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Dresden hofft auf Akku-Fabrik von Samsung

In der Pilotanlage im Fraunhofer-Batteriezentrum werden neuartige Akkus auf Lithium- und Schwefel-Basis probeproduziert. Foto: Heiko Weckbrodt

In der Pilotanlage im Fraunhofer-Batteriezentrum werden neuartige Akkus auf Lithium- und Schwefel-Basis probeproduziert. Foto: Heiko Weckbrodt

Stadt möchte durch Pilotanlagen Energiespeicher-Investitionen fördern

Dresden, 6. Februar 2014: Um Dresden zu einem Energiespeicher-Produzenten von europäischen Rang zu machen, versucht die städtische Wirtschaftsförderung nun, gezielt Batterie-Hersteller und andere Industrieunternehmen für eine Ansiedlung anzuwerben. Das hat Heike Lutoschka namens der Behörde in Auswertung einer Energiespeicher-Studie angekündigt. Darüber hinaus hoffen Dresdner Energiespeicher-Forscher noch auf einen ganz dicken Fisch, der Hunderte, vielleicht sogar Tausende Jobs in der Stadt schaffen könnte: Eine milliardenschwere Akku-Fabrik von Samsung.

Energiewende dürfte Akku-Hersteller anlocken

Christian Wunderlich. Foto: Fraunhofer-IKTS

Christian Wunderlich. Foto: Fraunhofer-IKTS

„Wenn Elektroautos in Deutschland erst mal richtig in Serie gehen, wird auch die Akku-Nachfrage deutlich steigen“, argumentiert Dr. Christian Wunderlich vom Dresdner Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS). Ein Transport solch großer Mengen von Energiespeichern aus den großen Samsung-Werken in Asien werde aber kaum möglich sein, da die Akkus nicht nur schwer sind, sondern der Transport im aufgeladenen Zustand auch zu gefährlich und teuer wäre. „Es wird dann definitiv eine Produktionsstätte in Europa geben“, ist der Forscher überzeugt. „Die Frage ist nur, wo genau Samsung investiert – das wäre ein lohnenswerter Kampf für Dresden.“

Lücken in der Wertschöpfungskette

Völlig abwegig ist dieser Gedanke nicht: Einerseits ist die sächsische Landeshauptstadt ohnehin in den Fokus der Asiaten gerückt, seitdem Samsung die Dresdner Technologiefirma „Novaled“ übernommen hat. Zum anderen hat die besagte Studie auch gezeigt: In der Forschung und Entwicklung von neuartigen Akkus, Brennstoffzellen, Superkondensatoren und anderen Energiespeichern mischt der Raum Dresden bereits heute in der obersten Liga mit. Nur mit der industriellen Verwertung vor Ort hapert es eben noch.

Video: Fraunhofer-Forschungszentrum für Energietechnik in Dresden (hw):

Das sehen auch Wirtschaftsvertreter so: „Als wir unsere Firma vor 20 Jahren gegründet haben, drangen unsere Techniker gleich auf den Standort Dresden, weil es hier so eine gute Forschung gibt“, erzählte Christian von Olshausen, der Technikchef des Brennstoffzellen-Unternehmens „Sunfire GmbH“. „Das kam zwar zunächst anders – aber inzwischen sitzen wir tatsächlich in Dresden.“ Und hier – in Steinwurfweite zum alten Gasometer Reick – entsteht auch ein ambitioniertes Pilotprojekt, das weitere Investoren anlocken soll.

Pilotanlage in Reick macht aus Strom Sprit

„Sunfire“ hat nämlich das Brennstoffzellen-Prinzip „Mach aus Brennstoff Strom“ umgedreht und will damit eine mittlere „Revolution“ in der Wasserstoffindustrie auslösen: An der Gasanstaltstraße entsteht derzeit eine innovative Anlage, die wie in der klassischen Elektrolyse durch Elektrizität Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt, aber statt kaltes Wasser heißen Wasserdampf verwendet. Durch den Einsatz dieser Hochtemperaturtechnik werde der Stromverbrauch bei diesem Prozess gegenüber herkömmlichen Verfahren um ein Fünftel gesenkt, sagte von Olshausen. Dadurch wandele die Anlage 70 Prozent der eingesetzten elektrischen Energie letztlich in Brennwert um – in Kraftstoffe wie Benzin, Diesel und andere Öl-Ersatzstoffe. Dies sei ein neuer Spitzenwert. Die Pilotanlage soll im zweiten Halbjahr 2014 in Betrieb gehen und dann ein Barrel (159 Liter) Benzin & Co. pro Tag erzeugen – und die Machbarkeit ganzer Großfabriken nach diesem Prinzip beweisen.

Stadtentwässerung macht mit Brennstoffzellen aus Sch… Strom

Die bei Fraunhofer entwickelten Eneramic-Brennstoffzellen sollen demnächst die Vasis für eine Firmen-Ausgründung aus dem IKTS werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Die bei Fraunhofer entwickelten Eneramic-Brennstoffzellen mit Keramik-Kern sollen demnächst die Basis für eine Firmen-Ausgründung aus dem IKTS werden. Foto: Heiko Weckbrodt

Die Strom-Sprit-Anlage ist Teil einer weiteren Strategie, mit der die städtische Wirtschaftsförderung die in der Studie aufgezeigten Lücken in der Dresdner Wertschöpfungskette schließen will: Pilotanlagen sollen einen Initialmarkt in Ostsachsen schaffen, der dann weitere Investoren anzieht. So ist bereits eine erste IKTS-Brennstoffzelle bei den neuen Faultürmen der Stadtentwässerung im Testbetrieb. Ein in Dresden angesiedeltes US-Unternehmen steht nun „Gewehr bei Fuß“, der Stadttochter eine noch größere Anlage hinzusetzen, die letztlich aus dem Bioabfall der Specki-Tonnen und den Ausscheidungen der Dresdner Strom erzeugen soll: Zur Debatte steht die Leistungsklasse zwischen 800 Kilowatt und drei Megawatt. Auch ein Pilotprojekt für die Stromversorgung von Ampeln durch IKTS-Brennstoffzellen der Marke „Eneramic“ wird derzeit geprüft.

Um solche und weitere Projekte zu fördern, will die Stadt zudem in diesem Jahr dem regionalen Netzwerk „Energy Saxony“ beitreten und Fördermittel aus dem Bundesforschungsprogramm „Horizont 2020“ für weitere Pilotobjekte akquirieren. Autor: Heiko Weckbrodt

Zum Weiterlesen:

Energiespeicher-Studie bescheinigt Dresden Potenzial

Energiespeicher-Forschung in Ostsachsen im Kurzprofil

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