siliziumscheiben zu fertigen. Die Großfertigung wird nun im ehemaligen Qimonda-Reinraum in Dresden-Klotzsche hochgefahren – Infineon rechnet offensichtlich mit einer anziehenden Nachfrage für diese für die deutsche Energiewende wichtigen Spezialchips.

Auch 200-mm-Werke in Dresden fahren Kapazität hoch

Materialbewegungen werden in den Dresdner Werken fast nur noch durch Roboter erledigt.

Materialbewegungen werden in den Dresdner Werken fast nur noch durch Roboter erledigt.

Man werde in der Dresdner 300-mm-Fabrik in diesem Jahr neue Anlagen installieren, um die Kapazität zu erhöhen, kündigte die Dresdner Standort-Sprecherin Diana Heuer an. Außerdem werden weitere Technologien von Villach nach Dresden transferiert – vor allem Fertigungsverfahren für besonders leistungsstarke Bipolartransitoren mit isolierter Elektrode („IGBT-Technologie“). Auch die Kapazität der benachbarten 200-mm-Werke werde erhöht. Eine genaue Investitionssumme für Dresden wollte Infineon nicht nennen. Es dürfte sich aber um einen dreistelligen Millionenbetrag in diesem Jahr handeln. Allein in den Ausbau und die Ausrüstung der 200-mm-Werke mit Kupfertechnologie-Anlagen hatte Infineon seit 2009 rund 200 Millionen Euro gesteckt. Für das 300-mm-Werk hatte das Unternehmen bisher mit 351 Millionen Euro Aufwand kalkuliert.

Wenig Job-Effekte zu erwarten

Weitere Jobs werden durch den Ausbau allerdings wahrscheinlich kaum entstehen: Die neuen Anlagen werden wohl größtenteils aus der bisherigen Belegschaft heraus besetzt. Denn um wettbewerbsfähig zu bleiben, lässt Infineon demnächst die Arbeit von rund 160 Beschäftigten durch Roboter erledigen, weitere Mitarbeiter werden im Zuge dieses Automatisierungsprogramms versetzt. Laut Heuer zeichne sich ab, dass dieser Personalabbau ohne Kündigungen gelingen könnte, sondern durch freiwillige Vereinbarungen. Derzeit hat Infineon rund 2100 Beschäftigte in Dresden, die Zahl der Leiharbeiter wurde bereits stark reduziert. Autor: Heiko Weckbrodt

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